13.09.2019 (Doc Storage)
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Kann man Daten auf Festplatten erneuern?

Leserfrage: Ich habe verschiedene Ihrer Artikel gelesen (Was ist bei lange eingelagerten Festplatten zu beachten?, Wie lange kann man HDDs ungenutzt lagern?), aber vielleicht noch nicht den richtigen. Ich habe mehrere externe Festplatten, die ich zum Teil vor über zehn Jahren beschrieben habe und seither nur als Backup-Speichermedium ungenutzt und stromlos bei Raumtemperatur lagere.

Kann ich diese HDDs mit den darauf gespeicherten Daten wieder erneuern?

Ich stelle mir das zum Beispiel so vor, dass die Dateien Stück für Stück auf einen Arbeitsspeicher herunterkopiert und auf der Platte wieder an die gleiche Stelle zurückgeschrieben werden und somit einfach die Magnetisierung der HDD erneuert wird? So würde die HDD wieder auf sich selbst kopiert werden. Eine Art »Restauration«.

Gibt es solche Softwaren, welche diese Aufgabe zuverlässig ausführen würden?

Antwort Doc Storage:

Natürlich ist es möglich, mit diversen Werkzeugen (z.B. dem kostenfreien Macrium Reflect) Festplatten zylindergenau zu kopieren, meist zum Zwecke der Verlagerung von Installationen auf größere oder schnellere Medien. Allerdings sollte man dabei berücksichtigen, dass diese Verlagerung der bereits mit Informationen beschriebenen Zylinder nicht alle Bereiche der alten Festplatte betrifft. So mag es sein, dass das Auslesen und neue Beschreiben des alten Mediums ohne Probleme von statten geht, allerdings außerhalb dieses Bereiches liegende, möglicherweise beschädigte Zylinder nicht bemerkt werden.

Wenn man mir diese Aufgabe stellen würde, wäre meine Vorgehensweise daher eine andere. Ich benutze den Konjunktiv, da es sich hier um über zehn Jahre alte Platten handelt, also solche mit höchstens einem TByte Kapazität, noch dazu mit Transferraten von 50 bis 120 MByte/s, selbst wenn es bereits SATA- oder SAS-Medien sind. Ich würde in drei Schritten vorgehen, wenn es sich lediglich um ein Backup-Medium handelt, mit dem das System nicht – zu welchem Zweck auch immer – gestartet werden soll:

  1. Eine neue (oder wenigstens nur wenige Jahre alte) Platte mit mindestens derselben Kapazität entweder intern direkt über den jeweiligen Bus (SATA oder SAS) oder extern über USB anschließen, ein altes Laufwerk ebenfalls über den jeweiligen Bus (oder aber über einen im Handel erhältlichen USB-to-SATA-Adapter) anschließen.
  2.  Alle Daten von der alten auf die neue Platte kopieren. Natürlich kann diese Kopie auch auf ein internes Medium erfolgen, wenn dort genug Kapazität vorhanden ist.
  3. Die alte Platte mit einem ebenfalls kostenfrei erhältlichen Werkzeug »low level« formatieren. Das bedeutet, dass nicht nur die logischen Einträge (also mögliche Einteilung in mehrere logische Laufwerke, Datei- und Verzeichnisbäume, einzelne Dateien) gelöscht werden und die Platte dann dem Betriebssystem gegenüber wieder »frisch« präsentiert wird. Vielmehr überschreibt ein Low-Level-Format jeden einzelnen Zylinder mit einem Bitmuster, liest dieses Muster aus und prüft damit die Physik der Platten auf mögliche Beschädigungen. Sollte eine solche unbrauchbare Stelle gefunden werden, markiert das Laufwerk diese entsprechend, schließt sie von der Nutzung aus und ersetzt sie, wenn noch vorhanden, durch einen der immer mit ausgelieferten Spare-Zylinder.
  4.  Ein neues logisches Laufwerk auf der nun frischen, alten Platte einrichten.
  5. Die Daten vom Ziel der Kopie wieder auf das neu eingerichtete logische Laufwerk verlegen.

Mit diesem Vorgehen überprüfen Sie die Brauchbarkeit der alten Platte und stellen so sicher, dass die dort gespeicherten Daten noch einmal etwas Zeit dort verbringen können, ohne verloren zu gehen. Allerdings sollten Sie berücksichtigen, dass Standard-Festplatten nur um bis zu 30 Jahre Haltbarkeit bieten, und das auch nur bei idealer Lagerung, also konstanter Temperatur von 15 bis 25 Grad und zirka 60 Prozent Luftfeuchtigkeit, und auch nur, wenn Sie die Platten sofort nach dem Beschreiben eingelagert haben. Jede Art von Nutzung verkürzt diese Zeit, bei ständigem Betrieb kann sich diese auf fünf Jahre oder weniger reduzieren. Sollten Sie also mehrfache Backups auf diesen Platten abgelegt haben, und das über einen längeren Zeitraum, dürfte sich die Lebensdauer Ihrer Medien bereits mit den von Ihnen angegebenen zehn Jahren einem kritischen Bereich nähern. Es wäre also zu überlegen, ob Sie jetzt nicht in zwei doch heute recht günstige Platte investieren, auf die Sie jeweils den Inhalt aller älteren Platten kopieren können (immer zwei, aus Gründen der Sicherheit…). Oder gleich in ein NAS-System mit entsprechendem RAID-Schutz, auf welches ebenfalls der gesamte Inhalt aller älteren Platten passt.

Gruß
Doc Storage

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Kommentare (2)
16.09.2019 - bernd.schaub

Hallo,

ich halte die Antwort zwar für gut, nicht aber für vollständig. In Kürze: Es gibt kein dauerhaftes Speichermedium, es gibt nicht mal eine Datensicherheit beim Lesen auf Dauer (URE). Wir sichern heute Informationen bei vielen Systemen nur recht wenig bzw. schlecht ab. Eine Datensicherheit nur in simplen RAID oder CRC Prüfsummen der Platten reicht heute zumindest im mehr als 2 stelligen Terabyte Bereich nicht mehr aus. RAID schützt vor einem Plattenausfall, also nicht Datenausfall. CRC schützt zum größten Teil vor Einzelbitfehlern, aber nicht allen Bitfehlern.

Ja, auch ich werde wohl dafür negative Antworten bekommen. Aber wie viele Male hat man Rücksicherungen bei Dateien durchgeführt, wo die Datei angeblich defekt war? Welche Antwort gab man, wenn auch das Backup dieser Datei defekt war? und nein, es muss nicht eine vom Programm fehlerhaft geschriebene Datei sein!

Wir haben heute sowohl Dateisysteme mit vernünftigen Schutzmechanismen und wir haben auch auf Blockebene Möglichkeiten einen besseren Schutz zu gewährleisten. Wann werden alle Anbieter einen vernünftigen Schutz generell anbieten? Also durchgehende und prüfbare Datenintegrität zwischen CPU und Platte. Zumindest beim Lesen der Daten sollte man prüfbar wissen, was man gelesen hat! Aus defekten Backups werden nun keine korrekten Daten!

PS: Auch für Daten die schon 10 Jahre alt sind, sollte obiges gelten.

15.09.2019 - Gast

Hallo Doc Storage

Ich habe an meine Frage noch eine Anschlussfrage.

Ich habe auch seit über 10 Jahren ein NAS mit fünf 1TB-Harddiscs. Darauf sind ca 180'000 aktuelle Dateien. Davon bearbeite ich regelmässig geschätzte 200. Die übrigen Dateien sind teilweise auch schon seit über 10 Jahren auf dem NAS gespeichert.
Frage 1:
Wenn ich eine dieser 200 Dateien verändere: Wird dann die ganze Datei neu auf die HD geschrieben, so dass die Datei wieder ca 5 Jahre auf der HD korrekt gespeichert bleibt?
Frage 2:
Muss ich bei den übrigen 179'800 Dateien damit rechnen, dass diese evtl nach ca 5 Jahren nicht mehr gelesen werden können?
Wenn JA: Wie kann ich das auf dem NAS verhindern?

Vielen herzlichen Dank im Voraus für Ihre kompetenten Ratschläge.