05.12.2016 (Ariane Rüdiger) Drucken
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Infinidat entwickelte das Hybrid-Array für die 20-TByte-Platte

All-Flash wird inzwischen von vielen als die Zukunft anspruchsvoller Speicheraufgaben propagiert. Infinidat geht einen vollkommen anderen Weg, und ist bisher erfolgreich damit. speicherguide.de hat das Unternehmen in Israel besucht.

Die Architektur der »Infinibox« (Bild: Infinidat)Die Architektur der »Infinibox« (Bild: Infinidat)Wenn es gilt, im Speicherbereich eine neue Technologie zu erfinden, fackelt Moshe Yanai nicht lange. Schließlich war er bisher bereits mehrmals höchst erfolgreich: Er entwickelte sowohl die Architektur der »Symmetrix« (von EMC)als auch die der Flash-Lösung XIV (jetzt IBM) und die von EMC gekaufte Deduplizierungslösung »Data Domain«.

Angeblich inspiriert durch seinen Sohn, der in der Genomforschung bisher seinen Etat vorwiegend für Speichersysteme ausgeben musste, stieg Yanai 2010 noch einmal in den Ring, nachdem er sich eigentlich von der Branche bereits verabschiedet hatte. Er kam zurück, um mit einem Team von Ingenieuren »die Speicherlösung für die Zeit der Multi-PByte-Datenvolumen und der 20-TByte-Festplatten« zu entwickeln. Wie man Dinge zum Fliegen bringt, weiß der passionierte Hubschrauberpilot.

Also entstand Infinidat und mittlerweile das Produkt »Infinibox«, ein System, das diverse Preise und Nominierungen gewinnen konnte. Infinidat hat inzwischen mehr als 500 PByte Rohkapazität und etwa 1.000 Boxen implementiert, und unterhält Aktivitäten in 17 Ländern. 75 Prozent der Umsätze kommen im Moment aus den USA. In Deutschland gibt es eine Vereinbarung mit dem Dienstleister Econocom.

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Hybrid-Architektur ist Basis der Infinidat-Arrays

Moshe Yanai hat die Architektur der EMC Symmetrix maßgeblich gestaltet und an anderen bedeutenden Storage-Projekten mitgewirkt (Bild: Ariane Rüdiger)Moshe Yanai hat die Architektur der EMC Symmetrix maßgeblich gestaltet und an anderen bedeutenden Storage-Projekten mitgewirkt (Bild: Ariane Rüdiger)Seit dem vergangenen Quartal ist Infinidat profitabel. Das Unternehmen befindet sich zum großen Teil in Yanais Besitz und hat deshalb die Chance, zumindest eine zeitlang unbeeinträchtigt von Börsenstürmen und Ausstiegsgelüsten aus dem Venture-Capital-Sektor zu wachsen. Das jedenfalls, so betont das gesamte Management, sei vorgesehen.

Infinidat hat seine Lösung von vornherein hybrid konzipiert – unter Einschluss der von manchen als Auslaufmodell empfundenen Festplatte, denn die sei und bleibe konkurrenzlos billig, und sei als Sekundär- oder Tertiärmedium bestens geeignet. Es sei ein Irrtum zu glauben, Storage finde demnächst nur noch in der Cloud statt. »Workloads wandern in die Cloud, aber Storage wird hybrid beiben«, ist Yanai überzeugt, »und für Daten im PByte-Bereich oder darüber rechnet sich die Cloud nicht.« Ganz generell gelte allerdings, dass Medien im Grunde uninteressant seien. Würden sie billig genug, steckte man als Nearline-Storage auch in die Infiniboxen SSDs oder ein beliebiges anderes Speichermedium. Vorläufig sei davon aber nichts zu sehen.

Der Infinidat-Knackpunkt: drei Speicherschichten

Infinidat reiht sich in die sogenannten Hyperstorage-Systeme ein, deren Qualitäten der Hersteller so beschreibt: »Lauffähig auf jeder Hardware, passend zu jedem Medientyp, globales API, zuverlässiger als Monolithe, leistungsfähiger als All-Flash-Arrays und mit besonders geringem Platz- und Energiebedarf.«

Derzeit besteht die schnellste Speicherschicht aus 3 TByte ultraschnellen DRAMs, die Zugriffszeiten zwischen 130 und 180 Mikrosekunden garantieren. Das Nearline-Medium sind SSDs, die Kapazität stellen hochdichte Festplatten bereit. Insgesamt passen in ein Infinidat-Array heute zwar schon bis zu 5 PByte Kapazität, davon sind dank innovativer Algorithmen nur drei Prozent Flash. Ein Controller kann bis zu 480 Laufwerke überwachen, was Komponenten und Managementaufwand einspart und damit das System billiger, leichter und besser handhabbar macht.

Die Software, die von Grund auf neu entwickelt wurde, ist unter anderem auf eine möglichst optimale Ausnutzung der Speichermedien und eine besonders gute Datenreduktion fokussiert. Der Hersteller nennt hier 78 Prozent für die DRAMs, 93,7 Prozent für die SSDs und 72 Prozent für die Festplatten, wobei hier Deduplizierung und Kompression nicht mitgerechnet sind, es handelt sich also um »rohe« Auslastungsraten.

Ein Infinidat-Array beginnt bei 115 TByte Rohkapazität

Erasure Coding in der »Infinibox«: Daten werden in RAID-Stripes unterteilt, die dann wiederum auf eine RAID-Gruppe aus 14 Festplatten und zwei Paritäts-Platten verteilt werden (Bild: Infinidat)Erasure Coding in der »Infinibox«: Daten werden in RAID-Stripes unterteilt, die dann wiederum auf eine RAID-Gruppe aus 14 Festplatten und zwei Paritäts-Platten verteilt werden (Bild: Infinidat)Kunden erhalten beim Kauf ein voll ausgebautes Array, müssen aber nur die aktiv genutzte Speichermenge auch bezahlen. Die Mindestmenge sind 115 TByte Rohkapazität. Ein Rückwärtsgang ist beim Pricing nicht vorgesehen, wenn die benötigten Speichermengen einmal abnehmen sollten. Der Durchsatz liegt bei 12 GByte/s, das Gerät schafft mehr als eine Million Ein-/Ausgabevorgänge pro Sekunde (IOPS). Ein weiterer Pluspunkt ist das sehr einfach gehaltene Management-GUI. Weitere Verbindungen knüpft das Array über eine RESTful-API.

»Energie, Fläche und Standzeit werden inzwischen zu wichtigen Themen bei der TCO-Berechnung«; ist Brian Carmody, CTO von Infinidat, überzeugt. Auch hier kann das System punkten: Eine voll belegte Box (42-HE-Rack) verschlinge höchstens acht kWh, das sind 2 Watt pro TByte, behauptet Infinidat.

Eines der Geheimnisse hinter der superdichten Maschine ist ein neues Erasure-Coding-Verfahren, »Infiniraid«, das alle Daten zunächst in 14 optimierte Sektionen mit Integritätsbit und zwei Paritäts-Sektionen, sogenannte RAID-Stripes, aufteilt. Diese Sektionen werden dann auf eine Gruppe von 14 Harddisks und zwei Paritätsdisks verteilt, und zwar so, dass jeder Stripe auf mehreren unterschiedlichen Disks landet. Das Verfahren sollte laut Infinidat noch mit weit dichteren Medien funktionieren. Infinidat erreicht damit Zuverlässigkeitsraten von »sieben Neunen, das entspricht einem Ausfall von drei Sekunden pro Jahr«, erläutert Yanai. »Wir verlieren derzeit als einziges System auf dem Markt aufgrund unserer Verarbeitungslogik tatsächlich keine Daten.«. Denn es müssten wegen der n+2-Architektur schon eine ganze Reihe Laufwerke auf einmal ausfallen, bevor das Auswirkungen hätte. In jedem Rack stecken drei Management-Knoten, von denen jeder eine direkte Verbindung zu allen Laufwerken hat. Die Controller arbeiten sämtlich im aktiven Modus.

Infinidat kämpft gegen die alteingesessenen Hersteller

Auf dem Markt punkte man vor allem gegen die etablierten Storage-Anbieter wie EMC oder NetApp. »Wir arbeiten im klassischen Open-Storage- und NAS-Markt, weniger als Mainframe-Ergänzung, obwohl das auch möglich wäre«, erklärt Yanai. Dies nicht nur wegen der Einfachheit der Systeme, sondern auch, weil es praktisch keine Serviceoperationen gebe, die es nötig machen würden, die Systeme offline zu schalten.

Kunden, die bei der Implementierung und im anfänglichen Betrieb sichergehen möchten, bekommen einen Berater an die Seite gestellt, der die Kundenumgebung kennt. Dafür fallen keine Extrakosten an. Von den 400 Mitarbeitern weltweit sind 40 im Support beschäftigt. Der soll zukünftig auch Code-Upgrades übernehmen.

»Wir erleben häufig, dass potentielle Kunden noch nicht einmal unseren Namen kennen, wenn wir gegen etablierte Hersteller antreten, sich aber trotzdem überzeugen lassen, sobald sie das System kennenlernen«, sagt Dan Shprung, Vice President EMEA Sales von Infinidat. Zu den Kunden gehört beispielsweise Israels größter Versicherer, Menora Mivtachim, der seine EMC- und IBM-Speicherinfrastruktur komplett durch Infinidat ersetzte. Auch British Telekommunications und Tricore Solutions vertraut bereits auf Infinidat-Arrays.

Dieser Erfolg hat sicher auch mit Yanais legendärem Ruf in der Storage-Branche zu tun. Denn in vielen Unternehmen, in denen Infinidat präsentiert, dürfte lange Zeit eine Symmetrix gelaufen sein – und damit ein System, das ebenfalls er entwickelt hat.

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