14.03.2014 (kfr)
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Bitkom: Big Data immer häufiger im Einsatz

  • Inhalt dieses Artikels
  • Bitkom-Präsident Dieter Kempf zu Big Data
  • Datability: Große Datenmengen beherrschen
  • Expertenmangel ist ein Hemmschuh


Einer Umfrage des Hightech-Verbands Bitkom zufolge nutzen oder planen bereits 40 Prozent der Unternehmen eine Big-Data-Lösung. Von den Ergebnissen der Datenanalyse profitieren Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen. Für einen breiten Einsatz von Big Data wird jedoch ein gesetzlicher Rahmen benötigt, der moderne Datenverarbeitung ermöglicht und gleichzeitig die Daten der Nutzer bestmöglich schützt.

Veränderung des Datenvolumens in Unternehmen 2013 (Grafik: Bitkom).Veränderung des Datenvolumens in Unternehmen 2013 (Grafik: Bitkom).Einer BITKOM-Umfrage zur Folge setzt aktuell jedes zehnte deutsche Unternehmen auf eine Big-Data-Lösung. 31 Prozent der befragten Firmen haben bereits konkrete Pläne, dies künftig zu tun. Weitere 28 Prozent diskutieren die Nutzung und ein Drittel hat sich noch gar nicht mit dem Thema beschäftigt. Der Hightech-Verband sieht Big Data daher auf einem guten Weg.

Prof. Dieter Kempf, BitkomProf. Dieter Kempf, Bitkom»Big-Data-Analysen helfen uns, die Welt besser zu verstehen und auf dieser Basis bessere Entscheidungen zu treffen«, sagte Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf vor dem Start der CeBIT in Hannover. »Big Data ermöglicht nicht nur die Entwicklung neuer Produkte und Dienste, sondern hilft dabei, die medizinische Versorgung zu verbessern, natürliche Ressourcen zu schonen oder unsere Sicherheit zu erhöhen.« Zu beachten sei auf jeden Fall der Datenschutz. Kempf zufolge seien Big Data und Datenschutz kein Widerspruch.

Bitkom-Präsident Dieter Kempf zu Big Data

Datability: Große Datenmengen beherrschen

Wie Unternehmen auf das steigende Datenvolumen reagieren (Grafik: Bitkom).Wie Unternehmen auf das steigende Datenvolumen reagieren (Grafik: Bitkom).Unter dem neuen Kunstwort »Datability« ist Big Data das Schwerpunktthema der CeBIT 2014. Darunter versteht sich die Fähigkeit, große Datenmengen aus unterschiedlichsten Quellen in hoher Geschwindigkeit auszuwerten. Darüber hinaus steht Datability für die verantwortungsvolle Nutzung von Daten von der Erhebung über die Auswertung bis zur Verwendung der Analyseergebnisse. Laut Kempf hat sich Big Data aus verschiedenen technischen Neuerungen entwickelt.

Wie relevant ist Big Data für Unternehmen (Grafik: Bitkom)?Wie relevant ist Big Data für Unternehmen (Grafik: Bitkom)?Nach den Ergebnissen der Umfrage hat das Datenvolumen in 91 Prozent der befragten Unternehmen im vergangenen Jahr zugenommen, im Schnitt um 22 Prozent. Ein Drittel gibt an, dass die Datenmenge sogar um 30 Prozent oder mehr gewachsen ist. Eine Erhöhung der Speicherkapazitäten ist bei vier von fünf Firmen (79 Prozent) die Folge. 46 Prozent führen Analyse-Tools ein und 40 Prozent Cloud-Lösungen. Bei gut einem Viertel (26 Prozent) wurden bereits Big-Data-Experten eingestellt. »Aktuell entstehen rund um Big Data viele neue Berufsbilder, zum Beispiel spezialisierte Informatiker und Experten, die neue Produkte oder Geschäftsmodelle auf Basis von Datenanalysen entwickeln«, erklärt Bitkom-Präsident Kempf.

Die Sicht der Bürger: Sorge & Pragmatismus (Grafik: Bitkom).Die Sicht der Bürger: Sorge & Pragmatismus (Grafik: Bitkom).Vor allem das Marketing und der Vertrieb planen bzw. nutzen Big Data. Rund drei Viertel (74 Prozent) wollen beispielsweise Absatzprognosen erstellen oder die Preisgestaltung optimieren. Die Bereiche Finanzen, Buchhaltung und Controlling folgen mit 44 Prozent auf Rang zwei.

»Controller haben mit Big Data die Möglichkeit, Informationen deutlich schneller auszuwerten und daraus Empfehlungen für die Fachabteilungen oder die Geschäftsführung abzuleiten«, erläutert Kempf. Ein weiterer wichtiger Anwendungsbereich sei die Logistik. Hier gehe es zum Beispiel um die Optimierung von Lieferprozessen oder ein effizienteres Flottenmanagement.

Expertenmangel ist ein Hemmschuh

Der Mangel an entsprechenden Experten ist für 70 Prozent der befragten Firmen der größte Hemmschuh für den Big-Data-Einsatz. »Wirtschaft und Bildungseinrichtungen müssen Hand in Hand arbeiten, um spezielle Aus- und Weiterbildungsangebote für Big Data zu schaffen«, meint Kempf. Als weitere Hindernisse für die Nutzung der Technologie sehen viele die Anforderungen an die technische Sicherheit (61 Prozent) und an den Datenschutz (48 Prozent). Laut Umfrage verarbeiten 55 Prozent der Unternehmen personenbezogene Daten wie Name, Wohnort oder Einkaufsverhalten.

»Die Einhaltung des Datenschutzes sollte bei allen Big Data Projekten von Anfang an berücksichtigt werden«, sagt Kempf. Für den verantwortungsvollen Umgang mit Daten in Unternehmen hat der Bitkom vier Vorschläge formuliert:

  1. Transparent handeln: Kunden sollten sich möglichst einfach darüber informieren können, welche Daten von ihnen gespeichert und zu welchem Zweck sie konkret genutzt werden.
  2. Daten anonym auswerten: Nach dem geltenden Datenschutzrecht dürfen personenbezogene Daten nur auf Basis gesetzlicher Regelungen oder mit Einwilligung der Betroffenen für einen bestimmten Zweck genutzt werden. Will man Datenbestände für andere Zwecke analysieren, bedarf es einer erneuten Einwilligung oder der Anonymisierung der Daten. Die Verarbeitung anonymisierter Daten wird daher zunehmend wichtiger.
  3. Datenschutz-Folgenabschätzung durchführen: Ziel eines »Privacy Impact Assessment« ist es, Risiken beim Datenschutz frühzeitig zu erkennen. Dazu muss bei jedem Big Data Projekt festgehalten werden, welche Daten verarbeitet werden sollen und auf welcher rechtlichen Grundlage die Verarbeitung erfolgt. Es folgen Angaben zu den Verarbeitungsschritten und zur geplanten Datenverwendung sowie eine Einschätzung möglicher Sicherheitsrisiken.
  4. Schulungen anbieten: Nicht zuletzt sind Weiterbildungen für die Mitarbeiter notwendig. Sie müssen nicht nur technisch fit sein, sondern auch den rechtlichen Rahmen von Big Data kennen.


Für den Hightech-Verband Bitkom ist Big Data auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit für die deutsche Wirtschaft. Allerdings werde für einen breiten Einsatz ein gesetzlicher Rahmen benötigt, der moderne Datenverarbeitung ermöglicht und gleichzeitig die Daten der Nutzer bestmöglich schützt. Hierfür soll unter anderem die CeBIT dieses Jahr als Diskussionsplattform zwischen Politikern, Wissenschaftlern, IT-Experten und Anwendern dienen. Ab wann aber die nötigen Rahmenbedingungen für Big Data stehen, ist vollkommen offen.