27.10.2014 (Max Lessel)
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»Seafile 3« – Dropbox-Alternative im Test

  • Inhalt dieses Artikels
  • Installation von Seafile
  • Seafile-Clients
  • Fazit: Aufwändige Funktionen und Konfiguration

»Seafile« ist ein komplett in »Python« geschriebenes »Dropbox«-Derivat. Die Software besteht aus verschiedenen Modulen für das eigentliche Filesharing- und Syncing sowie das Web-Gui. Seafile liefert dabei seinen eigenen Web-Server-Admin-Dienst »Seahub« mit, der in der Regel via Port 8.000 kommuniziert. Die Verbindung zwischen Desktop-Client und Seafile-Deamon nutzt die Ports 10.001 und 12.001 für Kommunikation und Datenübertragung. Ein mobiler Client wiederum, der die Daten nicht synchronisiert, nutzt Port 8.082 für die http-basierte Übertragung der Dateien. Eine WebDAV-Schnittstelle ist aktuell nur optional und in der Standard-Konfiguration abgeschaltet.

Das Web-Gui von Seafile zeigt neben den verfügbaren Dateien und Bibliotheken auch eine Liste der verbundenen Sync-Clients an.Das Web-Gui von Seafile zeigt neben den verfügbaren Dateien und Bibliotheken auch eine Liste der verbundenen Sync-Clients an.Der Seafile-eigene Web-Server arbeitet nicht mit SSL Verschlüsselung. Wer diese Funktion benötigt, muss einen Nginx- oder Apache-Web-Server mit dem Reverse-Proxy-Modul vorschalten und den Apache/Nginx-Server als SSL-Terminator nutzen. Seafile sichert die Files nicht am Stück auf dem Dateiserver. Das Tool zerlegt die Dateien in einzelne Blöcke und erreicht damit die Deduplikation der eingelagerten Files. Allerdings gibt es damit auf dem lokalen Seafile-Server somit auch keinen direkten Zugriff auf die Daten. Ein lokales Fuse-Dateisystem (Filesystem in Userspace) »Seaf« kann den Block-Storage, zumindest Read-Only, in das Dateisystem einbinden.

Wie »OwnCloud« behält auch Seafile mehrere Versionen einer Datei vor. Die vier verschiedenen Ports, welche Seafile für den Betrieb benötigt, und der vorzuschaltende https-Proxy machen die Konfiguration von Seafile deutlich komplexer als das bei Owncloud der Fall ist. Dafür lockt Seafile mit Deduplikation und einem schnelleren Sync als Owncloud. Zudem gibt es die Option, die zu synchronisierenden Dateien bereits auf dem Client vollständig zu verschlüsseln. Der Key verbleibt dabei auf dem Client, so dass sich die so abgeglichen Dateien auf dem Server nicht entschlüsseln lassen.

Installation von Seafile

Auch Seafile richtet speicherguide.de in der Version 3 auf einer virtuellen Maschine mit CentOS 6.5 ein. Die Basiskonfiguration fällt dabei recht simpel aus. MySQL wird für kleine Installationen nicht benötigt (dafür reicht SQLite) und einen Web-Server bringt Seafile selbst mit. Es genügt Python 2.6 und ein paar dazugehörige Librarys. Da Seafile auf hohen Ports jenseits von 1024 arbeitet, bedarf es nicht mal Root-Rechten für die Einrichtung oder den Betrieb. Ein simples Skript richtet der Seafile Service ein und konfiguriert den Seahub-Web-Service. Im Anschluss kann der Verwalter weitere Benutzer oder Bibliotheken erstellen.

Seafile-Clients

Der Seafile-Client synchronisiert über ein eigenes Protokoll. Das ist schnell, braucht aber einen eigenen TCP-Port.Der Seafile-Client synchronisiert über ein eigenes Protokoll. Das ist schnell, braucht aber einen eigenen TCP-Port.Im Test arbeiten die Desktop-Clients unter Xubuntu und Windows ohne Probleme und legen eine sehr gute Performance an den Tag. Der Dateiabgleich geht deutlich zügiger als bei Owncloud über die Bühne. Die Deduplikation arbeitet wie erwartet. Legen mehrere Nutzer die gleichen Dateien in eine Bibliothek, bleibt der Speicherverbrauch auf dem Dateisystem des Servers unverändert. Im Test funktioniert der Android-Client jedoch nicht. Das Tool zeigt die Daten auf dem Server, kann sie aber nicht herunterladen und auf dem Telefon darstellen. Ebenso scheitern Uploads und die Client-App stürzt andauernd ab.

Fazit: Aufwändige Funktionen und Konfiguration

Die Sync-Clients gehen bei Seafile deutlich zügiger ans Werk, als bei Owncloud. Dafür gestaltet sich die Konfiguration des Dienstes deutlich aufwändiger. Je nach bestehender Umgebung dürfte es auch problematisch sein, mehrere Ports zum Internet öffnen zu müssen. Seafile eignet sich für technisch versierte Anwender, die in erster Linie die Sync-Funktion nutzen möchten und einen gesteigerten Wert auf die Performance legen. Auch die Option der Client-seitigen Dateiverschlüsselung ist für viele Einsatzszenarien sehr interessant.

Neben der Open-Source-Variante wird auch »Seafile Professional« für Unternehmen angeboten. Pro Benutzer und Jahr belaufen sich die Gebühren rund 33 Euro (bis 100 User). Zwischen 101 und 251 User kostet ein Account nicht ganz 30 Euro. Die Preise staffeln sich auf bis zu zirka 14 Euro pro Nutzer/Jahr für bis zu 4.999 User. Darüber hinaus ist eine »Unlimited User«-Lizenz für 71.400 Euro pro Jahr erhältlich.

Kurzinfo

Hersteller: Seafile Deutschland
Web: www.seafile-server.de

Download:  Open Source Server / Clients

Preis: Open-Source (Seafile Server/Client)
ab ca. 33 Euro pro Nutzer und Jahr (Seafile Professional),
71.400 Euro pro Jahr (unlimited user)

Funktionen

  • LDAP / Active Directory Anbindung
  • Verbindung zu unterschiedlichen Servern
  • Bibliotheken, Dateien und Ordner teilbar
  • Öffentliche Freigabelinks
  • Upload-Links
  • Integriertes Wiki
  • Versionsverwaltung
  • Dateivorschau
  • Schutz vor versehentlichem Löschen von Dateien
  • Private Nachrichten innerhalb des Systems
  • Verschlüsselte Dateisynchronisation
  • Client-seitige Datenverschlüsselung

Plus
+ gute performance
+ Sync-Funktion
+ gute Benutzerführung
+ client-seitige Dateiverschlüsselung

Minus
- aufwändige Konfiguration
- mehrere offene Ports notwendig