02.09.2015 (Max Lessel)
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»OwnCloud 8« attackiert Google Apps

Die Open-Source-Cloud-Storage-Lösung »OwnCloud« entwickelt sich stetig weiter. Stand bisher noch die Cloud-Storage-Funktion a la Dropbox im Vordergrund, fügen die Entwickler nun mehr und mehr Enterprise- und Collaboration-Features hinzu. Owncloud 8.1 tritt daher auch gegen Google Apps an.

Max Lessel

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Google hat frühzeitig erkannt, dass reine Cloud-Storage-Dienste wie »Google Drive« alleine dem professionellen Anwender nicht genügen. Mit »Google Apps« liefert der Internet-Gigant eine passable Office-Suite mit Textverarbeitung, Spreadsheet und Präsentations-Tool im Web an. Der Anwender muss dabei lediglich in Kauf nehmen, dass seine Daten mit potentiell vertraulichen Inhalten auf den Systemen von Google lagern. »OwnCloud« hingegen können Anwender auf den hauseigenen Systemen laufen lassen. Mit der Version 8 erweitert das Open-Source-Tool sein Plug-In-Konzept für Cloud-Applikationen. Mit Documents steht eine webbasierte Textverarbeitung bereit, Owncloud Notes stellt einen Evernote-ähnlichen Dienst für Notizen bereit und ein Spreadsheet-Tool gibt es ebenfalls.

Owncloud Basiswissen

Die Open-Source-Lösung basiert auf PHP und speichert seine Metadaten in einer SQL-Datenbank. Für kleine Installationen genügt »SQLite«, in der Regel werden Anwender jedoch »MariaDB« (MySQL) oder »Postgresql« verwenden. Die Version 8 untersützt Windows als Server nicht mehr, da es auf der Microsoft-Plattform zu viele Probleme und Sicherheitslücken im PHP-Interpreter gibt.

Die Kommunikation zwischen Server und Client erfolgt ausschließlich über das HTTP, bevorzugt natürlich über HTTPS. Für den Zugriff genügt ein Browser. Alternativ offerieren verschiedene Quellen binäre Clients für alle gängigen Betriebssystem an. Diese synchronisieren Daten mit Hilfe des Dav-Protokolls. Ein großer Vorteil von OwnCloud gegenüber anderen Cloud-Speicher-Lösungen ist, dass die komplette Kommunikation zum Client oder dem Web-Browser des Nutzers ausschließlich über den HTTPS-Port 443 abläuft. Das verhindert Kommunikationsprobleme in Umgebungen mit Firewalls und erspart dem Verwalter serverseitig komplexe Firewall-Regeln für Non-Standard-Ports.

Ursprünglich integrierte Owncloud eine Reihe von Zusatzfunktionen wie Adressbuch oder ein Fotoalbum. Diese Funktionen existieren nach wie vor, allerdings verwaltet Owncloud sämtliche Erweiterungen mit einem Plug-In-Konzept. Damit lassen sich Features abschalten, oder einstmals fest eingebaute Funktionen durch andere Plug-Ins ersetzen.

Für die Version 8 offeriert Owncloud eine Reihe professioneller Extensions. So lassen sich die gesicherten Dateien neuerdings Serverseitig auf Viren scannen und verschlüsseln. Ein weiteres Plug-In bindet verschiedene Storage-Backends ein, darunter auch SMB-Freigaben, Openstack-Swift, »Dropbox«, Google-Drive oder SFTP-Verzeichnisse. Owncloud kann so auch als verschlüsselndes und komfortables Gui-Frontend für existierende Cloud-Speicher dienen.

Als Multi-User-fähiges Tool offeriert Owncloud eine eingebaute Benutzer- und Gruppenverwaltung, kann sich aber auch mit bestehenden LDAP-Verzeichnissen verbinden.

Über das »Federated Cloud Sharing« können Benutzer ohne Daten nicht nur mit anderen Anwendern, sondern auch mit anderen OwnCloud-Servern teilen.

Mit der Version 8 führt Owncloud nun auch ein Patch und Update-Management ein. Der Verwalter registriert sein System dazu an einem Update-Channel. Die experimentierfreudigen User koppeln Ihre Umgebung dabei an einen »Daily«-Buildchannel, der früh neue Funktionen aber auch mögliche Bugs enthält, während die Geschäftsanwender auf den »Stable«- oder den »Production«-Kanal bauen, die Updates später ausliefern.

Owncloud 8 im Test

Für den Test richtet speicherguide.de die freie Version von Owncloud 8.1 auf einer virtuellen Maschine ein, die auf einem Hetzner-Root-Server läuft. Als Basis-Betriebssystem kommt »CentOS 7.1« zum Einsatz. Die Installation kann hier entweder über das Source-TGZ erfolgen, oder über ein binäres Repository, welche die Owncloud-Pakete als RPM ausliefert. In beiden Fällen muss der Verwalter zunächst den Basis-Web-Server mit PHP und eine passende Datenbank einrichten. Grundsätzlich zielt Owncloud auf den Betrieb mit dem Webserver Apache. Mit ein bisschen Konfigurationsaufwand läuft die Lösung aber auch mit dem aktuell populären Webserver Nginx. Die MySQL- oder Postgresql-Datenbank nebst passendem DB-Benutzer muss der Verwalter vor der eigentlichen OwnCloud-Konfiguration manuell anlegen.

Richtet der Verwalter die Lösung aus dem Source-TGZ ein. Muss er auf einer Plattform wie CentOS, Fedora oder RHEL im Zweifelsfalle den Selinux-Kontext der Installationsverzeichnisse korrigieren.

Der Rest der Installation verläuft bereits im Browser. Um ein paar kleine Änderungen in Text-basierten Konfigurationsdateien kommt der Administrator jedoch nicht herum. Es gilt, ein paar php-Parameter in der /etc/php.ini zu korrigieren und den gültigen externen Host-Namen in die config-php zu packen. Owncloud weist den Verwalter jedoch auf die anzupassenden Einstellungen hin und liefert eine ausführliche Dokumentation. Im Test müssen wir mit der Owncloud-Installation auf einen Nicht-Standard-Port ausweichen, da der reguläre https-Port 443 bereits von einer anderen Lösung belegt ist. Im Gegensatz zu diversen anderen Web-Applikationen bereitet das weder dem Owncloud-Server noch den diversen Sync-Clients Probleme.

Im Test lassen sich die diversen Plug-Ins nicht automatisiert über das GUI installieren. Allerdings bereitet es keine Schwierigkeiten, den Add-On-Code manuell vom Owncloud-Server zu laden und in das Application-Directory einzuspielen.

Owncloud Notes dient als Notizblock ähnlich dem mächtigen Cloud-Tool Evernote, kann aber noch nicht ganz an dessen Funktionsumfang heran reichen. Das Documents-Modul erlaubt, dass mehrere Anwender gleichzeitig an einer »Libre Office«-Textdatei arbeiten. Diese Kolaborationsfunktionen stehen dabei im Vordergrund. Das Documents-Modul offeriert keine komplexen Textprozessor-Features, was auch gar nicht nötig ist. Das fertige, gemeinsam bearbeitete Dokument lässt sich später problemlos in einer lokalen Instanz von Libre-Office weiter bearbeiten.

Owncloud im Vergleich

Gegenüber der Version 7 (siehe »OwnCloud 7« – Dropbox-Alternative im Test) stellt sich die Version 8.1 wie erwartet als flexibler und modularer dar. Die Sync-Client gleichen die Daten deutllich flotter mit dem Server ab – selbst wenn Owncloud nach wie vor nicht mit der Performance von Seafile oder btsync mithalten kann.

Gut gefällt die Funktion, mit dem Sync-Client nur Teile des kompletten Datenbestands abzugleichen. Das kommt besonders dem mobilen Client entgegen, der dann lediglich einzelne Dateien auf ein Handy oder Tablet abgleicht.

Fazit: Neue Profifunktionen

Die Owncloud-Entwicklung geht in die richtige Richtung. Die Entwickler-Community packt in der Version 8.1 weitere Profi-Funktionen in die Software und öffnet mit der Plug-In-API die Tore für weitere Extensions. Die Collaboration-Funktionen sprechen vor allem Anwendergruppen an, die bislang den Komfort von Tools wie Google-Docs meiden, da sie ihre Daten nicht bei Google lagern wollen.

Neben der freien Opensource-Version offeriert Owncloud eine kommerzielle Owncloud-Enterprise Version mit verschiedenen Support-Leveln an. Die Preise hängen von der Zahl der Anwender und dem Service-Level ab und liegen bei etwa 150 Euro pro Nutzer und Jahr.

Kurzinfo

Hersteller: Owncloud
Web: www.owncloud.org

Download: Owncloud Server, Client, App

Preis: Open-Source (Owncloud Server)
ca. 145 Euro pro Nutzer und Jahr (Enterprise Edition)