22.10.2014 (Max Lessel)
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»OwnCloud 7« – Dropbox-Alternative im Test

  • Inhalt dieses Artikels
  • Installation der Owncloud
  • Owncloud-Clients
  • Fazit: Ausbaufähiges Open-Source-Tool

Das wohl bekannteste Tool, welches bereits seit vier Jahren gegen Dropbox ins Feld zieht, ist »OwnCloud«, aktuell in der Version 7. Das auf PHP basierende Open-Source-Projekt stellt einen zentralen Dateiserver mit Web-Oberfläche für die Verwaltung bereit. Das System ist vollständig Multi-User-fähig und erlaubt private oder gemeinschaftlich genutzte Dateibereiche. Owncloud enthält eine eigene Benutzer- und Gruppenverwaltung, um die Zugriffsrechte zu regeln. Darüber hinaus kann sich die Plattform mit einem zentralen LDAP-Server verbinden. Neben der freien Open-Source-Variante offeriert der Hersteller eine kommerzielle Variante »Corporate Edition« mit Support und einigen Zusatzfunktionen für große Unternehmen. Dazu zählen vor allem Skalierungs- und HA-Funktionen sowie die Single-Sign-On-Integration. Owncloud basiert auf den üblich verdächtigen Open-Source-Komponenten, Apache, PHP und MySQL. Es verwendet das http-basierte WebDAV-Protokoll (Web-based Distributed Authoring and Versioning) für die Anbindung der Clients. So können Anwender zum einen über das Web-GUI auf ihre Daten zugreifen.

Die »OwnCloud Enterprise Edition« kostet zirka 145 Euro pro Nutzer und Jahr. Für zehn bis 20 Benutzer belaufen sich die Kosten auf rund 1.450 bzw. 2.900 Euro.

Zum anderen offerieren viele Betriebssysteme einen integrierten DAV-FS-Client, der die Owncloud-Verzeichnisse wie einen Netzwerkspeicher einbindet. Optionale Sync-Clients gleichen lokale Ordner mit den Owncloud-Ordnern ab. Der Anwender hat dabei also die Wahl, ob er die Dateien auf den lokalen Arbeitsplatz kopiert, oder Remote nutzt. Als http-basiertes Protokoll benötigt WebDAV nur einen einzigen Port für die Datenübertragung. In der Regel ist das der SSL-verschlüsselte Port 443. Owncloud gestattet es aber auch, den Server auf einem anderen Port zu betreiben. Das dürfte bei kleineren Umgebungen von Interesse sein, welche über wenige offizielle IP-Adressen verfügen und den Port 443 bereits mit einer anderen Anwendung belegt haben.

Zudem erlaubt WebDAV in großen Umgebungen die Lastverteilung via http-Loadbalancer oder kann via Reverse Proxies geroutet werden. Owncloud setzt ein Versionierung für die Dateiablage ein. Überschriebene oder gelöschte Dateien lassen sich ebenso restaurieren, wie ältere Versionen eines Dokuments. Benutzer haben eigene Dateiablagen oder greifen auf freigegebene Ordner anderer zu. Ordnerfreigaben lassen sich für einzelne Benutzer, Gruppen oder anonyme Zugriffe von außen erstellen. Dieser Shared Access lässt sich mit einer Zeitbeschränkung versehen. Ein Plug-In-API erlaubt, Owncloud mit zusätzlichen Funktionen zu erweitern. Die freie Community-Variante bringt beispielsweise eine rudimentäre Foto-Verwaltung, und Komponenten für die Verwaltung gemeinsamer Kalender (CalDAV) und Adressbücher mit (CardDAV). Auch diese Tools basieren auf offenen Protokollstandards und werden von gängigen Desktop- und Smartphone-Anwendungen unterstützt.

Installation der Owncloud

Der Owncloud-Client für Windows oder Linux gleicht einen lokalen Ordner mit dem Owncloud-Server via WebDAV ab.Der Owncloud-Client für Windows oder Linux gleicht einen lokalen Ordner mit dem Owncloud-Server via WebDAV ab.Owncloud läuft auf allen gängigen Linux-Distributionen. Es gibt auch eine Windows-Variante, aber von deren Betrieb wird aufgrund möglicher Sicherheitsrisiken der PHP-Implementation für Windows eher abgeraten. Der Administrator kann den PHP-Code der Anwendung direkt in das http-Datenverzeichnis eines Web-Servers einspielen. Alternativ gibt es über den »Suse Buildservice« Binärpakete für die üblich verdächtigen Distributionen wie Centos, Debian, Suse, Red Hat oder Ubuntu. Der Vorteil der Binärdistributionen ist, dass sich Owncloud über die Paketverwaltung der jeweiligen Distribution installieren und vor allem auch updaten lässt.

Für den Test richtet speicherguide.de Owncloud auf einem virtuellen Server mit Centos 6.5 ein. Auf diesem Server läuft eine grundlegende LAMPP-Umgebung. Die MySQL-Datenbank für Owncloud sowie der dazu passende MySQL-User wird zuvor vom Verwalter erstellt. Stellt Owncloud fest, dass die Grundkonfiguration fehlt, leitet es den Anwender durch wenige simple Web-Dialoge und schließt die Ersteinrichtung ab. Anschließend ist Owncloud direkt nutzbar. Im Konfigurationsdialog kann der Admin noch ein paar Modifikationen vornehmen. Dazu zählen die Sicherheitsoptionen, welche die Freizügigkeit der Applikation regeln. Der Verwalter kann Funktionen wie anonyme Uploads gänzlich sperren oder Freigaben ohne Passwortschutz sowie die Nutzung von http ohne SSL unterbinden.

Owncloud-Clients

Das Owncloud-Web-Gui erlaubt es dem Anwender, einzelne Dateien hoch- oder herunterzuladen. Es erlaubt zudem, einzelne Ordner für andere Benutzer freizugeben.Das Owncloud-Web-Gui erlaubt es dem Anwender, einzelne Dateien hoch- oder herunterzuladen. Es erlaubt zudem, einzelne Ordner für andere Benutzer freizugeben.Über den Browser erhalten Anwender direkt Zugriff zu ihren Daten und ein simples, zweckmäßiges Web-Gui für die Datenverwaltung. Ein direkter Zugriff auf die Ordner kann über Dav-FS erfolgen. Im Test klappt das von Linux aus ohne Probleme direkt über den Nautilus Dateimanager eines Xubuntu-Clients. Die Desktop-Sync-Clients für Windows und Linux gibt es kostenfrei zum Download.

Diese Tools gleichen eine lokale Ordnerstruktur mit den Owncloud-Daten eines Nutzers ab. Das funktioniert im Test problemlos von Windows und Linux aus. Löscht der Anwender in einem der lokalen Sync-Folder Dateien, kann er via das Web-Gui nach wie vor auf frühere Versionen oder den Ordner mit gelöschten Daten zugreifen. Die offiziellen Sync-Clients für das iPhone oder Android sind kostenpflichtig. Alternativ gibt es eine Reihe freier Clients, welche in erster Linie via Web-DAV auf Dateien zugreifen. Up- und Downloads lassen sich in eine Warteschlange stellen und im Hintergrund abwickeln.

Fazit: Ausbaufähiges Open-Source-Tool

Ownlcoud ist eine solide Alternative zu Dropbox. Das Tool basiert auf offenen Standards, lässt sich einfach einrichten und skaliert auch in größeren Umgebungen. Dank Open-Source-Entwicklung und einer offenen API wird sich der Funktionsumfang des Tools stetig erweitern. Owncloud eignet sich für private Anwender, welche das Tool auf einem NAS, einem »Raspberry-Pi« oder bei einem Provider betreiben. Ebenso können Unternehmen Owncloud nutzen und es in der eigenen Infrastruktur oder einer Public-Cloud betreiben.

Positiv fällt ins Gewicht, dass ein einzelner https-Port für die Kommunikation genügt und damit das Setup vereinfacht. Ein weiteres Plus ist für uns, dass Owncloud sich sowohl mit Sync-Clients betreiben lässt, aber auch den direkten Dateizugriff via WebDAV und DAV-FS erlaubt. Im Gegenzug ist die Performance der Sync-Clients jedoch eher mäßig und kann nicht mit den anderen Tools mithalten.

Kurzinfo

Hersteller: Owncloud
Web:www.owncloud.org

Download: Owncloud Server, Client, App

Preis: Open-Source (Owncloud Server)
ca. 145 Euro pro Nutzer und Jahr (Enterprise Edition)

Funktionen

  • Mobile- und Desktop-Sync
  • External Storage und Ecryption
  • Versionierung und Undelete
  • Collaborative Editing
  • Activity Feed
  • Appliacation Store
  • Gallerys
  • Kalender
  • Kontakte
  • LDAP / Active directory integration

Plus
+ basiert auf offenen Standards
+ Skalierbarkeit
+ gute Benutzerführung
+ ausbaufähiger Funktionsumfang
+ nur ein https-Port nötig
+ kommerzielle Version für Firmen

Minus
- langsamer Sync-Client