09.07.2019 (kfr)
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IDC: Public-Cloud-Services bis 2023 bei über 500 Mrd. US-Dollar

  • Inhalt dieses Artikels
  • Digitale Transformation als Treiber
  • SaaS macht Umsatz, IaaS und PaaS sorgen für Wachstum
  • Public-Cloud: USA, China… und lange nichts?
  • Cloud-Euphorie nicht unumstritten

In seinen Prognosen für den Bereich Public-Cloud-Services erwartet IDC weltweit mehr als eine Verdoppelung der Umsätze auf über eine halbe Billion US-Dollar in den kommenden fünf Jahren. Software-as-a-Service (SaaS) wird dabei als größtes Stück des Kuchens gesehen, allerdings weisen Infrastruktur- (IaaS) und Plattform-Dienste (PaaS) größeres Wachstum auf. Deutschland liegt dabei im Trend, hinkt aber der Entwicklung deutlich hinterher.

IDC »Worldwide Semiannual Public Cloud Services Spending Guide« (Grafik: IDC)IDC »Worldwide Semiannual Public Cloud Services Spending Guide« (Grafik: IDC)Gemäß der IDC-Studie, Worldwide Public Cloud Services Spending, wird das Marktsegment von weltweit 229 Milliarden in diesem Jahr (2019) binnen fünf Jahren (2023) auf über 500 Milliarden US-Dollar anwachsen, was einem durchschnittlichen Anstieg (CAGR, Compound Annual Growth Rate) von 22,3 Prozent jährlich entspricht. Angesichts einer verhältnismäßig etablierten Technologie, der verbreiteten Nutzung und verglichen mit anderen Wachstumsraten im IT-Bereich ein bemerkenswerter Wert.

Digitale Transformation als Treiber

Das US-Marktforschungsinstitut bewertet die Ergebnisse im Sinne eines seiner derzeitigen Lieblingsthemen, der digitalen Transformation. So konstatiert Eileen Smith, Programmdirektorin Customer Insights and Analysis bei IDC: »Die Akzeptanz von Public-Cloud-Diensten nimmt weiterhin rasant zu, da Unternehmen, insbesondere in den Bereichen Professional-Services, Telekommunikation und Einzelhandel, von traditioneller Anwendungssoftware zu Software-als-Service (SaaS) und von traditioneller Infrastruktur zu Infrastruktur-als-Service (IaaS)  wechseln, um das Anwendererlebnis zu stärken und die digitale Transformation voranzutreiben.«

Jene Customer-Experience (CX) und die digitale Transformation (DX) haben bereits griffige Abkürzungen in der Branche gefunden. Was genau diese Erkenntnisse zur Public-Cloud aber unterscheidet von möglichen Befunden zur Private-Cloud oder klassischen, dedizierten On-Premise-Rechenzentrums-Infrastrukturen, bleibt indes unkommentiert. Man könnte durchaus mutmaßen, dass eine fortschreitende Digitalisierung allgemein Investitionen in effiziente IT-Infrastrukturen erhöht.

SaaS macht Umsatz, IaaS und PaaS sorgen für Wachstum

Applikations- und System-Software aus der Cloud (SaaS) werden gemäß der Prognose über die Hälfte der Public-Cloud-Ausgaben ausmachen. Bei jenen Anwendungen sollen CRM- (Customer Relationship Management) und ERM-Plattformen (Enterprise Ressource Management) dominieren, bei der Sparte Systeminfrastruktur-Software sind Security-, System- und Service-Management die größten Komponenten.

Das tatsächliche Marktwachstum verdankt die Public Cloud laut IDC aber den umsatzschwächeren Kategorien.  Infrastrukturausgaben (IaaS), also solche in Server-, Storage- und Netzwerk-Hardware, sollen im Zeitraum über Proporz jährlich um 32 Prozent steigen, jene für Plattformen (PaaS), etwa Datenverwaltungs-Software oder Orchestrierungs-Middleware, bringen es mit 29,9 Prozent CAGR ebenso auf einen überdurchschnittlichen Wert. Professional-Services, Fertigung und das Bankenwesen werden gemäß Prognose mehr als ein Drittel aller Ausgaben für öffentliche Cloud-Dienste ausmachen.

Public-Cloud: USA, China… und lange nichts?

Den Prognosen zu Grunde liegt ein halbjährlich vorgelegter Bericht (Worldwide Semiannual Public Cloud Services Spending Guide), der laut IDC global Daten aus 53 lokalen Märkten im IT-Dienstleistungssektor unterschiedlichster Branchen und Unternehmensgrößen, von Argentinien über Malaysia bis zu Venezuela und natürlich alle größeren Kernmärkte, erfasst.

Geografisch gesehen werden die USA der größte Markt für Public-Cloud-Dienste sein und bis 2023 weiterhin mehr als die Hälfte der weltweiten Umsätze generieren, gefolgt von Westeuropa mit fast 20 Prozent. Das schnellste Wachstum wird mit 49,1 Prozent CAGR China zugeschrieben, gefolgt von Lateinamerika mit einer Zuwachsrate von 38,3 Prozent. Der Trend zur (Public-) Cloud im professionellen Umfeld scheint insgesamt unbestritten. Ein weiterer US-Analyst, Storage Switzerland, vermutet beispielsweise, dass der Anteil der von Unternehmen in der Cloud gespeicherten Daten von 22 Prozent (2018) bis 2023 auf 48 Prozent steigen wird.

Für Deutschland und Europa liegen uns anhand der aktuellen Studie von IDC keine dezidierten Daten vor. Die Marktforscher von Research and Markets ermitteln eine jährliche Wachstumsrate von 21 Prozent im Zeitraum 2017 bis 2023 für Europa, also sehr nahe der globalen Zahlen von IDC. Das Institut beziffert die Marktgröße für SaaS, IaaS und PaaS in Deutschland für 2017 (veröffentlicht Juli 2018, Update steht aus) mit 4,9 Milliarden US-Dollar, bei einer jährlichen mittleren Wachstumsrate von überdurchschnittlichen 37,3 Prozent seit 2013. Auch die Tatsache, dass SaaS mit 3,4 Milliarden US-Dollar den Löwenanteil mit 68,4 Prozent darstellt, entspricht den von IDC veröffentlichten Kennzahlen.

Cloud-Euphorie nicht unumstritten

Gleichzeitig gibt es einige Studien, die Zweifel an der von Analysten getriebenen Cloud-Euphorie wecken. Ein Beispiel ist eine Anwenderumfrage des Anbieters Cohesity, die dieser natürlich nicht ohne Eigeninteresse erhebt. Dennoch bleibt der nicht ganz von der Hand zuweisende Befund: neun von zehn Unternehmen sehen demnach die Erwartungen an die Public-Cloud in puncto Kosteneinsparung, Datenverfügbarkeit und Analysemöglichkeit unerfüllt, weil die Dezentralisierung der Daten langfristig die Verwaltung unmöglich mache. Einen ähnlichen Tenor sehen wir in der speicherguide.de-Redaktion, wenn wir uns mit IT-Managern und Unternehmensvertretern unterhalten. Die Cloud ist längst nicht der herbeigeredete Allheilsbringer…

Datenhaltung in der Cloud noch zu fragmentiert (Quelle/Grafik: Cohesity)Datenhaltung in der Cloud noch zu fragmentiert (Quelle/Grafik: Cohesity)

Ein Umstand, den auch jeder Privatanwender bestätigen können dürfte. Ohne die oft deutsche Diskussion des Datenschutzes anzustoßen, bleibt die Public-Cloud ungeachtet der Analysten-Kennzahlen vor allem für IT-Verantwortliche Verheißung und Geißel zugleich. Ob sich das Dilemma bis 2023 lösen lässt, darf bezweifelt werden. Prognose 0 Prozent!