13.06.2013 (eh)
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Consol: »Vertrauen in die Cloud nimmt endlich zu«

Die Akzeptanz in Cloud-Dienste nimmt deutlich zu. Zunächst in Enterprise-Organisationen, nun auch in kleineren und mittelständischen Unternehmen (KMU). speicherguide.de sprach mit Henning von Kielpinski, Cloud-Experte beim Münchner IT-Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen Consol, über die Anforderungen, wie die Cloud für KMUs noch interessanter gemacht werden kann.

Wie weit ist Ihrer Meinung nach die Cloud-Nutzung schon vorangeschritten?

Henning von Kielpinski, Cloud-Experte, Consol
Henning von Kielpinski, Cloud-Experte, Consol
Kielpinski: Die Möglichkeiten, die sich für Unternehmen und Privatanwender gleichermaßen aus der Nutzung von Cloud-Diensten ergeben können, sind schon seit geraumer Zeit in aller Munde. Die Mehrheit der Nutzer beginnt jedoch erst jetzt, sich konkret mit den Anwendungsmöglichkeiten von Cloud-Technologien auseinander zu setzen.

Was sind die Fragen, die die Nutzer momentan am meisten bewegen?

Kielpinski: Da Cloud-Dienste auch in der Auslagerung von Daten inzwischen eine entscheidende Rolle spielen und somit Überschneidungen zu Big Data bestehen, ist die Sicherheit von Daten in der Cloud und das Vertrauen in den Anbieter ein viel diskutiertes Thema. Auch die mögliche Migration zu anderen Cloud-Anbietern sowie die Wahl der richtigen Cloud-Strategie werfen zunehmend Fragen auf. Da sich die Datenspeicherung innerhalb von Cloud-Computing zunehmend etabliert, haben auch Angriffe auf Cloud-Computing-Dienste in den vergangenen zwölf Monaten stark zugenommen. Im Kontext der allgemeinen Akzeptanz von Cloud-Computing als Diensterbringer oder Enabling-Technology ist es also wichtig, dass Cloud-Dienste sowohl sicher als auch vertrauenswürdig sind.

Wie kann und sollte der Markt diesen Anforderungen begegnen?

Kielpinski: Nachdem im Moment die End-to-End-Sicherheit, also die Verschlüsselung des gesamten Applikationskomplexes, als die sicherste Lösung angesehen wird, muss über Vertrauensbildung auch noch ein nicht-technischer Weg gefunden werden. Denn während eine End-to-End-Sicherheit die optimale Lösung darstellt, ist dies häufig entweder aus technischen oder finanziellen Gründen nicht realisierbar. Hier ist es ratsam, Anwender und Anbieter über Vorteile und Risiken besser aufzuklären um die effizienteste Lösung bereitzustellen. Neutrale Stellen sollten abseits von plakativen Schlagworten eine Vergleichbarkeit herstellen. Ansätze hierfür können in der Politik bereits beobachtet werden, aber auch in Organisationen wie EuroCloud oder aus dem Sicherheitsnetzwerk von BICC.net.

Fast täglich gibt es neue Cloud-Angebote und neue Cloud-Provider. Wie sieht es da mit der Überschaubarkeit und Qualifizierung des Angebots aus?

Kielpinski: Letztendlich stärkt sogar die hohe Anzahl an Cloud-Anbietern das Argument für eine objektive Vergleichsmatrix. Aber aufgrund der hohen Anzahl an Startups besteht für den Cloud-Sourcing-Kunden freilich das Risiko, sich an einen Anbieter zu binden, dessen Geschäftsmodell sich mittelfristig als nicht tragfähig erweisen könnte. Abhilfe könnte auch hier eine Vergleichbarkeitsmatrix von maximal einem Dutzend Parametern schaffen, die für verschiedene Anbieter gilt und eine unabhängige Gegenüberstellung ermöglicht. Auf diese Weise können Kosten und Nutzen leichter abgewogen werden.

Ein Dutzend Parameter – das klingt jetzt nicht nach intensiver Vorauswahl….

Kielpinski: Mittelfristig erwarte ich im Hinblick auf die Überschaubarkeit des Cloud-Marktes freilich eine Metrik, mit der Performance und Verfügbarkeiten verschiedener Anbieter verglichen werden können. Da Cloud im Grunde standardisierte Pakete bedeutet – um skalierbar zu bleiben –, muss die Unterstützung für solch eine Initiative auch von den Anbietern selbst kommen. Einzelverhandelte Lösungen werden aufgrund der Komplexität vermutlich die Ausnahme bleiben. Ergänzend sind auch verschiedene Verfügbarkeiten in Modulform von einem Anbieter vorstellbar, wie sie beispielsweise auch Amazon schon dargestellt hat.

Auf was muss ein Anwender achten, wenn er einen Provider-Wechsel mit ins Kalkül zieht?

Kielpinski: Zunächst: Ein Wechsel des Cloud-Providers wird zwar immer mit zusätzlichen Kosten verbunden sein, allerdings lassen sich diese durch vorausschauende Planung minimieren. Die Gefahr einer verlorenen Investition und eines Vendor-Lock-Ins ist dann gegeben, wenn keinerlei Contingency-Pläne existieren oder zu 100 Prozent proprietäre Technologie verwendet wird.

Und wie kann in diesem Fall ein Cloud-Provider argumentieren?

Kielpinski: Kurz gesagt: Automatisierung und Verzicht auf ausschließlich proprietäre Technologie. Für einen Service-Anbieter bedeutet das, die eigene Software abstrakt Cloud-Ready, also hochautomatisierbar, zu machen. Zudem müssen die Unternehmensprozesse diese Form der Dienstleistung auch abbilden können. Hier sind häufig noch starke Defizite auszumachen. Auf technischer Ebene gilt es zu versuchen, eine Abstraktions-Schicht zwischen den proprietären Elementen eines Anbieters und der eigenen Software zu etablieren. Dies ermöglicht einen leichteren Wechsel in andere Cloud-Technologien. Auch das verwendete Framework ist wichtig: Offene Systeme wie »OpenStack« erleichtern einen Wechsel von einem Service-Anbieter zum anderen.

Private oder Public-Cloud – gibt es überhaupt »die richtige Cloud-Strategie«?

Kielpinski: Die Frage nach der passenden Cloud-Lösung lässt sich nicht verallgemeinern und ist daher nur von Fall zu Fall zu beantworten. Allerdings lässt sich feststellen, dass viele Unternehmen, die private Cloud-Lösungen nutzen, dies aus Angst um ihr Image nicht öffentlich bekannt machen. Dies ist in erster Linie darauf zurück zu führen, dass die Akzeptanz von Cloud-Lösungen beim Kunden nach wie vor mangelhaft ist. Die Verwendung der Public Cloud ist auf dem Markt allerdings nicht dominant, da häufig Konstruktionen in Gebrauch sind, die als »Virtual Private Cloud« bezeichnet werden können, und ein Hybrid aus Hosting, Cloud und Managed-Services darstellen. Hier bestehen dann individuelle Service- und Haftungsvereinbarungen mit den Anbietern.

Stimmt eigentlich der Eindruck, dass die Public-Cloud in den USA etwas populärer ist?

Kielpinski: In den USA ist die Verwendung der Public-Cloud im Unternehmensbereich tatsächlich bereits deutlich stärker fortgeschritten. Dieser häufig auch aus einem naiveren Umgang mit Daten resultierende Ansatz mag für europäische und gerade deutsche Kunden fremd sein, erlaubt aber den dortigen Anwendern und Anbietern dadurch einen Erfahrungsvorsprung zu erwerben.

Wird die Cloud nun auch für Mittelständler und kleinere Unternehmen interessant?

Kielpinski: Wie ich vorhin schon sagte, ist es dazu wichtig, den Cloud-Markt mit standardisierten Qualitäts-Metriken zu bewerten, um die Heterogenität des Marktes überschaubarer zu machen. Zusagen der Anbieter an den Kunden, diesen bei der Migration auf andere Systeme und Anbieter durch Flexibilisierung seiner Dienste zu unterstützen, werden für den Wettbewerb künftig ebenfalls entscheidend sein. Diese Maßnahmen, die auch innerhalb von Eurocloud und BICC.net unterstützt werden, würden das Vertrauen in den Cloud-Markt sicher erhöhen. Ich erwarte deshalb, dass gerade kleinere Unternehmen nun die Vorteile aus den Cloud-Services sehr schnell adaptieren werden.

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