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LSI »Engenio«: Gekauft und verraten

Ulrike RießUlrike RießDie Akquisition der Engenio-Abteilung durch Netapp zeigt eine üble Kehrseite für das europäische Vertriebsteam. Völlig unerwartet erreichte sie nun die Nachricht, dass sie bei LSI verbleiben. LSI kann aber gar nichts mehr mit diesen Mitarbeitern anfangen, da ja nun die Arbeitsgrundlage fehlt. Das bittere Ende ist unausweichlich. Und wir lernen erneut: Anstand und Geschäftsverhalten gehen nicht zwangsläufig einher.

Abgesehen vom schlechten Ton eines solchen Geschäftes ist es fast schon purer Hohn, die Engenio-Mannschaft dazu zu veranlassen, die Hiobsbotschaft selbst an die Business-Partner weiter zu geben. Und diese dürften davon überrascht und zuteilen auch verärgert sein. Ab dem 7. Mai sollen dann nämlich Netapp-Mitarbeiter den europäischen Vertrieb und die Partnerbetreuung übernehmen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Engenio ist absolutes Neuland für Netapp. Langjährige Expertise und Loyalität zum Produkt lassen sich nicht durch markante Marketingsprüche oder verschachtelte Vertriebsslogans ersetzen. So dürften an beiden Seiten des Verkaufstisches dann betroffene Gesichter zu sehen sein.

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Besonders übel spielt man aber wohl IBM mit. Hier sollte in Kürze ein gemeinsamer Produkt-Launch erfolgen, den IBM dann mit einem völlig neuen, mit dem Produkt nicht vertrauten Team, über die Bühne bringen muss. Ich kann nur hoffen, dass ich dazu eingeladen werde. Mir fallen sicherlich ein paar Fragen zum Anlass ein.

Die LSI-Führungsriege steht derzeit sicher etwas ratlos da, weiß sie doch nicht, was sie jetzt mit 42 Mitarbeitern tun soll. Da ist das bittere Ende absehbar. Nach Beurlaubungen und Prüfung eines Sozialplans wird es wohl zwangsläufig zu Entlassungen kommen. Richtig sauer sind die Engenio-Kollegen auch deswegen, dass nur Europa so stiefmütterlich behandelt wird. Offensichtlich schätzt man amerikanische Kollegen mehr wert, denn die wurden alle übernommen. Allerdings befürchte ich, dass hier eine Diskriminierungsklage nicht viel nutzen würde.

Die Zeit und vor allem die Geschäftszahlen werden zeigen, ob Netapp durch diesen Deal mehr gewinnt oder verliert. Ein Verlust einiger Kunden, vielleicht sogar einiger Partner steht zu befürchten. Vielleicht kalkuliert Netapp dies schon mit ein und hofft, unterm Strich nur mit leichten Blessuren davon zu kommen. Das Geschäftsgebahren an sich ist fragwürdig und moralisch sicher nicht wasserfest. Im Engenio-Team hinterlässt es eine gewisse Verbitterung, im schlimmsten Fall verbrannte Erde beim Kunden. Schöne Geschäfte gehen anders. Tom Georgens wird sich sicherlich die Frage gefallen lassen müssen, ob es das wert war und ob es wirklich keine andere Lösung gegeben hätte.

Mit geschäftlich sauberen, gespeicherten Grüßen,

Ulrike Rieß.

Lesen Sie auch meinen Fortsetzungs-Blog LSI-Engenio: Geiz ist geil, auch beim Good-bye vom 04. Mai 2011 »