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01.04.2013 (kfr)
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Fotoworkshop bei Stefan Gesell mit Ophelia Overdose

Stefan Gesell
Wer sich mit Digitalfotografie, Bildbearbeitung und Fotomontagen beschäftigt hat sicher schon einmal eines der surrealen Fotos von Stefan Gesell gesehen. Seine Werke tragen eine unverwechselbare Handschrift und bestechen durch einzigartige Composings, Requisiten, Farben und Posen. Dass nicht jeder mit seinen teils sehr krassen Bildern klarkommt ist ihm vollkommen egal. Recht geben ihm seine erfolgreichen Bildbände und unzählige Goldmedaillen beispielsweise beim internationalen Trierenberg SUPER CIRCUIT. In der Fachpresse liest man nur selten über ihn und auch Video-Tutorials lehnt er bisher ab. Rar macht sich der Künstler jedoch nicht. Nahezu jedes Wochenende gibt Gesell in seinen Workshops Einblicke in seine Arbeitsweise.

Die Fotoworkshops sind genauso individuell wie seine Werke selbst. Hier gibt es kein Massenshooting, bei denen sich zehn Leute oder mehr ein Model teilen. Gesell geht auf jeden Teilnehmer persönlich ein. Bei seinen Workshops trifft sich ein illustres Völkchen, das vom Einsteiger über ambitionierte Hobbyfotografen bis zum Profi reicht. Viele sind Wiederholungstäter. Ich selbst war nun schon zum 14. Mal dabei (unglaublich!). Ein Erfahrungsbericht ist daher längst überfällig.

Ophelia Overdose
Die Fotoworkshops finden immer in seinem Studio in Unterhaching bei München statt. Normalerweise stehen in der Regel vier Teilnehmern drei Models zur Verfügung. In den Kursgebühren von 299 Euro ist neben Kaffee und Softgetränken auch ein warmes Mittagessen enthalten. Dieses wird von seiner Ehefrau und Starmodel Rassamee frisch nach bester Thai-Cuisine zubereitet.

Zudem erhalten die Kursteilnehmer einen Workshop-Vertrag inklusive kommerzieller Veröffentlichungsrechte für alle Bilder und Models. Das ist bei anderen Kursen nicht unbedingt üblich. Das angefertigte Fotomaterial gehört ausschließlich dem Fotografen.

Fotoworkshop mit Ophelia Overdose

Am Wochenende vom 23./24. März waren zwei Shootings mit »Supermodel« Ophelia Overdose angesetzt. Ophelia, die sich selbst als Inszenierungskünstlerin bezeichnet, besticht durch extrem ausgefallene und hochwertige Kostüme und Outfits, von denen sie viele selbst designt. Wer Ophelia shooten möchte, muss etwas tiefer in die Tasche greifen. 399 Euro wurden für den Workshop mit jeweils sechs Teilnehmern aufgerufen. Wer jetzt schluckt, dem sei vorab versichert, der Tag war seinen Preis wert. Ophelia kommt mit jeweils drei grundverschiedenen Outfits, die in der Form auch kein zweites Mal zum Einsatz kommen. Zwei hatten beide Tage gebucht und durften sich demnach über sechs Outfits freuen. Für ihre außergewöhnlichen Auftritte benötigt Ophelia etwas länger in der Maske. Wartezeiten gibt es jedoch keine, Gesell überbrückt diese mit zwei weiteren Models. Am Sonntag waren dies Anett und Patty.

Impressionen Fotoworkshop Stefan Gesell (Patty und Anett Out of the Box).
Impressionen Fotoworkshop Stefan Gesell (Patty und Anett out of the Box).

Ablauf Gesell-Workshop

Ein Workshop-Tag bei Stefan Gesell beginnt immer an der Theke, mit Kaffee, Butterbrezen und Croissants. Dabei können sich die Teilnehmer ein wenig beschnuppern und fachsimpeln. Beim Ophelia-Shooting war es aber eher ein großes Hallo – man kennt sich. Zumal sich die Anwesenden dieses Mal ausschließlich aus der Facebook-Gruppe rekrutieren, die Gesell für seine Workshop-Teilnehmer pflegt. Zu einer öffentlichen Ausschreibung ist es nicht gekommen, die beiden Tagen waren in kürzester Zeit ausgebucht.

Während sich Ophelia in ihr Latexkleid zwängte, machten wir mit Anett die ersten Beauty/Fashion-Aufnahmen. Um die Lichtsetzung haben wir uns nicht gekümmert, der Beauty-Dish samt Spot für den Hintergrund wurde als gegeben hingenommen. Neulingen erklärt Gesell ansonsten natürlich seine Philosophie. Meistens wird mit einem seitlichen Striplight (Richter Studiogeräte) gearbeitet und ab und an mit einem zusätzlichen Blitz.

Impressionen vom Fotoworkshop mit Stefan Gesell und Ophelia Overdose.
Impressionen vom Fotoworkshop mit Stefan Gesell und Ophelia Overdose.
Bis zum Mittagessen hatten wir Ophelia in zwei Sets vor der Linse und ein weiteres Mal Anett, diesmal in sexy Leder. Wie üblich waren wir zeitlich ein wenig in Verzug. Nach lecker gebratenen Nudeln mit Gemüse und Hühnerfleisch ging es weiter mit Ophelia im Brautkleid. Zwischendurch begutachtet Gesell die Aufnahmen seiner Workshop-Teilnehmer und gibt Tipps bezüglich Schnitt und Blende. Um das Posing braucht man sich bei Ophelia nicht zu kümmern. Sie setzt sich von alleine in Szene und es ist nahezu jedes Bild ein Treffer. Ohne einem anderen Model zu nahe zu treten, aber die Regel ist, dass aus einem Set zwei bis drei perfekte Fotos übrigbleiben. Bei Ophelia ist es tatsächlich genau anders herum – auch dies rechtfertigt den etwas hören Workshop-Preis.

Mittlerweile wurde Anett von Patty, einem ehemaligen Penthouse Cover-Girl abgelöst. Sie shooten wir vor weißem Hintergrund und nur mit einem, in der Windmaschine wehendem, weißem Tuch bekleidet. Der krönende Abschluss gebührt Ophelia, die mit einem hautengen Korsett mit Dornen und Ketten sowie einem aufwendigen Glitzerkopfteil besticht.

Der von 10 bis 17 Uhr angesetzte Workshop endet notgedrungen so kurz nach 18 Uhr, Ophelia muss zum Flughafen. Zeitdruck kommt bei einem Gesell-Workshop nie auf. So stehen wir bestimmt noch eine Stunde an der Theke und lassen den Tag Revue passieren. Der Meister gibt noch viele Tipps, erzählt Anekdoten und ermuntert alle dran zu bleiben und möglichst täglich ein Bild zu bearbeiten.

Impressionen Fotoworkshop Stefan Gesell mit Ophelia Overdose (out of the Box).
Impressionen Fotoworkshop Stefan Gesell mit Ophelia Overdose (out of the Box).

Fazit

Da ich schon mehrere Gesell-Workshops besucht habe, kann ich sagen, jeder einzelne war bisher ein Erlebnis. Von Ophelia, Anett und Patty habe ich zusammen in etwa 300 Fotos geschossen – dies ist in etwa die übliche Ausbeute. Zudem habe ich einige Making-off-Videos aufgenommen, so dass ich mit rund 20 GByte nach Hause gekommen bin (um hier dann doch noch den Schwenk zur Datenspeicherung zu kriegen).

Die Anzahl von sechs Kursteilnehmern ist akzeptabel. An meinem Tag war auch kein Ausfall dabei. Irgendwann gehen mit allen mal die »Gäule« durch und man fotografiert etwas länger als abgemacht. Da hatten wir aber auch schon andere Kandidaten, die man wirklich vom Set entfernen musste. Erwähnenswert ist, dass Gesell ebenfalls shootet und eventuell seine Assistentin. Bei uns waren sogar zwei Assis anwesend. Dadurch waren zum Teil neun Fotografen zu Gange. Richtige Längen hatte der Kurs aber nicht. Der Workshop lebt auch von der Interaktion und Kommunikation mit den Teilnehmern. Ich kann nur jedem raten sich zu beteiligen und einzubringen.

Rat Nr. 2: Wer sich für Fotografie interessiert und die Möglichkeit hat Ophelia zu shooten, sollte diese Chance unbedingt wahrnehmen. Einen Platz zu ergattern ist jedoch nicht einfach, die Nachfrage ist enorm. Wobei ein Gesell-Workshop auch ohne Ophelia absolut empfehlenswert ist.

Workshop-Teilnehmer erhalten zudem eine Einladung in die geschlossene Facebook-Gruppe. Dort kann man mit Gleichgesinnten fachsimpeln und diskutieren. Wer seine Werke präsentiert, erhält ein ehrliches und konstruktives Feedback.

Mein nächster Workshop ist schon gebucht. Im Mai gibt es an einem zweitägigen Kurs nicht nur Stefan Gesell, sondern zusätzlich auch den Linzer Photoshop-Künstler Peter »BrownzArt« Braunschmid. Mehr geht quasi nicht.



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