Frieder Hansen, Geschäftsführer, Pyramid Computer
Magneto-optische Speichersysteme sind eigentlich prädestiniert für den Archiveinsatz. Die Technologie ist jedoch nie über ein Nischendasein hinausgekommen und hat letztendlich seine besten Zeiten gesehen. Die Alternative in Unternehmen lautet meist Disk-Array.
Wir sprachen mit Frieder Hansen, Geschäftsführer bei Pyramid, über den Markt für Archivierungs-Produkte und -Strategien.
Welche Bedeutung haben Speichersysteme mit optischen Medien im Bereich Archivierung heute noch? Wie beurteilen Sie die Entwicklung in den letzten beiden Jahren? Können UDO und Blu-Ray den Markt am Leben erhalten?
Hansen: Sicher geben die enormen Kapazitäten von Blu-Ray der optischen Industrie noch einmal richtig Vorschub. Preislich ist dem nichts entgegenzusetzen. Allerdings machen doch Presseberichte über die Haltbarkeit der Beschichtungen vielen Anwendern große Sorgen. Keiner hätte für möglich gehalten, dass die CDs der 80er Jahre heute schon großteils nicht mehr fehlerfrei lesbar sind. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kommt an den etwas teureren, aber dafür auch viel performanteren RAID-Systemen nicht vorbei.
Welche Bedeutung haben Festplattenarchivsysteme heute bereits? Mit welcher Entwicklung können Unternehmen und Fachhändler in den kommenden zwei Jahren rechnen?
Hansen: Disksysteme sind heute technisch anerkannt. Gezögert wird höchstens noch wegen den hohen Anschaffungs- und Betriebskosten. Deshalb hat sich der Preisverfall bei Festplatten bei gleichzeitiger Kapazitätsexplosion extrem positiv auf die Akzeptanz ausgewirkt. Inwieweit die Geschwindigkeit dieser Innovationszyklen auch für die nächsten Jahre erhalten bleibt, kann ich nicht beurteilen. In jedem Fall erwarte ich den endgültigen Durchbruch für CAS-Filesysteme wie »iTernity«, wenn neue Massenspeichertechnologien wie beispielsweise der Festkörperspeicher der IBM marktreif wird. In der Zwischenzeit geht es darum, die bereits heute schon attraktiven Kosten und stark reduzierten Stromverbrauchswerte moderner Festplatten im Markt zu kommunizieren und aufzuzeigen wie einfach diskbasierte Archive in zukünftige Medien migriert werden können. Wir von Iternity sehen uns hierfür auf Grund der Windows-Standardumgebung bestens gerüstet.
Welche Argumente sprechen für optische Datenträger? Wo sehen Sie die Nachteile der Technologie? Was sollten kleine und mittlere Unternehmen zum Thema Optical-Storage wissen?
Hansen: Optische Datenträger sind sehr preiswert. Allerdings ist komplexe Wechselrobotik mechanisch recht anfällig und im Zugriff sehr langsam. Außerdem können chemisch-physikalische Prozesse die Beschichtung der Medien schädigen. Ferner handelt es sich bei optischen Systemen immer um Subsysteme, die nicht den Vorteil echter Unified-Storage bieten können, insbesondere in Bezug auf Administration. Besonderer Nachteil der optischen Medien ist die absolute Unlöschbarkeit der Daten. Normalerweise sollte vom Datenschutz ein echtes Löschen gefordert werden, und nicht nur das Entfernen der Verzeichniseinträge.
Disksysteme liefern angestammten Archivierungslösungen einen harten Wettbewerb. Welches sind die Vor- und Nachteile, im Vergleich zu Optical- und Tape-Archivsystemen? Was sollten kleine und mittlere Unternehmen zum Thema Disk-Archiv wissen?
Hansen: Vorteile von Disksystemen sind die hohe Zugriffsgeschwindigkeit und die vereinfachte Migrationsmöglichkeit in zukünftige Speicherarchitekturen. Es sollte aber trotz aller RAID-Technologien auf die Datensicherung geachtet werden, nach Möglichkeit auch filebasiert. Manche ältere RAIDs, wie beispielsweise EMCs »Centera« zeigen sich hier sehr bockig. Iternity »CAS CSC«-Datencontainer lassen sich hingegen beliebig in Backup-Architekturen einbinden.
Welche technische Entwicklung, Neuerungen und Funktionen können Unternehmen von kommenden Produktgenerationen erwarten? In welchen Punkten müssen sich Datenträger für den Archivierungseinsatz noch verbessern?
Hansen: Festplatten werden in Zukunft noch mehr Speicher pro Scheibe bieten und den relativen Stromverbrauch damit auch stark reduzieren. Wie bereits erwähnt, nehmen Festkörperspeicher langfristig den Platz der Harddisk ein. Es ist aber zu erwarten, dass die Zugriffstechnologie sehr verwandt mit denen der Festplatte und somit ein Disk-Archiv einfach zu migrieren sein wird. Worauf ferner geachtet werden sollte, ist die Löschmethode. Nur wenige Speichertechnologien löschen wirklich so gründlich, wie man dies vom Datenschutz her erwarten sollte.
Welche Rolle spielen Dienstleister im Archivierungsumfeld? Welche Rolle spielen Dienstleister, die Medien ausschließlich lagern?
Hansen: Online-Dienstleister werden eine immer größere Rolle spielen. Insbesondere dann, wenn sich Daten glaubhaft verschlüsselt ablegen lassen, werden Kunden die räumliche Trennung ihres Archivs auf Online-Speichern vermehrt anstreben. Allerdings immer mit einem Backup.
Wird Online-Backup auch zur Archivierung »missbraucht«? Welchen Einfluss haben die in den letzten Jahren verschärften gesetzlichen Vorgaben auf das Archivierungsverhalten der Unternehmen?
Hansen: Sicher ist vielen Anwendern der Unterschied zwischen Archiv und Backup noch nicht wirklich bewusst. Auch die gesetzlichen Vorgaben haben hier wenig bewirkt, da kaum Verfahren oder Bestrafungen bekannt werden. Allerdings werden insbesondere Finanzpartner in Zukunft mehr Druck auf Unternehmen in Bezug auf Einhaltung der Compliance-Vorschriften machen.
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