Das Bekenntnis der mächtigen Hollywood-Studios zu Blu-Ray bringt das Format auf die Siegerstraße. Die HD-DVD-Fraktion versuchte bis zuletzt dagegenzuhalten. Doch der Ausverkauf hat bereits begonnen. Seit Dezember sind die Preise um über ein Drittel gefallen.
von Karl Fröhlich, Nicole Ott
LG »GGW-H20L«
»Der Formatstreit ist zu Ende«, mit diesen Worten bewirbt der koreanische Hersteller
LG Electronics sein Multiformat-Laufwerk »GGC-H20L«. Wie treffend der Slogan – wenn auch aus einem anderen Grunde – ist, zeigt die aktuelle Entwicklung im Kampf um die DVD-Nachfolge: Auf der
Consumer Electronic Show (CES) kündigte das derzeit größte Filmstudio
Warner (Marktanteil 18%) die Unterstützung für HD-DVD auf. Prompt zogen weitere Filmstudios nach: In Deutschland setzt beispielsweise
Constantin Film ab 1. März 2008 nur noch auf »Blu-ray«,
Senator Film zieht sich ebenfalls aus dem HD-DVD-Markt zurück.
Letztendlich musste sich Toshiba, das präsenteste Mitglied der HD-DVD Promotion Group, dem Marktgeschehen beugen. Wobei das Verwirrspiel bis zuletzt anhielt. Zuerst berichteten Medien, Toshiba steige aus. Tags darauf dementierte der japanische Hersteller, nur um am 19. Februar zu erklären, dass man das Geschäft auslaufen lasse.
Preissenkungen sollen Verkauf ankurbeln
Damit hält nur noch LG HD-DVD die Treue. Microsoft hat nach anfänglichen zögern die Produktion von HD-DVD-Laufwerken für die »X-Box 360« eingestellt. Dies hatte sich bereits angekündigt. Amazon und Quelle hatten schon den Preis auf 99 Euro gesenkt. Die unverbindliche Preisempfehlung lautete bis dato 150 Euro. Bereits im Februar setzte auch Saturn deutliche Zeichen: In einer Aktion von Saturn und Sony konnten Käufer ihren gebrauchten HD-DVD-Player für 150 Euro beim Kauf des Sony-Einsteigergeräts »BDP-S300« in Zahlung geben – acht Filme gab es obendrein.
Auch Toshiba selber senkte im ersten Schritt die Preise der HD-DVD-Player. Bereits für 70 Euro ist Toshiba »SD-H802A« erhältlich – die Blu-Ray-Konkurrenz kostet etwa das Doppelte. Auch wenn Sascha Lange, Head of Marketing bei Toshiba, noch auf der diesjährigen CeBIT-Preview betonte, dass es sich bei diesem Schritt nicht um einen Ausverkauf handle, lag der Gedanke damals bereits nahe.
Dass sich die Warner-Entscheidung zu Gunsten des Blu-Ray-Lagers auf die Verkäufe auswirkt, bestätigt Björn Bartsch, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Alternate: »Das HD-DVD-ROM, ein reines Abspielgerät, hat sich bisher recht gut verkaufen lassen. Allerdings stagniert der Abverkauf auch seit den Warner-Pressemitteilungen.«
Die Verkaufspreise sind seit Anfang Dezember um über 35 Prozent gefallen. Kosteten vor Weihnachten nahezu alle Blu-Ray-Brenner noch über 400 Euro, sind jetzt Bulk-Combo-Laufwerke wie das LG »GGC-H20L« ab rund 250 Euro erhältlich.
Wahlfreiheit: Kombi-Drives bieten Anwendern alle Möglichkeiten
Die beste Möglichkeit für Endanwender, den Formatreibereien aus dem Weg zu gehen, sind Combo-Laufwerke. Als bisher einziger Hersteller bietet LG entsprechende Laufwerke für HD-DVD und Blu-Ray an: Entweder als Leselaufwerk für beide HD-Formate mit DVD-Brennoption oder als Blu-Ray/DVD-Brenner mit HD-DVD-Lesefähigkeit. Wer bereits auf HD-DVD gesetzt hatte und die Fronten wechseln möchte, kann sich so weiterhin an seinen Filmen auf HD-DVD erfreuen. Für LG als Mitglied der Blu-Ray-Gruppe ist die HD-DVD-Unterstützung nicht nur ein »Convenience-Feature, sondern auch Zukunftssicherheit, die LG seinen Kunden bieten möchte«, wie Nils Seib, Manager Public Relations bei LG, erklärt. Insgesamt ein kluger Schachzug. Zumindest in den kommenden zwölf bis 18 Monaten kann LG damit noch bisherige HD-DVD-Besitzer mitbedienen.
Auch Peter Stelter, Vorstand von E&K Data, hält Combo-Laufwerke für eine gute Wahl: »Die Hybrid-Laufwerke waren leider erst sehr spät zum Jahresende 2007 verfügbar, doch der Absatz und der Durchverkauf war sensationell. Im laufenden Jahr erwarte ich auch hier die Marktdurchdringung, da der Content (nicht nur bei den Camcorder-Usern) auch auf solch ein Medium verlustfrei gebrannt werden soll.«
Die Preise für die Kombi-Laufwerke sind nicht viel höher als für Blu-Ray-Brenner. LG »GGC-H20L« (Blu-Ray und DVD brennen, HD-DVD lesen) ist bereits für knapp 190 Euro im Handel erhältlich, Brenner für Blu-Ray und DVD kosten derzeit etwa 275 Euro wie Pioneers »BDR-202«. Wer HD-Formate nur lesen und lediglich DVDs brennen möchte, kommt bereits mit rund 200 Euro aus. Demnächst bringt LG zudem ein externes Kombi-Laufwerk für das mobile HD-Vergnügen auf den Markt.
Laut Statistik war der Formatkrieg bereits seit längerem entschieden. Dem Marktforschungsinstitut GfK zufolge beträgt der Anteil von Blu-Ray in Europa 79 Prozent. Laut Angaben der Blu-ray Disc Association (BDA) wurden europaweit mehr als 2,37 Millionen Blu-Ray-Disks verkauft.
In Zukunft schneller brennen

Marktübersicht Blu-Ray-Brenner
Noch mitten im Kampf um die Käufergunst drehen die Hersteller bereits an der Geschwindigkeitsschraube. Aktuelle Blu-Ray-Brenner schreiben BD-Rohlinge mit vierfacher und BD-R-Medien mit zweifacher Geschwindigkeit. Sharp hat nun einen neuen gepulsten blau-violetten Halbleiterlaser angekündigt, der bei Double-Layer-Blu-Ray-Disks die vier- bis sechsfache Schreibleistung erreichen soll. Im April 2008 soll die Massenproduktion von je einer Variante für Notebook- und Desktop-PC-Laufwerke starten.
Kommentar schreiben