Unternehmensprozesse müssen mittels konsequentem Informationsmanagement effizienter und transparenter gestaltet werden. Anwender benötigen neben intelligenten Konzepten der Datenverwaltung maßgeschneiderte Speichersysteme. Ein Anspruch, der zu einem Paradigmenwechsel bei Archivsystemen führt.
von Siegfried Dannehl
SOA erhöht Anforderungen an Datenarchivierung
Bild: Rittal
Die zunehmende Verzahnung von IT und Geschäftsprozessen beschert dem Markt für Speicherlösungen neben hohen Wachstumsraten viele neue Impulse. Die Ansprüche an die Klassifizierung und Sicherheit digitaler Informationen steigen. Im dynamischen Rechenzentrum der Zukunft soll die
»service-oriented architecture« (SOA) erfolgreich ergänzen. Gefragt sind neue Speichertechnologien, die in punkto Performance, Konnektivität und Kapazität flexibel skalierbar sind und über Leistungen wie Multi-Protokoll-Fähigkeit, übergreifende Suchfunktionen bei heterogenen Speicher-Arrays sowie zentrales Management und entsprechende Sicherheitsvorrichtungen verfügen.
Die Ansprüche an Archivierungskonzepte steigen
Gingcom »T2.2«
Die Kriterien für moderne Archivsysteme ändern sich. Datenverwaltungskonzepte beinhalten einerseits Dokumenten-Management (DMS), Enterprise-Content-Management (ECM), Digital-Asset-Management (DAM) und Web-Content-Management (WCM). Hinzukommen neue Kommunikationskanäle, wie sie beispielsweise mit Web 2.0 entstehen.
Die Nachfrage nach neuartigen Archivierungssystemen, die auf PByte-Ebene skalieren und Inhalte über verschiedene Datentypen und -pools auffindbar machen können, wächst. Neben regulativen Anforderungen des Gesetzgebers, beispielsweise hinsichtlich der Belegpflicht von geschäftskritischen Dokumenten oder publizierten Webinhalten, bildet vor allem die Zusammenführung verschiedener Insellösungen in integrative und am Geschäftsprozess orientierte Lösungsansätze einen wichtigen Anreiz für die Realisierung »ganzheitlicher« Informationsarchitekturen. Die Anforderungen daran sind hoch: Gefordert sind nicht nur Datenpermanenz, das heißt, jederzeitige Lesbarmachung, unveränderbare Speicherung, Datenauthentizität und -integrität sowie Datenreplikation und -sicherung. Auch die Ansprüche an Vertraulichkeit und Sicherheit wachsen. Autorisierung und Zugriffsschutz, Verschlüsselung, Protokollierung und sicheres Löschen sind nur einige Schlagworte.
Bislang wurden Daten und Dokumente vorzugsweise auf klassischen Archivierungsmedien wie optischen WORM-Speichern oder Magnetbändern gespeichert. Physisch von der produktiv genutzten IT-Infrastruktur getrennt und selten nachgefragt, konnten auf diese Weise große Datenmengen in Bandbibliotheken oder Jukeboxen über einen klar definierten Zeitraum preiswert und sicher gelagert werden und die gesetzlichen Vorschriften waren damit erfüllt.
Prinzipiell galt diese Vorgehensweise auch für den Sonderfall der Langzeitarchivierung, bei der es darum geht, digitale Informationen mit höchster Relevanz – beispielsweise kulturhistorische Dokumente – auf unbegrenzte Zeit für die Nachwelt zu konservieren. Eine weitere Alternative für die Langzeitarchivierung – insbesondere von klassischen Textdokumenten – war und ist die Speicherung auf Microfiche oder Mikrofilm. Im Gegensatz zu magnetischen oder optischen Medien ist hier auf Grund der extrem hohen Haltbarkeit der Medien keine aufwendige regelmäßige Datenmigration notwendig.
Integrierte Datensilos ersetzen externe Archive
Nicht nur die zeitraubende und nicht selten risikobehaftete Datenmigration, auch fehlende Flexibilität und vor allem die geringe Performance sind die Hauptdefizite traditioneller Archivsysteme. Modernen Archivsystemen, wie sie heute als vitaler Bestandteil von DMS, ECM, DAM oder WCM-Lösungen von führenden Speicheranbietern propagiert und angeboten werden, liegt ein anderes Konzept zu Grunde. Fallende Festplattenpreise in Verbindung mit der hohen Zuverlässigkeit von Magnetplattensystemen haben die Datenarchivierung auf Disk-Arrays wirtschaftlich gemacht.
Hochperformant sowie extrem flexibel und skalierbar, fungieren diese Systeme immer häufiger als zentrale Datensilos für unterschiedlichste Datentypen und sind vitaler Bestandteil der produktiven IT-Infrastruktur. Das Spektrum der hier abgelegten Informationen reicht von Datenbanksystemen über E-Mail-Archive bis zur digitalisierten Eingangspost des Unternehmens.
Angesichts der Veränderungen im Markt, der Konsolidierung im Informationsmanagement, der technologischen Entwicklungen und des Paradigmenwechsels dürfen Anwender jedoch nicht den Kopf in den Sand stecken. Jede der genannten Archivierungstechnologien, egal ob Optical, Magnetband, Festplatte oder Mikroverfilmung, bietet Vor- und Nachteile. Es gilt aus Unternehmenssicht spezifische Strategien der Informationsverwaltung zu entwickeln, die auf Veränderungen anpassbar sind und sich nicht in eine Abhängigkeit von den Release-Strategien der großen Anbieter begeben, fordert Ulrich Kampffmeyer, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Project Consult. Ziel muss es seinen Worten nach sein, sich vom technologischen Wandel möglichst unabhängig aufzustellen. »Informationsmanagement ist in erster Linie eine organisatorische Aufgabe. Rein technische Lösungen sind heute und in Zukunft zum Scheitern verurteilt. Professionelles Informationsmanagement muss Strategie, Mensch und Organisation in den Vordergrund stellen. Technologien dienen dann zur Unterstützung von Strategien, Prozessen und Informationsnutzung«, resümiert Kampffmeyer.
Serviceorientierte Architekturen (SOA):
Perfekt kontrollierte Flexibilität
Generelles Ziel der Implementierung serviceorientierter Architekturen (SOA) ist die Schaffung einer IT-Infrastruktur, die einerseits vorhandene Geschäftsprozesse optimal unterstützt, andererseits schnell und flexibel auf sich verändernde betriebliche Abläufe reagiert. In serviceorientierten Architekturen werden fachliche Dienste und Funktionen in Form von unabhängigen, flexibel verwendbaren Services bereitgestellt.
Die lose Koppelung der Services macht es möglich, durch Änderung der Konfiguration bei Bedarf neue Anwendungen schnell zu integrieren. Die Modularität und Anpassungsfähigkeit, die SOA auf Softwareebene bietet, lässt sich am wirksamsten durch Virtualisierungs- und Automatisierungstechnologien auf der Infrastrukturseite unterstützen.
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