24.09.2009 (eh) Drucken

NAS-Systeme: Markt und Entwicklung

Dass in einer Wirtschaftskrise wie der aktuellen alle Budgets bei Unternehmen auf dem Prüfstand stehen, ist nichts Ungewöhnliches. Folgerichtig trifft es auch IT- und Speicher-Investitionen. Allerdings haben die Anwender mit einem Dilemma zu kämpfen: Das explosive Datenwachstum hält trotz Krise an – die Forderungen nach mehr Speicherplatz bestehen wie eh und je.

N-Tec »NAS/iSCSI-Cluster«
N-Tec »NAS/iSCSI-Cluster«
Für viele Unternehmen scheint die NAS-Architektur (Network-Attached-Storage) hier die Lösung zu sein. Das zeigen auch neueste Marktdaten von Gartner und IDC: Alle Segmente des Speichermarkts sind in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres unter Druck gekommen – ausgenommen NAS. Einer von mehreren Gründen: Mit NAS lassen sich vor allem unstrukturierte Daten effektiver und kostengünstiger speichern. Und NAS hat auch das frühere Image eines »billigen Speichers für unwichtigere Daten« abgelegt. Neue Technologien, wie zum Beispiel neue File-Systeme oder Cluster-Architekturen, verschaffen NAS einen vollkommen neuen Stellenwert beim Storage-Administrator.

NAS als Lösung für viele Probleme

»Während Kunden aus dem KMU-Umfeld vordergründig File-Storage-Kapazitäten bereitstellen müssen, sehen wir bei Enterprise-Kunden auch die Verwendung als Shared-Storage zum Beispiel für virtualisierte Serverumgebungen«, erläutert Ingo Kraft, Senior Business Manager für Lefthand-Storage-Lösungen bei Hewlett-Packard. »Zudem wächst etwa durch Compliance-Anforderungen der Bedarf an preiswertem Festplattenspeicher im NAS-Umfeld.«

«Grundsätzlich treibt das massive Wachstum unstrukturierter Daten die Nachfrage nach Speicherlösungen, nicht nur nach NAS«, sagt Petra Laur, Sales Spezialist SAN & NAS bei IBM Deutschland. »Eine NAS-Lösung erlaubt es jedoch, den Anforderungen des hohen Wachstums einfach und kosteneffizient nachzukommen. Die vorhandene Netzwerk-Infrastruktur kann genutzt werden und die Systeme lassen sich zumeist bequem über eine Webschnittstelle einrichten und konfigurieren.«

Für Peter Körner, Consulting & Professional Service beim Wiesbadener Value-Added-Distributor TIM, ist es einfach die richtige Mischung von Vorteilen, die derzeit für NAS sprechen: »NAS-Lösungen sind relativ leicht zu implementieren und eignen sich daher besonders zum Einstieg in den Bereich hochwertiger und leistungsfähiger Plattensysteme. Zusätzliche Anschlussmöglichkeiten über Fibre-Channel und iSCSI, ergänzt mit hoher Datensicherheit durch Snapshots und Mirroring, bieten die Möglichkeit, NAS-Systeme als zentralen Storage einzusetzen.« Zusätzlich empfiehlt sich seiner Meinung nach der NAS-Einsatz zur Archivierung, um das hohe Wachstum an unstrukturierten Daten zu managen: »Die Kombination dieser Aspekte führt zu der starken Nachfrage nach NAS-Systemen.«

Overland »Snap Server 620«
Overland »Snap Server 620«
»Datenwachstum ist bei unseren Kunden ein wichtiger Entscheidungsfaktor«, bestätigt denn auch Julius Faubel, Presales Manager Central Europe bei Overland Storage. »Dennoch spielt die Möglichkeit einer leichteren zentralen Verwaltbarkeit der Daten eine zumindest genauso starke Rolle. Zudem sollten nötige Kapazitätserweiterungen jederzeit homogen und skalierbar durchzuführen sein. Darüber hinaus erhält NAS auf Grund der Einfachheit oft den Vorzug gegenüber einer aufwendigen SAN-Umgebung.«

Einfachheit von NAS ist schlagkräftiges Argument

Im Hause des Ismaninger NAS-Experten N-Tec sieht man vor allem die einfache Erweiterung um richtig große Speichervolumina, die für NAS spricht. »Unser größtes NAS-System ‚rapidNAS 848’ kann auf bis zu 96 TByte brutto Kapazität ausgebaut werden – ohne die Notwendigkeit eines Anschlusses von weiteren RAID- oder JBOD-Systemen. Das schafft erst einmal Luft«, argumentiert N-Tec-Geschäftsführer Sven Meyerhofer. Und noch eine interessante Erkenntnis: »Ein weiteres Indiz hierfür ist auch die Tatsache, dass viele Kunden Features wie ‚Single Instance Storage’ (doppelte Daten werden physikalisch nur einmal auf das RAID geschrieben) nicht nutzen.«

Aber auch wenn es einfach gehen soll, will der Kunde trotzdem zunehmend die Eigenschaften der Oberklasse. »Der Trend geht dahin, immer mehr Anwendungen für NAS-Systeme beziehungsweise über IP verfügbar zu machen«, erläutert Uwe Angst, NAS Business Manager bei Hitachi Data Systems (HDS). »Daher sehen wir auch eine Veränderung der Nachfrage dahingehend, dass viele Enterprise-Funktionen wie File-Tiering auch im mittleren Bereich gefordert werden. Mit unseren neuen Midrange-NAS-Systemen 3080 und 3090 bieten wir Unternehmen diese und weitere Enterprise-Funktionen.«

Tipps für KMUs beim NAS-Einsatz

Auch wenn ein NAS-System einfach zu nutzen ist – ein paar Dinge gibt es trotzdem zu beachten. »Wenn die Technologie professionell eingesetzt werden soll, verbietet sich die Verwendung von Consumer-Produkten. Immer wieder sind billigste Geräte im professionellen und semiprofessionellen Bereich zu finden«, ärgert sich Detlef Lieb, Senior Product & Program Marketing Manager Sales Deutschland bei Fujitsu Technology Solutions. »Der Jammer ist groß, sollten diese dann dem 7x24-Stunden-Betrieb nicht standhalten oder dem Stress in professioneller Umgebung nicht gewachsen sein. Also – nicht auf billig sondern auf Professionalität Wert legen und dann eine Lösung wählen, die nicht über das Ziel hinaus schießt und trotzdem den wachsenden Ansprüchen der Nutzer gerecht wird. Der Lieferpartner soll versiert und präsent sein. Für wachsende Ansprüche in Volumen, Verfügbarkeit, Sicherheit und Performance hinreichend Reserven vorsehen.«

»Kleine und mittelständische Unternehmen sollten in jedem Fall darauf achten, dass der Netzwerkspeicher die erforderliche Skalierbarkeit, Leistung und Verfügbarkeit sicherstellt sowie eine klare Strategie für ein Disaster-Recovery bereit steht«, meint Andreas Arndt, Sales Director Central Europe bei Buffalo Technology. »Auf die Unterstützung einer hohen Bandbreite an Verbindungsmöglichkeiten wie NFS, SMB und Active-Directory sollte zusätzlich geachtet werden.« Buffalo warnt KMUs, auf unbestückte Geräte zu setzen. »In diesem Fall braucht man schon erhebliche Kenntnisse über Festplatten, um wirklich Datensicherheit gewährleisten zu können«, argumentiert Arndt. »Aus diesem Grund vertreibt Buffalo nur voll bestückte Geräte.«

Nach Meinung von Björn Kaun, Senior Key Account Manager bei der EMC-Tochter Iomega, sollten KMUs vor allem auf »Datensicherheit durch RAID und die Möglichkeit achten, die Daten auf ein weiteres NAS oder externe Speichermedien als weitere Stufe der Datensicherheit replizieren zu können«. Darüber hinaus stehen für ihn Stromsparfunktionen und »erweiterte Funktionalitäten wie zum Beispiel Nutzung als Server für Videoüberwachung, Mediaserver, Fernzugriff« im Vordergrund. Und laut Kaun nicht zu vergessen: »Vmware-Zertifizierung ist wichtig für Kunden, die Vmware in KMU-Umgebungen einsetzen.«

Während viele NAS-Anbieter logischerweise die Funktionen hervorheben, verweist Carsten Hinz, Geschäftsführer Vertrieb beim Distributor Topmedia Storage Solutions, auf einen ganz anderen Punkt: »Gerade beim Einsatz als Speichersystem im Unternehmen sollten die KMUs darauf achten, dass neben dem Preis auch die Qualität und der Service/Support stimmen. Den können viele Anbieter für ihre dubiosen, aber natürlich günstigen Bastelbüchsen nicht bieten. Daten sind das Kapital der meisten Unternehmen, so sollten sie auch behandelt werden.«

Neue Technologien beflügeln NAS deutlich

Mit neuen Technologien und Architekturen bekommen neuerdings NAS-Systeme einen vollkommen neuen Stellenwert beim Storage-Administrator. Beim NAS-Marktführer NetApp pocht man – neben vielen anderen Merkmalen – beispielsweise auf die neuen Erweiterungs-Möglichkeiten. »Netapp etwa bietet eine leistungsfähige Scale-out-Architektur, die sowohl die Performance geclusteter Komponenten nutzt als auch unterbrechungsfreie Prozesse sowie ein regelbasiertes Management für optimierte Effizienz und Agilität ermöglicht«, erklärt Peter Wüst, Director System Engineering bei Netapp. »Die Scale-out-Mechanismen, kombiniert mit ausgefeilter Server-Virtualisierung, entfalten ihren vollen Nutzen in einem auf Dynamik ausgelegten Rechenzentrum. So lassen sich schnell Applikationen in Betrieb nehmen, Ressourcen provisionieren und Daten unterbrechungsfrei migrieren – für höchste Effizienz.«

»Da herkömmliche File-Systeme zunehmend an ihre Grenzen stoßen, ist die Nutzung neuer File-Systeme zur Bewältigung der aktuellen Anforderungen notwendig«, verweist Georg Bartz, Geschäftsführer und VP Sales EMEA beim Highend-NAS-Spezialisten Bluearc Germany, auf neue Technologieansätze. »Sinnvollerweise bieten diese File-Systeme Volumes weit über die bisherigen 16-TByte-Grenzen hinaus. Zudem steigt die Zahl der möglichen Objekte in einem Folder auf mehr als zehn Millionen. Diese enorme Steigerung der Kapazitäten erfordert von den Highend-NAS-Systemen auch eine neue Herangehensweise an die interne Datenverwaltung.« Dabei können seiner Meinung nach Lösungen, die mittels Hardware-Unterstützung die Datenverwaltung erledigen, ihre Vorteile ausspielen. »Wenn der Cluster«, argumentiert Bartz, »zudem noch unabhängig von Speichererweiterungen auf mehr als die typischen zwei Nodes erweitert werden kann, ist das Gesamtsystem in der Lage, auch hier äußerst flexibel eingesetzt zu werden. Eine Virtualisierungs-Engine in den NAS-Systemen hilft, dieses Mehr an Leistung in einfacher Form an die Endbenutzer weiterzugeben.«

Was tun gegen die 16-TByte-Filer-Grenze?

Eurostor »ES-8700«
Eurostor »ES-8700«
Vom reinen Vergrößern der bestehenden 16-TByte-Filer-Grenzen hält man im Hause Isilon Systems nichts. »Das Ersetzen bestehender Volume-Grenzen durch neue, größere ist langfristig keine Antwort auf das massive Wachstum im Bereich unstrukturierter Daten. Wir haben inzwischen Größenordnungen erreicht, die mit diesen klassischen Lösungsansätzen nicht zu bändigen sind; das PByte ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange«, meint Stephan Esche, Systems Engineer beim Scale-out-NAS-Spezialisten. »Wir brauchen Lösungen, die schnell und einfach skalieren können. Neue intelligentere File-Systeme, um die Daten überhaupt aufnehmen und verwalten zu können, und Clustered-Storage beziehungsweise NAS, um dies mit einer angemessenen Performance und Sicherheit tun zu können. Isilon bietet mit seinem Scale-out-NAS-Ansatz und seinem ‚OneFS’-Dateisystem genau die Antwort auf diese Problematik.«

Nichtsdestoweniger glaubt Dr. Harald Kaul, Systems Engineering Manager und verantwortlich für Speicherlösungen bei SGI, dass es zumindest hilft, wenn ein NAS-System größere Volumes als 16 TByte ermöglicht: »Wichtig ist, dies als Kriterium bei der Auswahl zu berücksichtigen und einen etwaigen Einsatz solcher Systeme entsprechend den Anforderungen abzuwägen. Leistungsfähige Netzwerkinterfaces (10 Gbit/s, InfiniBand) können sehr hohe Anforderungen erfüllen. Auch die Unterstützung mehrerer solcher Interfaces in einem NAS-System oder Clustered-NAS sind denkbar.«

NAS und SAN, NAS und SSD – eine gute Lösung

»Unternehmen im Enterprise-Segment legen unserer Erfahrung nach Wert auf rundum integrierte NAS-Lösungen, die die Vorzüge einer konsolidierten Speicherlösung auf das gesamte Unternehmen ausdehnen«, sagt Steven Dahlin, Head of European Sales bei Compellent. »Großunternehmen spüren die Folgen des überproportionalen Datenwachstums am stärksten und profitieren daher auch am meisten von einer intelligenten Datenklassifizierung. Generell kann man behaupten, dass in diesen Unternehmen 30 bis 50 Prozent der Daten unstrukturiert vorliegen. Der Rest ist dem SAN-Umfeld zuzuordnen (Datenbanken, SAP-Systeme etc.). Eine kombinierte SAN- und NAS-Lösung liefert diesen Unternehmen daher die Skalierbarkeit und Hochverfügbarkeit, die sie benötigen, ebenso wie einen durchgängigen Support – und senkt die Kosten für Speicher.«

Bei Sun Microsystems geht man dagegen einen anderen Weg – NAS kombiniert mit SSD (Solid-State-Disks) lautet hier die Antwort auf High-Performance-Anforderungen. »Die Industrie begegnet den wachsenden Leistungsanforderungen durch den vermehrten Einsatz von Hardware in Form immer größerer Systeme, schnellerer Platten sowie NAS-Clustering. Dies führt zu immer höheren Kosten. Sun zeigt mit den Systemen ‚Sun Storage 7000’ einen Ausweg aus dieser Wettrüstungsspirale, die immer weniger Unternehmen finanzieren können«, erklärt Arndt Müller, Produkt Marketing Manager Storage bei dem Server-Spezialisten«. »Diese Systeme erzielen ihre hohe Leistung durch die intelligente Kombination von extrem schnellen Solid-State-Disks und sehr günstigen SATA-Disks, in Form eines Hybrid-Storage-Pools des Sun-File-Systems ZFS. Da hier die SSDs als schneller Cache im File-System genutzt werden, kann eine sehr hohe Leistung applikationstransparent und zu niedrigen Kosten genutzt werden. Statt auf immer größeren Hubraum setzt Sun auf turbogeladene kleine Motoren, die dieselbe Leistung zu viel geringeren Betriebskosten zur Verfügung stellen.«



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