25.08.2011 (kfr) Drucken
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NAS-Systeme: Funktionen und Kaufkriterien

Moderne NAS-Systeme sind heute schnell, relativ einfach skalierbar und integrieren sowohl Datenmanagement als auch Monitoring-Funktionen. Hinzukommen Sicherheits-Features wie Snapshots, Replikation sowie Disaster-Recovery-Optionen. Beim Kauf gilt es Engpässe zu vermeiden und die Produktgrenzen zu kennen.

NAS-Systeme können problemlos große Datenmengen bewältigen und sind damit immer noch die optimale Technologie für die Flut an unstrukturierten Daten auch im Rechenzentrum. »Heute sind durchschnittlich 80 Prozent des Datenbestands in Unternehmen dateibasiert«, erklärt Herbert Bild, Solutions Marketing Manager bei NetApp. »Besonders die intensive Nutzung von Office-Applikationen und der fortschreitende Trend hin zur Digitalisierung von Dokumenten und Akten spielen hier eine Rolle. Außerdem hat sich NAS als Primärspeicher für Datenbanken und virtuelle Umgebungen mit Anbindung über das sehr leistungsfähige NFS-Protokoll bewährt.«

NAS: Funktionen und Techniken für den RZ-Einsatz

Hitachi »Essential NAS Platform«
Hitachi »Essential NAS Platform«
Für Wolfgang Bauer, Technischer Leiter bei EUROstor gibt es lediglich zwei Kriterien, die ein NAS neben einer guten Performance zu leisten hat: »Einmal sollte es sich sowohl in Linux- als auch in Windows-Welten einbinden lassen. Dies bedeutet auch, dass entsprechende Dienste wie Active-Directory unterstützt sein müssen. Andernfalls wären Firmen mit einem normalen Fileserver auf Windows oder Linux besser bedient.« Zweitens sollte es eine übersichtliche und schnelle Management-Oberfläche besitzen, welche auch bei sehr vielen Usern die Verwaltung der Zugriffsrechte überschaubar und einfach gestaltet.

»Ein gutes NAS System zeichnet sich zudem durch eine hohe Skalierbarkeit der Kapazität in TByte bzw. PByte aus sowie in der Anzahl von Dateien oder Objekten pro Verzeichnis«, ergänzt Uwe Angst, NAS Business Manager bei Hitachi Data Systems. »Hinzukommt die Skalierbarkeit für Scale-out (Anzahl der Nodes pro Cluster) und Scale-up (Performance pro Node-Modell) und Scale-deep (Anzahl der virtualisierbaren Systeme hinter dem NAS-System). Hochwertige Systeme bieten eine hohe Ausfallsicherheit durch 99,999 Prozent Uptime und der Möglichkeit, einem Cluster online weitere Nodes hinzuzufügen.« Auch sollten IT-Manager auf einen niedrigen Energieverbrauch achten, gemessen in Euro pro IOPs und im physikalischen Footprint im Rechenzentrum.

»Ein für große Unternehmen geeignetes NAS-System zeichnet sich durch eine sehr hohe Performance und größtmögliche Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit aus«, sagt Netapp-Manager Bild. »Außerdem sollte es flexibel skalierbar sein und eine systemübergreifende Erweiterung ermöglichen. Ein wichtiger Stellenwert kommt außerdem der vereinfachten Administration zu.« Ein ideales NAS System sollte, einmal aufgesetzt, ohne weiteren personellen Aufwand laufen. Erst wenn der physikalische Speicherplatz an seine Grenzen stößt, ist der Administrator wieder gefordert.

NAS und SAN in Kombination: Worauf gilt es zu achten?

NAS-Systeme kommen zunehmend auch als Kombilösung daher und »verstehen auch SAN«. Diese so genannten »Unified Storage«-Geräte sollen helfen Insellösungen zu vermeiden und sollen vor allem für den Mittelstand attraktiv sein. »Bedingt durch Restriktionen wie beispielsweise, dass Microsoft kein CIFS oder NFS für Exchange, SQL oder `SharePoint´ unterstützt, müssen diese Systeme mehrere Protokolle verstehen«, erläutert HDS-Manager Angst. »Unsere Lösungen sind beispielsweise multiprotokollfähig und decken mit der `HNAS´- und `AMS´-Kombination schon heute alle diese Anforderungen ab.« Zudem müsse der Datenverkehr durch einen NAS-Kopf geschleust werden, was der Performance an sich zu Gute komme.

Netapp-Manager Bild sieht es ähnlich. Seiner Ansicht nach entwickeln sich kombinierte Lösungen aus NAS und SAN schon zum Standard im Rechenzentrum: »Es gibt bereits seit vielen Jahren etablierte Technologien, welche die Nutzung von SAN und NAS auf ein und demselben System ermöglichen. Es gibt also keinen Grund mehr für den Einsatz dedizierter und somit auch isolierter Storage Controller für SAN und NAS.« Auch bei den Einsatzszenarien gäbe es keinerlei Einschränkungen mehr.

Bei der Auswahl sollten IT-Verwalter darauf achten, dass alle derzeit verfügbaren Protokolle völlig transparent und gleichzeitig nutzbar sind. Unified-Storage-Architekturen kombinieren NAS und SAN und sprechen damit auch alle Protokolle an. »Echtes Unified-Storage ist aber noch viel mehr als nur der Support für mehrere Protokolle«, konstatiert Bild. »Die Lösung integriert beide Komponenten im Kern und ist eben keine reine Kombination von `SAN Only´- und `NAS Only´-Produkten. Mit der nativen Integration gehen auch weitere Kriterien wie die Skalierbarkeit, das durchgängige Management und die Erweiterung der Funktionalität auf den Nearstore-Bereich für Backup und Archivierung einher.« Echtes Unified-Storage bilde alle Protokolle und alle Workloads für alle Performance und Kapazitätsklassen auf ein und der derselben Plattform ab.

»Die größte Gefahr bei den Kombilösungen ist die fehlende »Quality of Service«-Funktionalität (QoS), mit der sich festlegen lässt, welche Ressourcen zu welchem Grad von welcher Applikation bzw. welchem Enduser genutzt werden können«, mahnt HDS-Manager Angst. »Kein Hersteller hat dieses Problem, Stand heute, gemeistert. Aber alle arbeiten an einer Lösung, wobei die Ansätze, die sie dabei verfolgen, zum Teil fundamental voneinander abweichen. Die Zukunft wird zeigen, welches dieser Konzepte sich als erfolgreich erweisen wird.«

Einsteiger-NAS: Wo liegen die Grenzen?

Iomega »StorCenter ix12-300r«
Iomega »StorCenter ix12-300r«
Speziell im Einstiegssektor hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. NAS-Server mit vier bis acht Laufwerken sind sehr preiswert zu haben und weisen mittlerweile einen großen Funktionsumfang wie Snapshots und Replikation auf. Der Leistungsmöglichkeit dieser Geräteklasse sind jedoch Grenzen gesetzt.

»Aufgrund der meist relativ geringen Hardware-Ausstattung bieten diese Geräte oft nur mäßige Festplatten- und Netzwerk-Performance«, argumentiert Martin Huber, Geschäftsführer bei N-Tec. »Dennoch finden sie im SOHO-Bereich durchaus ihre Berechtigung. Ebenso in Unternehmen, denen es in erster Linie um die zentrale Speicherung der Daten geht und die keine besonderen Anforderungen an die Geschwindigkeit stellen.« Anders sieht es allerdings aus, sobald eine größere Anzahl an Benutzer permanent auf das NAS zugreift bzw. wenn Daten verarbeitet werden, die eine bestimmte Mindestanforderung an die Geschwindigkeit stellen (Multimedia).

»Für Backups und für kleine Fileserver, in kleinen Unternehmen und Abteilungen, sind die kompakten NAS-Systeme sehr gut einsetzbar«, sagt Eurostor-Manager Bauer. »Wir verkaufen hier viele kleine Tower-Lösungen, diese sind relativ geräuscharm und können auch mal in einem Büro stehen. Wenn es um hohen Durchsatz, also vor allem viele I/Os geht, dann empfiehlt sich aber doch ein etwas leistungsfähigeres System, ganz zu schweigen von Hochverfügbarkeitsanforderungen, die über ein paar Snapshots und rsync hinausgehen.«

Leistung: Engpässe vermeiden

N-Tec »rapidNAS 316-G4«
N-Tec »rapidNAS 316-G4«

Um Geschwindigkeits-Engpässe weitgehend auszuschließen, gilt es im Vorfeld den eigenen Bedarf zu kennen und auf die Ausstattung zu achten. Im reinen NAS Betrieb spielen CPU-Leistung und Speicherbestückung im Prinzip eine eher untergeordnete Rolle. »Vorausgesetzt, dass Aufgaben wie die RAID-Verwaltung von einem separaten Prozessor, sprich einem Hardware-RAID, erfüllt werden«, sagt N-Tec-Manager Huber. »Muss die System-CPU, außer für das Betriebssystem, auch noch weitere Aufgaben wie unter anderem eben die RAID-Verwaltung übernehmen, geraten Systeme mit zu gering ausgelegten Prozessoren sehr schnell an ihre Leistungsgrenze, was sich dann negativ auf Antwortzeiten und Datenübertragungsraten auswirkt.« Hinzukomme, dass heute viele Systeme Unified-Storage-Funktionen wie Software-iSCSI-Targets anbieten. Eine Aufgabe, die ebenfalls der System-Prozessor zu verarbeiten hat. Hier wirke sich die Investition in eine etwas üppigere Speicherausstattung durchaus positiv aus. In der Praxis sollte ein Business-NAS daher Minimum mit einem Dual-Core-Xeon-Prozessoren und schnellem DDR3-Speicher bestückt sein. Mit der Option bei Bedarf eine zweite CPU nachrüsten und den Arbeitsspeicher erweitern zu können.

»Vor der Beschaffung neuer Systeme ist eine Überprüfung des LAN sinnvoll, damit dieses sich nicht als Flaschenhals erweist«, rät Robert Guzek, Produkt Marketing Manager Eternus bei Fujitsu Technology Solutions. »Das zu erwerbende System sollte den jetzigen Anforderung des Unternehmens entsprechen und einen Puffer für zukünftiges Wachstum berücksichtigen. Bei einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis ist ein höherer Ausbau des RAM durchaus empfehlenswert.«

NAS: vorrangige Kaufkriterien

»Leider ist heute oftmals zunächst der Anschaffungspreis das Kriterium«, bemängelt N-Tec-Manager Huber, das Kaufverhalten vieler IT-Einkäufer. »Dass zwischen einem SoHo-Produkt und einem Midrange- oder Enterprise-NAS in der Regel außer dem Preis auch ein gewaltiger Unterschied in der Leistung besteht, merken Unternehmen oft erst, wenn das sehr preisgünstige Gerät schnell an seine Leistungsgrenzen stößt und die Daten nicht mehr in ausreichender Geschwindigkeit zur Verfügung gestellt werden können.«

Grundsätzlich sollten sich Unternehmen vor dem Kauf bewusst machen, welche Aufgaben mit dem zu beschaffenden NAS erledigt werden sollen. Welche Anzahl an Benutzern ständig und regelmäßig auf dem System arbeitet und welche Datenmenge das Gerät auf längere Sicht (ca. 3 - 5 Jahre) zu bewältigen haben wird. »Weiter spielen die schnelle Erweiterung der Kapazität (ohne Stillstandzeiten) und die Ansprüche an die Verfügbarkeit (Replikation, Spiegelung) ein wichtige Rolle«, erklärt Huber. »Auch die Möglichkeit zur Nachrüstung weiterer Schnittstellen für Einbindung in neue Infrastrukturen (10 GbE, FCoE) oder zur Steigerung der Netzwerkleistung sollte, zumindest bei Midrange- und Enterprise-Systemen, vorhanden sein.«

»Nützlich ist, wenn die Produktpalette des Anbieters Entry- bis Highend-Systeme abdeckt, das vereinfacht die Bedienung und Administration«, meint Fujitsu-Manager Guzek. »Außerdem ist dieses in der Regel mit zusätzlichen Software-Produkten für den Entry-Bereich verbunden.« Auch sei es so möglich, beispielsweise durch den Wechsel des Storage-Kopfes zum nächst höheren System zu wechseln, ohne die Daten bewegen bzw. migrieren zu müssen. Wichtig sei laut Guzek auch ein flächendeckender Service, sowie eine den Bedürfnissen ausreichende Software-Funktionalität.

NAS: Markt & Entwicklung

»Scale-Out-Systeme werden in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen, durch die Flexibilität bei der Erweiterung von Kapazität und von Performance (Knoten)«, erwartet Fujitsu-Manager Guzek. »Derzeit finden diese horizontal skalierbaren NAS-Lösungen nur bei sehr speziellen Anwendungsfällen Verwendung und sind deswegen nur mit sehr hohem Aufwand nutzbar«, ergänzt Netapp-Manager Bild. »In Zukunft werden sich aber Funktionalitäten wie Cluster-File-Systeme und Global-Namespace immer mehr verbreiten. Betrachtet man die Zukunft von NAS, spielt auch das Thema Big Data eine Rolle. Unternehmen sind mehr und mehr auf Rich-Media angewiesen, die hohe Anforderungen an Performance und Speicherkapazität stellen. Dazu zählen Daten, die optische und akustische Dateien, wie beispielsweise Video oder Animation beinhalten.« Dies ist eines der am schnellsten wachsenden Marktsegmente und werde im Speziellen die Innovationskraft der einzelnen Storage-Hersteller fordern. Diesbezüglich werden auch SSD und Flash-Speicher eine interessante Option für die nächsten Jahre.


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