24.11.2016 (kfr) Drucken
(4 von 5, 4 Bewertungen)

Drobo »B810n« – 8-Bay-NAS im Hands-on-Test

  • Inhalt dieses Artikels
  • B810n-NAS im Hands-on-Test
  • B810n unterstützt automatische Online-Migration
  • Fazit: Das Easy-to-use hat seinen Preis

Drobo »B810n« mit 8 BaysDrobo »B810n« mit 8 BaysDas 8-Bay-NAS-System B810n spricht Drobo vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) an. Der amerikanische Hersteller nimmt für sich in Anspruch, einen einfach zu bedienenden Netzwerkspeicher entwickelt zu haben, der sich auch ohne nähere IT-Kenntnisse in Betrieb nehmen lässt. Mit den RAID-Arten muss sich der Benutzer nicht beschäftigen. Die Drobo BeyondRAID-Technologie übernimmt hier komplett.

Je nach Anzahl der eingesetzten Festplatten stellt BeyondRAID automatisch den passenden RAID-Level ein. Mit zwei Laufwerken agiert das NAS als RAID-1-Verbund, ab drei und mehr Platten als RAID 5. Zu den Besonderheiten gehört auch, dass sich Platten mit unterschiedlicher Speicherkapazität verwenden lassen. Standardmäßig kann ein Laufwerk ausfallen, ohne, dass der Benutzer einen Datenverlust zu verzeichnen hat. Optional lässt sich eine doppelte Redundanz auswählen, dann können zwei Platten gleichzeitig ausfallen.

Eine ausgefallene Disk kann der Benutzer einfach durch eine Festplatte ersetzen. Das System bindet das neue Laufwerk automatisch in den RAID-Verbund ein und stellt die Ausfallsicherheit wieder her. Das B810n besitzt acht Einschübe für 3,5 Zoll SATA-Festplatten sowie zwei Gbit-Ethernet-Anschlüssen.

B810n-NAS im Hands-on-Test

Für unseren Test hat uns Drobos PR-Agentur 360 Service Agency ein Leergehäuse zur Verfügung gestellt. Wir setzen zunächst drei Seagate NAS HDD 8TB mit jeweils acht TByte Speicherkapazität ein.

Die Inbetriebnahme gestaltet sich in der Tat problemlos. Wir nehmen die Magnetabdeckung an der Gehäusefront ab und schieben die Festplatten ein. Werkzeuge oder ein Einschub-Shuttle sind nicht notwendig. Wie auf dem Schnellinstallationsblatt beschrieben laden wir die Drobo Dashboard-Software von der Hersteller-Webseite (drobo.com/start). Danach schließen wir das NAS an unser Netzwerk an und starten das Gerät. Das Dashboard installiert sich mehr oder weniger von selbst und erkennt das B810n auf Anhieb. Das System ist direkt einsatzbereit, der RAID-5-Schutz wird im Hintergrund aufgebaut. Dies dauert je nach Festplattengröße unterschiedlich lang. Unsere drei 8-TByte-Platten haben sich über Nacht konfiguriert.

Wir schieben eine weitere Festplatte in einen freien Schacht, diesmal mit zwei TByte. Die WD Red NAS wird ebenfalls sofort erkannt und die zusätzliche Kapazität steht umgehend zur Verfügung.

B810n unterstützt automatische Online-Migration

Als nächstes testen wir das Recovery bzw. die Online-Migration: Wir entnehmen die 2-TByte-Festplatte wieder, was das NAS sofort moniert und anzeigt, dass kein weiteres Laufwerk ausfallen oder entnommen werden darf. Wir schieben nun eine Seagate Ironwolf mit zehn TByte ein. Auch diese wird sofort erkannt und nach rund einer halben Stunde ist der RAID-Schutz wieder komplett hergestellt. Hier ist allerdings anzumerken, dass das NAS fast leer war. Mit gut genutzten Speicherplatz mag dies eventuell länger dauern.

Die Kopie einer zirka 3,8 GByte großen HD-Video (35min-Aufnahme mit einer »GoPro Hero 2«) von einer internen SATA-HDD schafft das System mit zirka 84 MByte/s in 46 Sekunden. Seagates NAS Pro mit 4 Bays schafft hier beispielsweise 106 MByte/s. Beim Kopieren eines rund einem GByte großen Ordners mit unterschiedlich großen Dateien kommt das B810n auf knapp 53 MByte/s und bleibt auch hier hinter dem Seagate-NAS (64 MByte/s). Im Prinzip ist es aber trotzdem noch ein akzeptables Ergebnis, da der Marvel-Prozessor nicht der Schnellste und auch der Speicher lediglich mit zwei GByte bestückt ist.

Über das Dashboard stehen diverse Apps zur Verfügung. Über Drobo Access lässt sich eine myDrobo URL einrichten. Über diesen Link erhält der Benutzer und von ihm autorisierte Anwender Remote-Zugriff auf das B810n. Das funktioniert im Test gut, aber nur, wenn sich das NAS nicht im Sleep-Modus befindet. Werden die Platten längere Zeit nicht benutzt, schickt sie das System schlafen. Von außen ist das NAS, dann nicht mehr ansprechbar. Wer nicht über den Browser arbeiten möchte, für den steht für Android und iOS zudem eine kostenpflichtige Drobo Access-App (0,99 Euro) zur Verfügung.

Kostenlos ist die DroboPix-App. Hiermit lädt das iPhone automatisch alle Fotos und Videos auf das B810n, sobald es im Heimnetzwerk erkannt wird. Pro Handy wird ein eigener Ordner angelegt, in dem alle Fotos und Videos nach Jahreszahlen und Monaten geordnet, gespeichert werden.

Fazit: Das Easy-to-use hat seinen Preis

Für den Drobo spricht die wirklich einfache Handhabung. Das NAS konfiguriert und heilt sich bei Bedarf selbst. Das Desktop-Gehäuse ist stabil und hochwertig gefertigt. Standardmäßig ist auch eine Daten-Replikation integriert. Damit lassen sich die Daten automatisch auf ein zweites Gerät, zum Beispiel an einem anderen Standort, kopieren (replizieren). Damit können KMUs mit relativ einfachen Mitteln ihren Datenschutz erhöhen.

Ohne HDD-Shuttles reduzieren sich die Bauteile und es vereinfacht die Handhabung. Allerdings benötigt der Auswurfmechanismus bei unserem Testgerät manuelle Unterstützung. Man könnte sagen, aus Versehen wird eigentlich keine Platte ausgeworfen. Wenn aber auch der Nachbarschacht bestückt ist, kann das Herausnehmen einer Disk schon mühsam sein. Da das Gerät für KMUs konzipiert ist, vermissen wir absperrbare Laufwerksschächte.

Zu beanstanden sind auch die Betriebsgeräusche. Die eingebauten Lüfter sind zu laut, um mit ihnen in einem Zimmer zu arbeiten. Je mehr Festplatten zum Einsatz kommen, desto lauter wird es.

Im Internet ist das Drobo B810n zwischen 1.674 und rund 1.800 Euro erhältlich – ohne Festplatten. Im Vergleich mit anderen 8-Bay-NAS-Systemen ist dies schlicht teuer. Die Synology DiskStation DS2015xs kostet als Leergehäuse beispielsweise nur rund 1.080 Euro und das QNAP TS-853A-8G knapp 830 Euro.

Die von uns eingesetzten 8-TByte-Platten (Seagate NAS HDD) kosten einzeln rund 320 Euro. Acht Stück belaufen sich auf 2.560 Euro. Acht 4-TByte-HDDs kommen auf zirka 1.992 Euro. Mit Seagates Ironwolf-Serie geht es noch etwas preiswerter, 8x 8 TByte kosten 2.472 Euro bzw. 1.168 Euro für 8x 4-TByte-HDDs. In Vollbestückung mit acht 10-TByte-Festplatten (Seagate Ironwolf) kostet das B810n rund 5.035 Euro.

Das B810n ist grundsätzlich ein gutes Gerät, hat aber auch seine Schwächen. Wer ein einfach zu bedienendes NAS-System mit hohen Kapazitätsreserven sucht, dass ihn von technischen Einstellungen befreit, ist mit dem Drobo gut bedient. Sofern man bereit ist dafür einen Aufpreis zu entrichten. Wer technisch etwas versiert ist, bekommt schnellere und zum Teil besser ausgestattete Systeme 600 bis 800 Euro günstiger.

Kurzinfo

Hersteller: Drobo
2540 Mission College Blvd.
Santa Clara, CA 95054
Kontakt DACH: Andreas Sviontek
Tel. +49 6104 969-102
E-Mail: sales-dach@360serviceagency.com
Web: drobo.com
Drobo-Reseller: Maconcept
www.maconcept.de
Direkter Link zum Produkt: B810n
Preis: ab 1.674 Euro (ohne HDDs)
Garantie:
2 Jahre (optional DroboCare mit bis zu 3 Jahren)

Technische Details

Festplattenanzahl: 8
Unterstütztes Festplattenformat: SATA-II (hotswap)
Max. Gesamtspeicherkapazität: 80 TByte (10 x 10 TByte)
Prozessor: Marvell Quad-Core SoC (1,2 GHz)
Arbeitsspeicher: 2 GByte
Schnittstellen: 2x Gbit-Ethernet
RAID-Level: BeyondRAID
Unterstützte Netzwerkprotokolle: CIFS, SMB, AFP
Besonderheiten: Thin-Provisioning, Instant Expansion, Mixed-Drive-Utilization, Single- oder Dual-Redundanz, Kensington Lock

Plus
+ leichte Inbetriebnahme
+ einfache Handhabung
+ Self-Healing-Funktion
+ Online-Kapazitätsmigration
+ HDDs mit unterschiedlicher Kapazität möglich
+ Remote-Zugriff
+ integrierte Replication

Minus
- hoher Anschaffungspeis
- laute Betriebsgeräusche
- durchschnittliche Leistung (CPU, Memory)
- kein USB-Anschluss
- kostenpflichtige Remote-App
- Laufwerke nicht abschließbar