04.02.2008 (kfr) Drucken

Massiver Preisverfall bei USB-Sticks

Der massive Preisverfall bei Flashspeichern verleitet unseriöse Hersteller dazu, ihre Gewinne mit Betrügereien zu maximieren. USB-Sticks mit falschen Kapazitätsangaben verunsichern den Markt. Anwender sind gut beraten, ausschließlich auf hochwertige Markenware zuzugreifen.

von Karl Fröhlich

Die KW 2/08 brachte dem Markt für Flashspeicher nichts Gutes. Die Internet-Gazetten sprechen von manipulierten Produkten, Lug und Betrug und den für Endkunden eingetroffenen Super-Gau: Datenverlust. Wie beispielsweise das Fachmagazin c’t aufdeckt, werden USB-Sticks mit falschen Kapazitätsangaben ausgeliefert und manipulieren mit Wissen des Chip-Herstellers bewusst das Betriebssystem.

Das heißt, ein angeblicher 4-GByte-Stick besitzt in Wirklichkeit nur ein Viertel der versprochenen Kapazität. Unbedarfte Anwender merken davon zunächst meist nichts, denn der Stick gibt keine Warnmeldung aus, wenn er voll ist, sondern überschreibt einfach die bereits gespeicherten Daten.

Zwar kann die frei verfügbare Kapazität auch bei korrekt ausgezeichneten Sticks je nach Betriebssystem abweichen, da Speichermedien eine Vorformatierung erfordern – vereinfacht ausgedrückt, eine Anpassung an das jeweils genutzte Betriebssystem. Für diese Vorformatierung wird Platz auf dem Speicher bereits vorreserviert. Allerdings ist diese Abweichung gering und beansprucht nur einen Bruchteil der Kapazität, die bei den manipulierten Geräten fehlt.

Nach bisherigen Erkenntnissen sind in Deutschland zehntausende USB-Sticks unterschiedlicher Marken betroffen. Zu den prominentesten Opfern zählen Hama und Distributor Dexxon sowie die Billig-Linie von Platinum. Auch bei Real wurde mangelhafte Ware verkauft. Hama ruft derzeit die USB-Sticks »Fancy« mit zwei, vier und acht GByte zurück. Dexxon tauscht die unter dem Label »Emtec« erschienene »C150«-Serie aus dem Zeitraum von November 2007 bis Anfang Januar 2008 aus. Der Fehler sei inzwischen behoben, verlautet es aus dem Unternehmen. Während Hama direkt zugibt, betrügerischen Machenschaften aufgesessen zu sein, spricht Dexxon zunächst nur von Produktionsfehlern.

Vorteil für Qualitätsanbieter

Der Speichermarkt war schon von jeher für Geschäfte jenseits der Legalitätsgrenzen bekannt. Nach dem massiven Preisverfall bei Flashspeichern war es scheinbar nur ein Frage der Zeit, bis hier kriminelle Energie frei wurde. »Der Einbau solcher gefälschter Speicherchips stellt eine neue Eskalationsstufe einer bedenklichen Entwicklung dar«, sagt George Linardatos, Deutschland-Chef von Transcend Deutschland. »Bereits seit längerem verwenden manche Anbieter minderwertige Bauteile in vermeintlichen Markenprodukten. Solche Ware ist zum einen extrem störungsanfällig. Sie kann beispielsweise schon beim Herunterfallen irreparabel beschädigt werden.«

Im Hause des USB-Stick-Herstellers Transcend ist man sich sicher, dass man im Sortiment keine manipulierten Produkte habe. »Als Hersteller können wir jeden Produktions- und Transportschritt nachvollziehen und arbeiten nur mit absoluten Profis zusammen«, sagt Linardatos. »Dieses Qualitätsbewusstsein zahlt sich jetzt aus: Bei uns ist in der aktuellen Situation nicht eine einzige Beschwerde über unsere Speicher-Sticks eingegangen.« Auf seine USB-Sticks gibt das Unternehmen als einer der wenigen Hersteller 30 Jahre Garantie.

Auch PNY stellt direkt klar, dass die eigenen Produkte nicht betroffen sind. »Unsere Abteilung für Qualitätssicherung hat direkt nach den ersten Presseberichten Stellung bezogen«, erklärt Sascha Stützer, Sales Manager bei PNY. »Unsere Flash-Drive-Produkte werden ausschließlich mit Qualitäts-Controllern bestückt und von namhaften Produzenten gefertigt.«

Viele Anwender bemerken einen möglichen Schaden gar nicht oder erst sehr spät. Häufig wird das Fehlen der Daten auch nicht mit einem schadhaften USB-Stick in Verbindung gebracht. Fachhändler können ihre Ware beispielsweise mit einem kostenlosen Testprogramm der c’t überprüfen und dies auch ihren Kunden raten. Nachdem vor allem Billigware in Flächenmärkten betroffen ist, zeigt sich, wie sinnvoll es ist auf Qualität zu setzen. Hersteller, die selbst fertigen und zumindest nicht unwissentlich Betrügern aufsitzen können, sind unter anderem A-Data, Kingston, Sandisk und Transcend.

Preisverfall hält an

Seite Mitte Dezember 2007 hat der Verkaufspreis für USB-Sticks zwischen 20 und 36 Prozent nachgegeben. Kostete ein No-Name mit acht GByte zu Weihnachten noch zirka 45, sind diese in Flächenmärkten Anfang Februar 2008 bereits ab 29 Euro erhältlich. Für diesen Preis wurde damals zum Beispiel noch ein 4-GByte-Stick von PNY gehandelt. Marktbeobachter gehen von einem weiterhin anhaltenden Preisverfall aus.


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