Ich bin hin und her gerissen, wie ich dieses Editorial beginnen soll. Sind Disk-Subsysteme am Ende? Na ja, nicht wirklich. Aber in der heutigen Form benötigt man immer mehr Geduld mit seinem Speicherhort. Und vor allem die großen Storage-Hersteller erklären ja seit Jahrzehnten, Band wäre tot. Daran ist nicht zu denken, aber man könnte doch mal den Spieß umdrehen.
Gleichzeitig tut sich in allen Segmentklassen so einiges. Die ersten preiswerten Mini-RAIDs sind standardmäßig mit Replikation ausgestattet. Schnelle Solid-State-Disks (SSDs) verpassen Storage-Einheiten einen regelrechten Turbo-Boost. Dies hat natürlich seinen Preis, aber wer unbedingt höchste Geschwindigkeit benötigt, musste sein Geldsäckel schon immer weit öffnen. Nun ersetzen wenige SSDs viele Spindeln und sparen noch dazu Energie und Kühlleistung.
Die Kritik an aktuellen RAID-Systemen entsteht durch die steigenden Speicherkapazitäten. Fällt ein Laufwerk aus, bewahrt die RAID-Architektur vor einem Datenverlust. Das ist gut, aber bis das neue Drive wieder in den Verbund integriert ist, vergehen zum Teil Tage. Bis Jahresende könnten wir bereits die ersten Festplatten mit drei TByte in den Händen halten. Das Speichermotto lautet schlicht: mehr und schnellerer Speicher. Da sind Rebuild-Zeiten von vielen, vielen Stunden einfach nicht mehr zeitgemäß. Genauso wie Stillstand, dieser ist im Unternehmensalltag immer weniger vorgesehen. Egal ob in einer kleinen oder großen Firma. Ich werde schon fuchsig, wenn mein Rechner nicht schnell genug aus dem Ruhezustand erwacht oder wenn sich auf Grund zu vieler offener Prozesse nicht mal mehr der Mauszeiger bewegen mag. Daher werden auch Wartezeiten wegen Kapazitätserweiterungen immer weniger toleriert.
Wie ich höre, wird in den diversen Entwicklungslabors fleißig an einer Lösung gearbeitet. Konkretes rauslassen will dazu aber noch keiner etwas. Wobei es bereits Ansätze gibt, wie Disk-Systeme künftig aufgebaut sein könnten. IBM setzt in seiner »XIV« auf eine Grid-Architektur und propagiert das dynamische Storage-Zeitalter. Andere sprechen von Scale-Out und wollen das komplette Innenleben eines Arrays virtualisieren.
Ein optimaler Speicher wächst mit den Anforderungen, nagelt den Besitzer nicht auf eine Plattform fest, sondern ist ein flexibles und effizient arbeitendes System. Das Management ist intuitiv, egal wie viele Funktionen zur Verfügung stehen. Zudem werden alle Schnittstellen und Protokolle zuverlässig unterstützt. Ein so genanntes Tiering übernimmt das Array selbständig. Das heißt, Daten werden nach ihrer Wertigkeit und Aktualität auf dem dafür wirtschaftlichsten Datenträger abgelegt. Lesen Sie hierzu unseren Beitrag »Tiered-Storage: verteiltes Speichern«.
Neue Maschinen sollten sich gut mit ihren Vorgängern verstehen und eine Migration nicht zu einer der undankbarsten IT-Aufgaben überhaupt werden lassen. Beachten Sie hier den Artikel »Praxisbeispiel Disk-Subsystem-Migration« der Kollegin Ulrike Rieß.
Okay, wenn ich meine Zeilen so anschaue, tot sind RAIDs sicher nicht. Je nach Anforderung und Anspruch ist die vorhandene Baustelle mehr oder weniger groß. Vielleicht ist der optimale Speicher auch einfach nur ein Mythos, ähnlich dem papierlosen Büro. Was glauben Sie?
Ihr
Karl Fröhlich, Chefredakteur speicherguide.de