17.05.2011 (ubr) Drucken
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EMC: SAS wichtiger Trend auch für die Zukunft der Vmax

speicherguide.de-Interview anlässlich der EMC World in Las Vegas mit Brian Gallagher, President EMC Enterprise Storage Division bei EMC über die Zukunft des Speicherflaggschiffs »VMAX«, über Benchmarks, notwendige Speicher-Tiers und entscheidende Funktionen wie Deduplizierung oder WORM. Flash-Drives und SAS werden eine große Rolle für künftige Systeme spielen. Zudem sieht Gallagher eine Ko-Existenz von iSCSI und FCoE, bis auf weiteres.

Brian Gallagher
Brian Gallagher
Die »VMAX« ist eines der Kernspeichersysteme für EMCs Cloud-Geschäft. Was können Kunden für die Zukunft des Großspeichers erwarten?

Gallagher: Die Vmax wurde im April 2009 vorgestellt und wird in absehbarer Zukunft ein technologisches Update erhalten. Dabei geht es darum, nach wie vor das Beste, was auf dem Markt verfügbar ist, zu integrieren. Sicher wird SAS als Interface kommen, für uns ist aber die Weiterentwicklung der FAST-Funktionalitäten (Fully Automated Storage Tiering, Anm. d. Red.) noch wichtiger. Auch Flash-Drives werden vermehrt zum Einsatz kommen, stets in Abhängigkeit davon, wie schnell sich hier Markt und Preise entwickeln.
EMC überrascht uns mit dem eindeutigen Bekenntnis zu Benchmarks, etwas, was in den letzten zwölf Jahren eher eine »das brauchen wir nicht«-Attitüde beim Hersteller hervorrief. Und wie so oft geht der Speicherriese wieder extra große Schritte und ist aktiv an der Entwicklung eines neuen Standards beteiligt. Man kann hier nun spekulieren, ob EMC die letzten Tests der IBM »DS8700«-Arrays oder des Texas Memory Systems »RamSan-630« beobachtet hat, und deutliche Performance-Vorsprünge bei sich sieht, die nun einfach mal gezeigt werden sollen. Wie toll ist es auch schon, das angeblich leistungsfähigste Speichergerät zu haben, wenn man nicht auch ein wenig damit angeben kann.

Wie wird sich der Einsatz neuer SSDs und SAS-Drives auswirken?

Gallagher: Aufgrund der neuen hochkapazitiven Laufwerke und der Möglichkeit des Tierings steht die Konsolidierung und beste Nutzung der Platten im Vordergrund. Man will und muss nicht mehr tausende Platten in ein System packen – auch wenn das physikalisch machbar ist. Wir überdenken eine »spin-down«-Funktion in der Vmax. Und natürlich werden wir weiterhin an FAST-Funktionen arbeiten, um deren Nutzen zu optimieren.

Sind beim Tiering wirklich drei Speicherklassen notwendig oder kommen IT-Manager nicht besser mit nur zwei Speicherstufen aus?

Gallagher: Mit vermehrtem Einsatz von Flash-Drives in Kombination mit SAS wird man sicherlich auch mit zwei Storage-Tiers auskommen. Derzeit sehen wir allerdings, dass die Kunden effektiv mit drei Storage-Klassen arbeiten, ja nachdem wie ihre Workload-Anforderungen aussehen. Dementsprechend unterstützen wir dies mit FAST.

Wie denkt EMC über die Integration von WORM (Write Once Read Many) oder Deduplizierung – und wenn ja, welche – in der Vmax?

Gallagher: WORM wird sicherlich nicht in absehbarer Zeit integriert werden. Bei der Deduplizierung ist derzeit noch nicht entschieden, ob Data-Domain-Funktionalität oder Avamar implementiert wird. Aber die Deduplizierungsfunktion wird auf jeden Fall in absehbarere Zeit in der Vmax zu finden sein.

EMC hat sich lange von Benchmarks distanziert. Mit Einführung der VNX-Serie wurde diese Haltung überdacht. Gibt es Erwägungen Benchmark-Tests auch mit der Vmax durchzuführen?

Gallagher: Ich denke, dass die SPC-1-Tests ein guter allgemeiner Gradmesser sind. Allerdings zeigen diese Tests nicht, was eine Vmax oder andere Enterprise-Systeme in realen Umgebungen zu leisten vermögen. Dazu gehören Dinge wie Snapshots, Replikation und viele andere. Wir unterstützen derzeit Bestrebungen, gemeinsam mit SPC einen neuen Benchmark-Standard zu erarbeiten, der diese Leistungen widerspiegeln kann. Dieser Standard sollte dann realistischere Resultate liefern, nach denen Kunden ihren Kauf entscheiden können.

Wie beurteilt EMC Fibre-Channel-over-Ethernet? Wird es langfristig iSCSI ablösen?

Gallagher: EMC hat vor kurzem erst die FCoE-Unterstützung in der Vmax angekündigt und Highend-Kunden werden dies sicher nutzen. Wir sehen aber auch ganz klar die Notwendigkeit von iSCSI. Zwar wurden wir belächelt, als wie dieses Interface in die Vmax integrierten, aber für unsere Midrange-Kunden werden wir dies weiterhin anbieten. Letztlich ist nicht entscheidend, an was wir glauben, sondern was der Anwender braucht. Ich persönlich glaube, dass FCoE der richtige Weg ist; der Übergang wird Zeit erfordern.

Kommentar der Redaktion
Brian Gallagher, EMC, Ulrike Riess, speicherguide.de
Brian Gallagher, EMC, Ulrike Riess, speicherguide.de
In der Deduplizierungsfrage lässt sich auch vermuten, dass wohl eher die Inline-Methode von Data Domain den Weg in die Vmax findet. Gerade bei vermehrtem Einsatz von Flash- und SAS-Medien möchte man nicht erst Speicherkapazität belegen und dann die Datenmenge verringern. Aber auch hier müssen wir auf die letztendliche Entscheidung warten.
In Bezug auf die Backplane gab es eine klare Antwort (»Backplanes are a thing oft the past«, Zitat Gallagher): EMC wird weiterhin mit einem »switched Netzwerk« arbeiten, das Platten und Systemintelligenz verbindet. Ob es bei der Verkabelung bei SAS bleiben oder Infiniband wird ließ Gallagher offen.
Gern hätten wir weitere Fragen erörtert, beispielsweise die nach einem kleinen Vmax-Einsteiger-System – VMAXe vielleicht? – oder andere spannende Themen, aber 15 Minuten gehen leider schnell vorbei. Die Redaktion bedankt sich bei Brian Gallagher für das exklusive Interview.

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