Enterprise-Funktionen gehören fast schon zum guten Ton auch bei Disk-Subsystemen im mittleren Segment. Bei der Wahl eines geeigneten Modells entscheiden mittlerweile spezielle Anforderungsprofile und Service-Optionen der Hersteller. Der Trend geht weg von »billig und schnell« hin zu »zuverlässig und strategisch durchdacht«.
von Ulrike Rieß
N-Tec
»rapidNAS DSS848-G-4
Ein IT-Manager auf der Suche nach funktionellen Subsystemen mit Festplatten kann derzeit aus einer erklecklichen Vielzahl wählen. Dabei kann er sich auch für jede beliebige Preisvariante entscheiden. Differenzierungsmerkmale muss der Anwender allerdings meist selber ausmachen, indem er klar definiert, welche Anforderungen die Lösung erfüllen muss. Der Markt reagiert hier mit entsprechenden Service- und Beratungsmöglichkeiten. Hinzu kommen wirtschaftliche Kriterien. Unternehmen, die zuvor mal eben ein paar Plattenstapel erwarben, um Engpässe bei der Kapazität zu verhindern, treffen heute andere Überlegungen. So zählen wieder Qualität, Zuverlässigkeit und Zukunftstauglichkeit, aber ebenso der gebotene Support. Der Trend bewegt sich hier deutlich weg vom Billigprodukt.
Neben Funktionen entscheiden Support und Zuverlässigkeit
Die wirtschaftliche Situation zwingt auch IT-Manager ihre IT-Entscheidungen anders zu treffen als noch vor zwei Jahren. Das zeigt sich in den Kriterien bei der Auswahl eines Disk-Subsystems. Zählten sonst nur Kapazität und günstiger Preis, werden heute differenziertere Überlegungen angestellt. Da sich viele Modelle ähneln, liegt es am Anwender die Tauglichkeit eines Systems über die Festlegung seiner Anforderungen zu identifizieren. Immer entscheidender werden aber auch »weiche Faktoren« wie Service, Support oder Marke des Geräts.
»Jeder kann Boxen verkaufen, aber in diesem Umfeld geht es mit einer fundierten Beratung vor dem Kauf los und endet beim Support nach dem Kauf«, sagt Bernd Widmaier, Vertriebsleiter bei Starline Computer »Wir sind seit über 26 Jahren im Geschäft und bieten für alle Anforderungen die passende Lösung sowie eine Ersatzteilversorgung an, die weit über die Garantiezeit hinausgeht. Ich denke das ist entscheidend: ein kompetenter Ansprechpartner und eine neutrale Beratung, die wirklich lösungsorientiert ist.«
»Selbstverständlich gibt es wie bei vielen technischen Produkten Unterschiede in Leistung, Qualität und Preis«, erklärt Arndt Müller, Product Manager Network Storage bei Sun Microsystems. »Besonders wichtig ist der Service für ein Disk-Array. Hier macht der Anwender sicher keinen Fehler, wenn er sein neues System bei einem der namhaften Markenhersteller kauft. Kleinere unbekannte Anbieter haben meistens Schwierigkeiten eine gute Service-Qualität flächendeckend zur Verfügung zu stellen.«
Die Zukunftstauglichkeit eines Produkts ist ebenso wichtig, allerdings gilt dies nicht mehr nur für die Skalierbarkeit oder Kompatibilität der Technik. Auch der Hersteller muss Vertrauen beim Kunden gewinnen, um mit seinem Angebot zu punkten. »Stellen wir uns einen Kunden vor, der jetzt in ein Disk-System investiert und am Ende des Jahres ohne den Speichersteller vor einem Problem steht«, betont Ralf Colbus, Storage Evangelist bei IBM. »Dies wird ein zusätzliches Kriterium bei der Wahl des Speicher- und Disk-Herstellers werden. Ein weiteres Kriterium ist der Lösungsansatz. Nur der Hersteller, der ganzheitlich alle Speicherbereiche abdecken kann, hat ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal. Das »Featurecode«-Spiel – extremes Augenmerk auf die Ausstattungsliste der Systeme zu legen – wird hier immer unwichtiger. Der ganzheitliche Ansatz muss stimmen. Unser Unternehmen trägt dem durch das Konzept Dynamic-Infrastructure Rechnung.«
»Gerade in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird es durch Insolvenzen und Fusionen eine Marktbereinigung bei den Speicheranbietern geben«, erläutert Guido Klenner, Senior Business Manager Online Storage bei Hewlett-Packard. »Unterschiede zwischen den Lösungen der verschiedenen Hersteller ergeben sich zum einen bei den Funktionen, zum Beispiel die Virtualisierung bei den Systemen StorageWorks Enterprise Virtual Array (EVA) oder die LeftHand-Technologie. Zum anderen differenzieren sich die Anbieter durch Service und Support. Für den Kunden wird es darauf ankommen, für Disk-Arrays auch Service und Support für mindestens drei Jahre zu bekommen. Bei uns kann er sicher sein, dass dies gewährleistet ist.«
Eurostor »ES-8200«
Generell wird deutlich, dass das Gesamtbild stimmen muss. Selbst ein Subsystem muss nun in strategische Planungen passen und nicht nur günstig sein. »Wie in vielen anderen Lebensbereichen auch gibt es hier Discounter und Gourmet-Anbieter«, meint
Mario Vosschmidt,
Alliance Manager bei
LSI. »Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass das eingesetzte Speichersystem den Aufgaben gerecht wird, und genau diese Qualität ist wichtig. Billig ist eben nicht immer auch preiswert. Entscheidend dürfte die Gesamtschau aller Faktoren sein: Leistung, Serviceumfang, Verfügbarkeit – auch garantierte Reparaturzeiten –, Administrationskosten und Preis. Im Übrigen sehen wir auch in diesem Markt eine stetige Konsolidierung von Anbietern.«
Dabei gewährleistet die mittlerweile hohe Funktionalität der Disk-Subsysteme, dass sie sich strategisch einsetzen lassen. »Die Unternehmen haben heute mehr denn je einen hohen Anspruch an die Qualität und wollen daher mit Technologie- und Marktführern arbeiten«, betont Andreas Faltinek, Director PreSales and Core Sales Strategy bei HDS. »Hier zählen vor allem Vertrauen, Beratung und Service sowie Erfahrung. Neben der Qualität zählen die Kosten, wobei sich Virtualisierung als probates Mittel zur Kostensenkung erwiesen hat. Es bedarf jedoch der richtigen Strategie – und hier sehen wir für unseren Ansatz ein Alleinstellungsmerkmal. Auch bereits installierte und noch in den Büchern befindliche ältere Systeme anderer Hersteller sollten mit einer modernen Lösung virtualisiert werden können, um neben der reinen Kostensenkung durch mehr Auslastung etwa SLAs besser einhalten zu können und Ausfallzeit zu vermeiden. Einfaches Austauschen ist heutzutage keine Antwort mehr – sowohl was die Kosten als auch was die Umwelt angeht. Virtualisierung ist aber nur der Weg, nicht das Ziel – das muss eine dynamische Speicherinfrastruktur sein, die den höchsten Wirkungsgrad erreicht. Um dieses Ziel zu erreichen, sind weitere Bausteine wie Tiered-Storage und Dynamic-Provisioning von Bedeutung.«
Es kristallisiert sich heraus, dass der Anwender bei der Wahl viel mehr in der Verantwortung steht und eben auf mehr als die Hardware und die Funktionen achten muss. Dann lassen sich auch entsprechende Unterschiede bei den derzeitigen Angeboten finden. »Segmentiert man den Markt der Disk-Array-Anbieter, werden durchaus Unterschiede deutlich«, sagt Axel Lüdecke, Key Account Manager bei Bell Microproducts. »Differenzieren lässt sich dabei zwischen unterschiedlichen Zugriffsarten (File-Access, NAS oder DAS/SAN/iSCSI), der Nutzung (Consumer oder kommerziell) und der Art des Systems (einzeln oder modular/skalierbar). Bei der Entscheidung für oder gegen eine Lösung spielen Faktoren wie die Kompatibilität in bestimmten Umgebungen, hier zum Beispiel VMware, und der verfügbare Service eine wichtige Rolle. Nicht jeder Hersteller kann bei allen gestellten Anforderungen punkten. Ebenso wichtig sind Kapazität, Leistung, Funktionen und die Anschlusstechnologien wie iSCSI, Gbit-Ethernet oder FC. Nach dieser Vorauswahl sieht man sich sehr schnell nur noch einer Handvoll Herstellern gegenüber, die die gewünschten Anforderungen tatsächlich bieten.«
Software entscheidend für Funktionalität, aber die Hardware muss passen
Die eingesetzte Software macht letztlich aus einem »dummen« Plattenstapel ein »intelligentes« Disk-System. Allerdings wäre es trügerisch nur auf das Software-Tool zu setzen und die Hardware außer Acht zu lassen. »Ohne einwandfrei funktionierende Hardware nützt mir die beste Software nichts«, sagt Peter Borowski, Inhaber von Gruppemedia. »Alle verwendeten Komponenten wie Gehäuse, Lüfter, Netzteile, Festplatten und Software müssen korrekt miteinander harmonieren. Dies spricht eindeutig für eine Appliance.«
»Komplexe Software-Aufgaben brauchen eine entsprechende Rechenleistung«, meint auch HP-Experte Klenner. »Diese liegt bei Arrays in den Controllern. Würde diese Software zusätzlich auf den Applikations-Servern laufen, würde dies die Performance sehr einschränken. Neue Lösungen wie die Lefthand-Angebote unseres Unternehmens nutzen allerdings den Appliance-Ansatz, um Standard-Server und Plattenspeicher mit mehreren Festplatten ohne RAID-Controller – also JBODs – zu einer intelligenten, flexiblen und skalierbaren Lösung aufzubauen.« Nur auf Software zu bauen, könnte Probleme nach sich ziehen. »Eine reine Softwarelösung zu kaufen birgt immer das Risiko der Inkompatibilität«, erläutert Peter Trosien, Leitung Einkauf und Produkt Management bei Pyramid Computer »Nur eine Appliance ist vom Hersteller auf eine perfekte Zusammenarbeit optimiert.«
Promise »VessRAID 1840s«
Grundsätzlich kann der Administrator natürlich eine reine Software-Lösung wählen, mit der er ein simples Plattensystem funktionell verbessert. Vorausschauend muss er aber seine Anforderungen und künftige Entwicklungen in der IT mit ins Kalkül ziehen, sonst könnte diese günstige Lösung teure Folgen haben. Fehlt es nämlich später an Performance oder Skalierbarkeit, so kommt er nicht um eine kostspielige Erweiterung oder die zusätzliche Anschaffung geeigneter Hardware oder Appliances herum.
»Es muss abgewogen werden, was an Funktionalität gewünscht ist«, meint Lüdecke. »Software-Lösungen in Form einer Appliance haben den Vorteil, dass sie meist mit einer hohen Funktionsvielfalt ausgestattet sind. Allerdings muss der IT-Verantwortliche berücksichtigen, dass dadurch auch zusätzlich Hardware-Komponenten wie Server nötig sind, die direkt im Datenpfad liegen und dadurch entsprechende Leistungsmerkmale aufweisen müssen. Durch Appliances erhöht sich auch die Komplexität etwas, da eine andere Bedienungsschnittstelle nötig ist. Zudem sind hochperformante Server nicht gerade die kostengünstigste Alternative gegenüber eingebauten und intelligenten RAID-Systemen. Dies ist speziell dann der Fall, wenn diese Appliances auch noch wegen Hochverfügbarkeit eine Cluster-Konfiguration verlangen. Viele Standardfunktionen bieten die Hersteller aber auch schon direkt auf ihren Controllern an – unter der gleichen Benutzerschnittstelle und ohne zusätzlich erforderliche Hardware.«
»In der Tat sind zahlreiche Funktionen wie etwa Virtualisierung oder Information-Mobility auch in den Systemen von HDS letztlich durch Software realisiert, wobei unsere intelligente Software optimal und hochperformant an die von uns entwickelte Hardware angepasst ist«, sagt HDS-Manager Faltinek. »Reine Softwarelösungen sind jedoch immer langsamer als Hardware, deshalb übernimmt die Hardware alle notwendigen, immer wiederkehrenden Funktionen. Man muss sich auch sehr genau anschauen, auf welcher Plattform diese Software laufen soll. Spezialisierte Systeme wie USP V/VM oder die AMS-Serie verfügen über eine außerordentlich hohe Leistungsfähigkeit, wie sie mit konventionellen Servern nicht oder nur mit extrem hohem Aufwand zu erreichen wäre. Skalierbarkeit ist eines der Stichworte.«
Technische Zukunft bringt hohe Funktionalität und Einfachheit
Der technische Trend bei Disk-Subsystemen geht unverändert in Richtung auf mehr Funktionalität. Aber auch bei der Hardware sind weitere Steigerungen zu finden. So wird es vermehrt zum Einsatz der leistungsstarken SAS-Technologie kommen, sei es im Festplatten- oder Anbindungsbereich. Somit lässt sich auch bei kostengünstigen Systemen ein hoher Datentransfer erreichen. Darüber hinaus spielt mit fallenden Preisen die SSD-Technologie eine größere Rolle, was wiederum den Einsatz von Subsystemen ändern könnte.
»Ein erhöhter Einsatz von SSDs kann auf Grund der deutlich höheren Leistungsfähigkeit dazu führen, dass Grid-Architekturen bei Speichersubsystemen immer mehr an Bedeutung gewinnen«, meint Oliver Leisering, Practice Leader Information Management & Storage Solutions bei Computacenter. »Die wichtigsten Vorteile von SSDs liegen vor allem in der Performance und im Stromverbrauch.« Hier eignen sich auch Mischkonfigurationen mit SAS- oder SATA-Platten, die ein vernünftiges Preis/Leistungs-Verhältnis schaffen. Darüber hinaus drängen technische Optionen wie Fibre-Channel over Ethernet und 10-Gbit/s-Ethernet in den Markt.
Im Bereich sinnvoller Verfahren, die zudem Einsparpotenzial oder Konsolidierung schaffen können, stehen Thin-Provisioning, Deduplizierung, Virtualisierung, Tiered-Storage sowie Replikationsmethoden und Hochverfügbarkeit hoch im Trend und werden sich auch vermehrt in Disk-Subsystemen finden.
»Neben dem reinen Bereitstellen von Speicherplatz über multiple Protokolle sind mittlerweile Funktionen wie synchrone und asynchrone Spiegelung, applikationskonsistene Snapshots und Clones neuester Standard«, erläutert Martin Falk, Consultant bei TIM. »Vor allem legen die Speicherhersteller großen Wert auf die Applikationsintegration und die Zusammenarbeit ihrer Systeme mit Virtualisierungslösungen wie VMWare oder Hyper-V.«
»Gerade in der aktuellen Wirtschaftssituation erkennen wir einen klaren Trend zu Systemen, die flexibel in den verschiedenen Speicherstrukturen eingesetzt werden können«, sagt Borowski. »Unsere Systeme unterstützten iSCSI, NAS und Fibre-Channel und tragen somit zur Speicherkonsolidierung bei. Der Anwender benötigt nicht drei verschiedene Systeme, sondern kann dies mit einem Speichersystem erreichen. Dies senkt deutlich die Kosten und vereinfacht die Administration erheblich.«
Letztlich ist selbst eine Differenzierung zwischen dem mittleren und dem oberen Marktsegment diffizil, da diese beiden Welten weiter zusammenrücken. »Die Trennung von Midrange und Enterprise ist willkürlich«, sagt LSI-Spezialist Vosschmidt. »Im Allgemeinen werden Enterprise-Systeme so charakterisiert, dass sie einen hohen Funktionsumfang aufweisen, meist verbunden mit der Möglichkeit, Mainframes anzuschließen. Midrange-Technologie erreicht mittlerweile eine Größenordnung bei der Leistung, die nur noch durch die Anzahl der verbaubaren Festplatten beschränkt ist. Funktional haben viele Midrange-Anbieter in irgendeiner Form Virtualisierungslösungen im Angebot, um die vielfältigen Funktionsmerkmale, die es früher nur in High-End-Lösungen gab, abzubilden. Über alles gerechnet dürfte sich dann jedoch der Preisunterschied nicht mehr so drastisch darstellen. Die Entscheidung modular versus monolithisch hängt im Wesentlichen von der Dynamik der IT-Anforderungen beim Anwender ab.« Andere Anbieter sehen diesen Trend ebenso. »Wir beobachten, dass Enterprise-Funktionalitäten tendenziell immer mehr in Midrange-Systemen angeboten werden«, sagt auch Leisering. »Zudem zeichnet sich sehr deutlich ein Trend zu Grid-Storage im Markt ab, das immer mehr an Bedeutung gewinnt.«
Gleichzeitig zur hohen Funktionalisierung sollen die Modelle immer einfacher zu implementieren und verwalten sein. Ein Spagat, der seitens der Hersteller sicher nicht einfach zu erfüllen ist und auf jeden Fall umfassende Service- und Beratungsoptionen zur Untermauerung benötigt. Dafür muss sich der Markt nicht am Enterprise-Segment ausrichten, sondern auf eigene Stärken besinnen.
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