Durch neue physikalische und chemische Technologien steigt die Speicherdichten von Festplatten, Bändern und optischen Medien an. Diese Entwicklung ist jedoch nicht unproblematisch. Die Datenträger werden immer empfindlicher gegenüber Handhabungsfehlern oder unsachgemäßer Lagerung.
von Siegfried Dannehl
Während es den Forschern gelingt elektronische Daten in Form magnetischer oder optischer Markierungen immer dichter auf diverse Speichermedien zu schreiben, haben sich die realen Arbeitsbedingungen an einem IT-Arbeitsplatzes seit den Kindertagen der EDV kaum verändert. Moderne Speicherkomponenten sind heute den gleichen Umweltbedingungen und möglicherweise sogar stärkeren Gebrauchsbelastungen ausgesetzt als vor vierzig Jahren. Die Größe von Staubpartikeln oder die Rückstände von Fingerabdrücken haben sich im Laufe der Zeit ebenso wenig geändert wie die Länge oder Tiefe von Kratzern, die entstehen, wenn eine CD oder DVD über die Tischplatte geschoben wird. Erschwerend hinzu kommt der verstärkte mobile Einsatz von Datenträgern. Parallel zur immer höheren Speicherdichte sind die Auswirkungen von Verschmutzungen oder Beschädigungen der Speicherschicht, wie sie im täglichen Gebrauch – verstärkt aber durch unsachgemäße Handhabung – entstehen, kontinuierlich gewachsen.
Geld gespart – Sicherheit reduziert
Risiken, denen sich die Hersteller von Speichermedien durchaus bewusst sind. Davon zeugen die Entwicklung neuer leistungsstarker Fehlerkorrektur-Verfahren genauso wie komplett gekapselte Magnetband-Cartridges oder so genannte »Hard Coat Protection«-CD- und DVD-Beschichtungen, die Kratzspuren deutlich reduzieren sollen. Gebremst wird der Entwicklungseifer der Speicherhersteller allerdings durch den IT-Anwender, der neben immer mehr Kapazität immer günstigere Preise und eine einfache und bequeme Handhabung fordert. Ein Trend, der nicht nur im Consumer-Markt sondern genauso im Bereich der Unternehmensanwendungen festzustellen ist. Hier finden verstärkt handelsübliche DVDs Anwendung, die – insbesondere wenn sie von Billigherstellern produziert worden sind – vielfältige Sicherheitsrisiken bergen.
Mangels Nachfrage nahezu vollständig vom Markt verschwunden ist die, nach Ansicht vieler Experten, wohl sicherste Speichertechnologie überhaupt, die magneto-optische Platte (MO). Die für professionelle IT-Anwendungen konzipierte, aufwendig gekapselte Blaulicht-Lasertechnologie »Professional Disk for Data« (PDD) konnte sich auf Grund ihres Preis- Leistungsverhältnisses nicht durchsetzen und wurde von Sony vom Markt genommen. Den (wenigen) Anwendern wurde nahegelegt, auf die ungekapselte, preiswertere und für den Consumer-Markt entwickelte Blu-Ray-Technologie umzusteigen. Ein Nischendasein fristen seit Jahren die ebenfalls hochkapazitiven, in staubdichte Cartridges verpackten, optischen UDO-Medien (»Ultra Density Optical«) von Plasmon. Dies veranlasste den bisher wichtigsten OEM-Partner Hewlett-Packard Mitte 2006 dazu, sein Geschäft mit optischen Jukeboxen einzustellen.
Bild: Verbatim
Die Lebenserwartung optischer UDO-Medien ist höher als die klassischer Magnetbänder. Mit einer Haltbarkeit von mehr als 50 Jahren bei büroüblichen Lagerbedingungen liegt die von Plasmon angegebene Lebenserwartung der auf Phase-Change-Technologie basierenden Speicherscheiben allerdings unter dem für hochwertige CD- und DVD-Medien angegebenen Spitzenwert von 70 Jahren. Ein Umstand, den
Steve Tongish,
Marketing Direktor bei Plasmon, ausschließlich den deutlich strengeren Testmethoden seines Unternehmens zuschreibt. »In der Praxis kann es sehr schwer sein die von CD/DVD-Anbietern angegebenen Lebenserwartungswerte mit denen von UDO zu vergleichen, da Testmethoden und -bedingungen oft sehr unterschiedlich sind. Plasmons strenge Arrhenius-Testmethode für UDO weist eine sehr konservative Lebensdauer von mehr als 50 Jahren nach; dies liegt weit über jedem normalen Datenmigrationszyklus (
siehe auch Plasmon-Artikel >>).«
Das praktische Risiko bei CDs und DVDs ist die Qualität der Medien. UDO wird von zwei, auf den professionellen Speichermarkt spezialisierten, Qualitätsunternehmen (Plasmon und Verbatim) produziert. »CDs und DVDs hingegen werden von einer Vielzahl von Herstellern gefertigt, die alle sehr unterschiedliche Fertigungsnormen anlegen«, moniert Tongish. »Es gibt sowohl sehr hochwertige CDs und DVDs als auch sehr minderwertige, die eine extrem kurze Lebensdauer bieten. Wenn Unternehmen Consumer-CDs oder -DVDs für die Langzeitspeicherung wertvoller Geschäftsinformationen einsetzen wollen, sollten sie sich sehr genau über die Qualität der gekauften Medien im Klaren sein.«
Eine weitere falsche Auffassung besteht laut Tongish bei der relativen Lebensdauer von optischen Medien, die auf blauem Laser basieren. »Es ist vollkommen falsch anzunehmen, dass die höhere Dichte der Blue-Laser-Medien zu einer geringeren Lebensdauer führt«, erklärt der Plasmon-Manager. »Sollte dieses wahr sein, so müssten Blue-Laser-Medien an sich weniger stabil sein, was durchaus nicht der Fall ist. Hochwertige Blue-Laser-Medien können sehr leicht eine Lebensdauer erreichen, die der von auf rotem Laser basierenden Medientechnologie entspricht.«
Bild: speicherguide.de
Das Ergebnis sind kalkulierte Medienhaltbarkeiten, die in Einzelfällen mit mehr als 300 Jahren spezifiziert sind. Angaben, die Purrio für »mehr als wagemutig« hält. »Unabhängig davon, wie intensiv getestet wird, immer dann, wenn Chemie im Spiel ist, kann es zu Effekten kommen, die selbst bei sorgfältigsten Tests nur schwerlich vorhersehbar sind«, erklärt Purrio. »Der Vertrauensbereich, den wir um unsere Messergebnisse ziehen, ist deshalb relativ groß und veranlasst uns die Haltbarkeit unserer Medien mit 30 bis 50 Jahren anzugeben.« Ein Zeitraum, den Purrio für mehr als ausreichend hält, da Technologiewechsel eine Datenmigration nach fünf bis zehn Jahren üblicherweise unausweichlich machen.
Nicht nur in punkto Langzeithaltbarkeit, auch wenn es um den Medienschutz im täglichen Gebrauch geht, haben namhafte Medienhersteller inzwischen ihre Hausaufgaben gemacht. »Hard Coat Protection« heißt eine neue Schutzbeschichtung, mit der insbesondere hochkapazitive optische Medien besser als bisher gegen Kratzer geschützt werden sollen. »Bei CDs benötigt man diese Technologie nicht unbedingt, bei DVDs ist es angeraten Medien mit diesem Schutz einzusetzen, bei Blaulichtlaser-Technologien, insbesondere bei Blu-Ray-Produkten wo die Aufzeichnungsschicht sehr dicht an der Medienoberfläche liegt, ist der Einsatz von Hard-Coat-Protection unverzichtbar«, empfiehlt Purrio.
Mehr Daten – mehr Verantwortung
Grafik: InPhase Technologies
Während sich im Disk-Umfeld das Risiko beim Einsatz hochkapazitiver und trotzdem preiswerter Laufwerke (SATA) durch redundante Datenhaltung (RAID-Systeme, Replikation, Spiegelung) eindämmen lässt, sind diesbezüglichen Maßnahmen bei Magnetbändern und optischen Platten enge Grenzen gesetzt. Hinter der Zukunft hochkapazitiver Tapes und optischer Speichertechnologien steht daher ein mehr oder minder großes Fragezeichen. Die Preisentwicklung bei Festplatten und Flash-Speichern einerseits, andererseits aber auch die Tauglichkeit und Akzeptanz zukünftiger Speichertechnologien wie beispielsweise Near-Field-Recording, sind Faktoren, die eine langfristige Prognose nach Einschätzung von Imation-Manager Purrio schwierig machen: »Im Consumer-Umfeld werden optische Speicher als Medium zur Datendistribution wohl auch mittel- und langfristig Sinn machen, im Unternehmensumfeld, wo die weltweite Vernetzung immer weiter voranschreitet, wird ihre Relevanz voraussichtlich eher abnehmen.« Doch ganz egal für welche Speichertechnologie sich Anwender und Unternehmen entscheiden, die wachsende Datenmenge sowie deren steigende Relevanz, bürden dem Nutzer mehr Verantwortung für die Integrität seiner Daten auf als in der Vergangenheit.
»Es kommen höhere Ansprüche auf den Kunden zu, sowohl wenn es um die Auswahl der passenden Speichertechnologie – beispielsweise im Hinblick auf deren Langzeithaltbarkeit – geht, als auch im Hinblick auf die Handhabung der Medien im täglichen Betrieb«, prognostiziert Purrio. Bleibt abzuwarten, ob die Speicherbranche analog zur Pharmabranche ihre Produkte zukünftig mit dem Aufdruck »Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Spezifikation« versieht.
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