Marktübersicht SATA-RAID-Systeme
Das Haupteinsatzgebiet von SATA-Arrays ist der Sekundärspeicher, zum Beispiel als Disk-Backup. Grund dafür ist das gute Preis/Kapazitäts-Verhältnis. Für die Speicherung von Produktivdaten empfiehlt es sich, mit einem Höchstmaß an Sicherheitsfunktionen zu arbeiten.
von Karl Fröhlich

Marktübersicht:
»SATA-RAID-Systeme«
Disk-Arrays auf Basis günstiger Desktop-Festplatten mit SATA-Schnittstelle sind die Speicherlieblinge kleiner und mittlerer Unternehmen. Dies liegt vor allem an dem vermeintlich guten Preis/Leistungs-Verhältnis. Im Vergleich zu SAS- bzw. FC-Subsystemen bieten SATA-RAIDs hohe Speicherkapazitäten für relativ wenig Geld. Dieser Trend hält nach wie vor an, massive Preissenkungen bei SAS- oder FC-Systemen sind nicht in Sicht.
Das Gros der derzeit angebotenen Produkte erreicht mit acht, zwölf oder 16 Festplatten eine Bruttokapazität von acht bis 15 TByte. Einige Hersteller, zum Beispiel easyRAID, EUROstor oder Infortrend bieten auch Geräte an mit Kapazitäten bis 24 TByte. Die Nettopreise schwanken je nach Ausstattung und beginnen bei rund 3.000 Euro. Der Einstiegsbereich beginnt bei Produkten, die mit vier Laufwerken ein Speichervolumen von vier TByte bieten. Ab dem zweiten Quartal 2009 kommen vermehrt 1,5- und später im Jahr 2-TByte-Laufwerke zum Einsatz. Mit vier davon lassen sich dann bereits sechs bzw. acht TByte darstellen.
An die Zukunft denken, Datenwachstum einkalkulieren
In der Regel lassen sich nur die großen Enterprise-Systeme weiter skalieren. Daher sollten IT-Entscheider ein mögliches Wachstum einkalkulieren. Disk-Arrays mit zwölf, 16 oder 24 Laufwerkseinschüben müssen nicht in einer Vollausstattung erworben werden. IT-Manager können mit wenigen Laufwerken beginnen und später bei Bedarf nachrüsten. Hier sollten Unternehmen darauf achten, dass eine Online-Kapazitätserweiterung möglich ist, damit es nicht zu Ausfallzeiten kommt. Die meisten Systeme ab zwölf Einschüben bieten diese Option. Eine Ausnahme bilden zum Teil Produkte von easyRAID und Sun.
Kriterien für ein gutes Disk-Array
Bei der Beurteilung eines neuen RAID-Systems schaut Marco Poggioli, Product Manager Storage bei Transtec zuerst genau auf die Architektur des Controllers und die I/O-Busstruktur, um das Leistungspotenzial einzuschätzen: »Zu hinterfragen ist: Welche Embedded-Prozessoren wurden verwendet? Gibt es Hardware-Engines für die RAID-Berechnungen? Über wie viele Busse sind Festplatten, Cache und Host-Schnittstellen angebunden? In den oberflächlichen Leistungsmerkmalen sind viele RAID-Systeme heute vergleichbar. Die feinen aber wichtigen Unterscheidungs- und Leistungsmerkmale von Controllern und Management-Software findet man dann häufig nicht in den Marketingprospekten und Datenblättern, sondern gut verteilt in den Handbüchern. Damit die höhere Fehlerrate von SATA-Festplatten nicht zum Datenverlust führt, ist dieses Kleingedruckte aber enorm wichtig.«
Hinzukommen für Poggioli folgende Eckpunkte:
 | Können Festplatten-Schreibvorgänge zum Beispiel verifiziert und Write-Holes verhindert werden? |
 | Kann der Festplatten-Cache deaktiviert werden, wenn keine USV vorhanden ist? |
 | Werden ausfallgefährdete Festplatten durch individuell einstellbare Grenzwerte in den SMART-Parametern automatisch aussortiert? |
 | Können Rebuild-Vorgänge priorisiert werden und hat das System genügend Leistungsressourcen dafür? |
 | Sind Background-Checks über Scheduler periodisch zu lastarmen Zeiten automatisch durchführbar? |
 | Wo werden Systeminformationen abgelegt - im Controller (nicht servicefreundlich), auf allen Festplatten oder im schlimmsten Fall schön verteilt auf beiden? |
 | Wird Disk-Roaming unterstützt, kann ich meine Festplatten also bei einem Systemwechsel einfach mitnehmen? |
 | Welche Energiespar- oder speziellen Performance-Modi werden unterstützt? |
Höchste Sicherheitsstufe für Produktivdaten
Es gibt zwar SATA-Disks, die auf Grund ihres Namens oder in den Verkaufsprospekten Dauerläufer-Qualitäten versprechen, aber es bleibt dabei: SATA-Festplatten sind zunächst für den Einsatz in Arbeitsplatzrechnern ausgelegt. Das heißt, es muss generell mit einer deutlich höheren Ausfallrate gerechnet werden als beispielsweise bei SAS- oder FC-Arrays. Spezielle Modelle mit dem Zusatz »Enterprise« oder »RAID-Edition« führen mittlerweile alle Produzenten. Diese dürfen 24 Stunden unter Strom stehen, können mit Vibrationen umgehen und melden sich durch ein modifiziertes Timing-Verfahren nicht einfach ab. Die Duty-Cycle-Rate reicht aber trotzdem nicht an SAS- bzw. FC-Laufwerke heran.
Als Sekundärspeicher oder für das Disk-Backup sind SATA-Systeme die wirtschaftlich beste Lösung. Wer allerdings seine Produktivdaten darauf ablegt, geht ein Risiko ein. Ein RAID-Verbund oder gar die Möglichkeit, verschiedene RAID-Sets innerhalb eines Systems einzurichten, schützen vor dem Ausfall einer Festplatte. Häufig werden in Arrays Laufwerke aus derselben Produktionscharge verwendet, die unter identischen Belastungsbedingungen dann auch durchaus zur gleichen Zeit ausfallen können. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario ist nicht abwegig. Eine nicht funktionierende Disk lässt sich leicht verschmerzen, allerdings kann bei heutigen Kapazitäten von bis zu ein TByte pro Drive die Zeit, in der das neue Laufwerk wieder ins RAID eingebunden wird (Rebuilt), viele Stunden dauern. Während dieses Vorgangs ist das System anfällig. Fällt eine weitere Platte aus, sind die Daten weg.
Wer seine Produktivdaten also einem SATA-RAID anvertraut, muss sich vor dem Ausfall mehrerer Festplatten schützen. Das heißt, er benötigt RAID 6. Zudem sollte ein Hot-Spare-Drive eingerichtet sein, womit bei Bedarf eine defekte Festplatte automatisch ersetzt und ins System eingebunden wird. Beide Funktionen gehören daher neben der benötigten Kapazität zum Kaufkriterium Nummer eins. RAID 6 hat sich mittlerweile als Standardausstattung etabliert.
Redundanz und Hotswap-Fähigkeit beugen Stillstandzeiten vor
Die redundante und hotswapfähige Auslegung der Lüfter, Festplatten und Stromversorgung gehört auch für günstige Speichergeräte zur Standardausstattung. Höherwertige Systeme wie IBMs »XIV« sowie einige Modelle von Eurostor und Infortrend arbeiten zudem mit redundanten RAID-Controllern, die sich im laufenden Betrieb austauschen lassen. Diese Redundanzen erhöhen die Datensicherheit um ein Vielfaches und verhindern Ausfallzeiten. Wenn die Cache-Controller auch noch batteriegepuffert sind, ist ein Optimum an Sicherheit zum Greifen nahe.
Service ist besser geworden
In den Leistungsumfang des Kaufpreises sollte auch der Service einkalkuliert werden. Sicherheitsfunktionen und längere Garantiezeiten sind bei sonst identischen Angeboten die Ausschlag gebenden Kriterien. Eine dreijährige Herstellergarantie ist mittlerweile Standard. Eine zweijährige Garantie wie von Cristie, Easyraid, NASdeluxe, Gruppemedia, N-TEC, QNAP und Qsan gilt nur noch als durchschnittlich.
Optionale Leistungen finden sich bei der Mehrheit der Anbieter. Hier sollte der Anwender auf Vor-Ort-Service, Austausch-Möglichkeiten und Reaktionszeiten achten. Wer hier genauer hinschaut, erspart sich ungewollte Überraschungen bei einem Systemausfall. Wer auf Telefon-Support Wert legt, muss prüfen, ob er in deutscher Sprache und vielleicht zum Nulltarif oder zumindest zu Sonderpreisen angeboten wird.
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