30.04.2009 (eh) Drucken

Bänder werden zunehmend archivtauglich

»Tape ist tot« gilt nicht mehr. Im Gegenteil: Mit dem zunehmenden Trend hin zu Compliance wird ein kostengünstiges Archivmedium benötigt – und da wird wieder auf das Band zurückgegriffen. Vor allem LTO scheint hier erste Wahl zu sein, da hinter der Technologie große Unternehmen stehen.

von Engelbert Hörmannsdorfer

Backup ist auch nicht mehr das, was es noch vor Jahren war. Viele neue Technologien wie Virtual-Tape-Librarys (VTLs), Disk-to-Disk-Backup, Business-Continuity, Disaster-Recovery, Deduplikation oder Continuous-Data-Protection (CDP) machen dem Storage-Administrator das Leben eigentlich zunehmend leichter. Aber noch nicht alle Anwender erkennen die Vorteile der neuen Backup-Möglichkeiten.

Neuerdings mischt sich auch noch der Archivierungsgedanke nebst Compliance unter die Begrifflichkeiten. Gesetzliche Aufbewahrungsfristen wie GDPdU (Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen) können dazu verleiten, Archivierung und Backup gleich in einen Topf zu werfen. Bekommt das Band als Archivmedium somit neues Leben eingehaucht? Und wird das klassische Backup neuerdings mit günstigen Backup-to-Disk-Systemen abgewickelt?

»Dass Tape vollständig durch Festplatten ersetzt wird, wird bei den meisten Kunden nicht passieren, da das Tape weiterhin das sicherste, energieeffizienteste und kostengünstigste Medium ist, was auch leicht ausgelagert werden kann«, betont Gernot Alexander, Produktmanager HP Commercial Storage bei Hewlett-Packard. »Die Anzahl an unterschiedlichen Bandtechnologien wird sich aber voraussichtlich noch verringern, was auch der Trend der letzten Jahre schon zeigt (LTO und DAT haben sich von den anderen Markttechnologien deutlich abgesetzt). Dies ist ein Trend, der dem Thema Archivierung geschuldet ist, denn hier sollten die Kunden auf Technologien setzen, die auch noch in mehr als zehn Jahren voraussichtlich verfügbar sind.« Nach Erkenntnissen des HP-Managers passiert es schon häufiger, dass die Daten im Backup-Zyklus erst auf Festplatten gesichert (inkrementelle und Voll-Sicherungen werden durch Deduplizierung platztechnisch effizient) und dann nach einer vorgegebenen Zeit ausgelagert werden: »Gerade die kleinen und mittleren Kunden machen keine Trennung von Backup und Archivierung, so dass das Band hier beide Funktionen erfüllen muss.«

Tape wird zum dominierenden Archivmedium

Den Trend zum Bandarchiv erkennt man auch ganz klar beim Storage-Distributor Topmedia Storage Solutions. »In der Tat wird Tape endlich zum dominierenden Archivmedium und löst die optischen Medien hier schrittweise ab«, erklärt der Geschäftsführer Carsten Hinz. »Nach wie vor ist Tape aber ein solider Bestandteil eines Backups und immer noch nicht tot, auch wenn es jedes Jahr aufs Neue stirbt…«

Laut Georg Moosreiner sprechen ganz pragmatische Gründe für das Band: »Große Datenmengen mit langen Aufbewahrungsfristen, z.B. ein Full-Recovery eines kompletten Rechners, sind besser auf einem Magnetband gespeichert«, sagt der Vorstand bei SEP. »Die Möglichkeit der externen Lagerung von Medien spricht ebenfalls für Bänder. Eine Archivierung ohne Bänder ist nicht denkbar – hier war und ist das Magnetband die richtige Wahl.«

Im Hause Overland Storage verweist man darauf, dass bei moderner Hardware ein Kunde sogar Synergien nutzen kann. »Tape-Library-Produkte wie NEO E-Serie und ArcVault 48 von Overland arbeiten mit Partitionierung«, erläutert Thomas Störr, Sales Director Central Europe bei dem Library-Hersteller. »So lässt sich einfach ein Teil der Library für das Backup und ein anderer Teil für die Archivierung verwenden und von der jeweiligen Software ansprechen.« Allerdings glaubt Störr, dass »Archivierung auch künftig ein spezieller Markt mit spezieller Software sein wird«.

Tertiärspeicher für die Langzeitspeicherung

»Es ist richtig, dass die Bandlaufwerke zunehmend hinter Backup-to-Disk-Implementierungen als Tertiärspeicher für die Langzeitspeicherung zum Einsatz kommen«, erkennt auch Bernd Loskamp, Geschäftsführer bei Syncsort, als Trend. Deswegen hat sich das Softwarehaus bereits mit Produkten darauf eingestellt. »Syncsort hat auch für das Spezialgebiet der Archivierung eine Lösung im Portfolio, so dass der Kunde Lösungen aus einer Hand erhalten kann. Dennoch ist für das Spezialgebiet der Archivierung ein Umfassendes Know-how unabdingbar.«

Auch wenn es den Trend zum Bandarchiv gibt – im Hause TIM glaubt man nicht, dass er von Dauer ist. »Man kann inzwischen sehr oft beobachten, dass Datensicherungen auf einem festplattenbasierenden Speichermedium stattfinden. Hierbei handelt es sich aber oftmals um einen so genannten Stage-Bereich, d.h. die Daten werden nach erfolgreicher Sicherung auf ein anderes Medium kopiert oder verschoben«, sagt Harald Will, Consultant beim Storage-Distributor. »Als Zielmedium für eine längere Aufbewahrungszeit – oder auch einfach nur aus Sicherheitsgründen – wird in der Regel weiterhin ein Band als Medium verwendet. Die Rolle eines Archivmediums nimmt das Band aus meiner Sicht auf Dauer nicht an. Auch hier ist eine Tendenz hin zu Festplattensystemen mit Archivfunktionalität sichtbar.«

»So ganz lassen sich Backup und Archivierung nicht trennen, auch wenn dies oft versucht wird«, argumentiert dagegen Frank Herold, Manager Presales & Consulting Central & Eastern Europe bei Quantum. »Die Technologien überschneiden sich ebenso wie die Prozesse und Verantwortlichkeiten in den Unternehmen. Ich glaube nicht, dass spezialisierte Anbieter im Markt stärker werden – zu sehr bieten die etablierten Unternehmen beides: Backup und Archivierung.« Herold führt ein Beispiel für Konsolidierung der Speicherinfrastruktur an: »Die direkte Anbindung von Disk an Tape in Kombination mit intelligenter Software, die Backup-Daten nach vorher festgelegten Kriterien automatisch ins Langzeitarchiv verschiebt.«

Viele Anfragen aus dem KMU-Markt

Bei Tandberg Data verweist man vor allem auf die in LTO-4 integrierte WORM-Technik, mit der diese Bandtechnologie für Archivierungszwecke geradezu prädestiniert ist. »Compliance ist durchaus ein aktuelles Thema«, bestätigt Frank Roszyk, Geschäftsführer bei dem Datensicherungsspezialisten. »Wir bekommen aus dem KMU-Markt sehr viel mehr Anfragen zu gesetzeskonformen Archivierungslösungen, WORM-Funktion, Datenverschlüsselung etc. als vor ein bis zwei Jahren.« Insbesondere Tandberg-Fachhändler hätten entscheidend dazu beigetragen, dass die IT-Anwender ein Bewusstsein für die Problematik entwickelt haben und den Vorgaben größtenteils gerecht werden. »Mit LTO-4 und der integrierten WORM-Technik haben wir bei Einzellaufwerken und in unseren Automationslösungen auch eine geeignete Lösung«, erläutert Roszyk.

Auch für Novastor spielt das Thema Compliance eine wichtige Rolle. »Unsere Produktpalette bietet integrierte Lösungen, bei denen die rechtlichen Anforderungen kostengünstig mit der Backup-Infrastruktur erfüllt werden können«, erläutert Stefan Utzinger, CEO des Softwareherstellers. »Archivsysteme sind oft spezialisierte und kostenintensive Anwendungen, bei denen ein ständiger transparenter Zugriff auf die Daten im Vordergrund steht. Zahlreiche, insbesondere mittelständische Unternehmen benötigen jedoch eine übersichtliche, kostengünstige und zuverlässige Lösung, um Compliance-Anforderungen zu erfüllen.« Selbstredend, dass Novastor entsprechende Lösungen im Portfolio hat.


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