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iSCSI - Markt & Entwicklung

Mit iSCSI lassen sich Speichernetze mit einem weit geringeren Aufwand realisieren als mit Fibre-Channel. Mit 10-Gbit-Ethernet soll auch der Nachteil im Bereich der Performance schwinden. Die Markteinführung ist jedoch schleppend. Die mangelnde Akzeptanz wirkt noch der Preisentwicklung entgegen.

von Karl Fröhlich

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Als Speichernetz-Alternative oder als sinnvoller Migrationspfad weg von DAS-Strukturen (Direct-Attached-Storage) hat sich iSCSI mittlerweile etabliert. »Heutzutage finden wir im Markt immer mehr Anwendungen, die auf blockbasierten Speichersystemen effizienter arbeiten«, erklärt Marcus Schmitz, Business Manager Netapp bei Avnet. »Typischerweise arbeiten sehr viele Unternehmen immer noch mit Network- oder gar Direct-Attached-Storage – also filebasiert. Hier bietet iSCSI einen sehr günstigen Einstieg, auf Blockspeicher umzustellen.«

»Die Installationen steigen moderat, aber stetig«, erläutert Detlef Lieb, Senior Product & Program Manager Storage Systems bei Fujitsu Siemens Computers. »Glaubt man den Herstellern reiner iSCSI-Systeme, ist der Zuwachs sogar gewaltig. Es wäre aber falsch, aus den Verkaufszahlen von iSCSI-Anschlüssen auf die tatsächliche Verbreitung zu schließen, denn viele Multiprotokollsysteme verfügen heutzutage bereits im Grundausbau und ohne Aufpreis über iSCSI-Anschlüsse.« Ob diese genutzt werden, sei nicht eindeutig nachzuverfolgen.

Nachfrage besteht im Einstiegssegment und bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. »Hier vor allem deswegen, weil die technologische Hürde gegenüber Fibre-Channel-Lösungen (FC) geringer scheint und FC immer noch als teuer gilt«, sagt Ingo Kraft, Senior Business Manager bei Hewlett-Packard. »Dies ist heute allerdings sehr stark relativiert zu sehen.«

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Langsame Marktentwicklung von Hoffnungsträger 10 Gbit

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Speziell von der FC-Fraktion wird iSCSI immer mangelnde Leistung unterstellt. Abhilfe soll der 10-Gbit-Standard schaffen. Kritiker bemängeln jedoch auch hier, dass dieser viel zu lange braucht, um Marktreife zu erreichen. Immerhin spricht die Branche bereits seit drei Jahren über die Einführung der Technologie. »Allerdings ist es bis dato noch nicht gelungen, die technischen Probleme in den Griff zu bekommen«, meint Janusz Bak, CTO bei Open-E. »Die bisher angebotenen Lösungen sind nicht wirklich zufriedenstellend – erst wenn es CAT-6-Lösungen und entsprechende Switches, Betriebssysteme und Treiber gibt, wird sich der 10-Gbit-Standard durchsetzen.«

»Hinzu kommt, dass viele Administratoren vor noch gar nicht allzu langer Zeit erst auf 1-Gbit-Ethernet umgestellt haben und nun nicht erneut eine Änderung an der Netzwerkstruktur vornehmen möchten«, ergänzt Steffen Knittweis, System Engineer bei TIM. »Außerdem sehen viele Firmen noch keine Notwendigkeit, aus Performancegründen ihr Netz auf zehn Gbit aufzurüsten.« Lediglich ein iSCSI-Netzwerk würde aktuell von dieser Leistung profitieren, wobei dieses aber nur einen geringen Anteil am Gesamtnetzwerk habe. Es genüge oft nicht, nur die LAN-Karten und Switches zu tauschen. Meist müsse zudem die Kupferverkabelung auf den aktuellen Stand gebracht werden. An diesen Überlegungen orientieren sich laut Knittweis auch die Storage-Hersteller. Daher sei nicht vor Ende 2008 mit den ersten 10-Gbit-iSCSI-Speichergeräten zu rechnen.

»10-Gbit-Ethernet könnte neuen Schub in FC-SAN-Landschaften bringen«, konstatiert Dr. Georgios Rimikis, Manager Solution Strategy bei Hitachi Data Systems. »Dieser Leistungssprung macht iSCSI zunehmend für große Speichernetze interessant und beschränkt dieses Protokoll nicht länger auf das mittlere Segment. Die hohe Geschwindigkeit im IP-Bereich vergrößert die Reichweite von Unternehmens-Speicherlösungen und wird zudem auch preislich attraktiver. Allerdings sind Technologiesprünge und Einsatz in den Firmen zwei Paar Stiefel. Je häufiger ein 10-Gbit-Ethernet eingesetzt wird, desto schneller wird eine effektive Kombination der Netzwerkprotokolle möglich sein.«

8-Gbit-Fibre-Channel versus 10-Gbit-Ethernet

Derzeit sieht es so aus, als verliere 10-Gbit-Ethernet durch die Einführung von 8-Gbit-FC seinen Vorteil. »Sicherlich tut man sich bei der 8-Gbit-Einführung bei FC deutlich leichter, schon weil der Preisunterschied zu vier Gbit nach kurzer Zeit nicht mehr groß sein wird«, meint Franz Bochtler, Geschäftsführer bei EUROstor. »Aber auch die ersten Speichersysteme mit 8-Gbit-Anbindung werden wohl noch etwas auf sich warten lassen. Die FC-Infrastruktur dagegen kann heute durchaus schon mit acht Gbit realisiert werden. In den meisten Applikationen liegen die Grenzen nicht beim maximal möglichen Durchsatz, sondern bei den I/O-Raten der beteiligen Rechner und Controller. Ausgereizt wird die Bandbreite auf einer einzigen Leitung höchstens beim Verschieben riesiger Dateien (Videos, Bilddaten). In der Praxis ist beim Vergleich zwischen Gbit-Ethernet und 4-Gbit-FC meist kaum ein Unterschied zu spüren.«

Laut Brocade gilt es zwischen unterschiedlichen 10-Gbit/s-Ethernet-Technologien zu unterscheiden: »Standard-Ethernet« und »Converged-Enhanced-Ethernet« (CEE).

Die beiden Technologien FC und CEE (bildet wiederum die Grundlage für FCoE) stehen nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen sich. »Der wesentliche Mehrwert von CEE gegenüber FC ist die Multi-Protokoll-Fähigkeit, die aber für die reine Storage-Anbindung nicht benötigt wird«, sagt Heiko Schrader, Regional Sales Manager bei Brocade. »8-Gbit-FC ist bereits auf dem Markt und wird von mehreren Herstellern angeboten. Das 10-Gbit-CEE befindet sich zurzeit noch in der Standardisierung.« Erste Produkte seien hier Ende 2008 oder Anfang 2009 zu erwarten.

»Hinsichtlich Standard-Ethernet gibt es gravierende Unterschiede zur FC-Technologie«, behauptet Schrader. »Wir rechnen nicht damit, dass 10-Gbit-Ethernet merkbare Marktanteile aus dem FC-Bereich für sich gewinnen wird, insbesondere, da es nicht für FCoE geeignet ist. 10-Gbit-Standard-Ethernet kann daher nur für iSCSI verwendet werden. Firmen, die diese Bandbreiten benötigen, achten aber neben der Geschwindigkeit viel mehr auf Aspekte wie den Investitionsschutz, die Sicherheit oder die Skalierbarkeit. Und hier hat Fibre-Channel einen weiten Vorsprung.«

iSCSI-Netze bedarfsgerecht planen und kaufen

In einem ist sich die Branche einig: Der häufigste Fehler bei der Planung und Beschaffung eines iSCSI-basierten Speichernetzes liegt darin, ausschließlich über den Preis einzukaufen. »Wichtig ist die genaue Bedarfsermittlung«, mahnt Bernd Widmaier, Sales Director bei Starline. »Dazu gehören die Überlegungen, was das System leisten muss, wie hoch die Redundanz sein soll und welche Performance erwartet wird.«

IT-Verantwortliche müssen die Anforderungen kennen, die an das Storage-Netzwerk im Hinblick auf die existierende Infrastruktur und Datensicherheit gestellt werden – zum jetzigen Zeitpunkt und in der Zukunft. iSCSI ist im Allgemeinen einfacher zu verwalten. »Auch eine Einschätzung des Datenwachstums ist wichtig«, ergänzt Frank Herold, Manager Presales & Consulting bei Quantum. »Kritisch abzuwägen sind zudem die Anforderungen an die Datensicherung und -aufbewahrung. Wenn zum Beispiel Daten über einen längeren Zeitraum online archiviert werden müssen, sind iSCSI-Appliances ideal. Letzten Endes sollte man natürlich auch immer die Kosten der jeweiligen Lösungen vergleichen.«

10-Gbit-iSCSI – Akzeptanz und Preis gehen Hand in Hand

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IDC erwartet ein anhaltendes Wachstum, vor allem im Investitionsbereich für Lösungen bis zu etwa 10.000 Euro. »Der massiv wachsende Speicherbedarf bei den so genannten SMB-Kunden, aber auch die großen Datenmengen sind starke Treiber«, erklärt HP-Manager Kraft. »Das heißt Daten, die zu Referenzzwecken – aber nicht mit höchster Performance – aufbewahrt werden, und die nicht höchsten, geschäftskritischen Anforderungen unterliegen. Hinzu kommen neue Entwicklungen im Bereich der Blade-Server und Server-Betriebssysteme wie MS Server 2008, Vmware und andere Virtualisierungslösungen, die den Bedarf an konsolidiertem Speicher verstärken.«

»In den nächsten drei Jahren – eine lange Zeit in der IT-Welt – sollte 10-Gbit-Ethernet zumindest in der Infrastruktur dominieren«, meint Eurostor-Manager Bochtler. »Und dann werden mehr Unternehmen auch die letzten Meter zum Rechner und Speicher auf zehn Gbit umstellen. Mit der Akzeptanz wird dann auch diese Technologie erschwinglich.«

Bei Brocade gehen die Verantwortlichen dagegen davon aus, dass iSCSI ein Nischenmarkt bleiben wird. »Die zukünftige FCoE-Technologie wird den reinen iSCSI-Anbietern Probleme machen«, erwartet Brocade-Manager Schrader. »Mit FCoE wird eine Technologie entwickelt, die genau wie FC speziell für Speichernetzwerke geeignet ist. Dass dies ein realistisches Zukunftsszenario ist, sieht man schon daran, dass alle großen Hersteller aus der FC- und der IP-Welt an diesem Standard aktiv mitarbeiten. FCoE wird eine sinnvolle Alternative darstellen und iSCSI weiter in den Bereich der kleineren Unternehmen drängen.«