28.02.2011 (rhh) Drucken
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Standards führen zu weltumspannenden Clouds

  • Standards führen zu weltumspannenden Clouds
  • Auf die Grundbestandteile kommt es an
  • Eine Initiative für die Einheitlichkeit
  • Weltweite Clouds
  • Service-Provider als Mittler
Mit der richtigen technischen Grundlage ist es möglich, Anwendungen getrennt voneinander laufen zu lassen und somit abgestufte Sicherheitsstandards, rechtliche Vorgaben und Unternehmensrichtlinien auch in die Cloud zu transportieren. Die beiden grundlegenden Voraussetzungen für das Cloud-Computing – egal in welcher Form – sind Clustering und Virtualisierung.


Von: Martin Niemer, Vmware EMEA

»Die Cloud ist die neue Hardware.« – Dieses aktuelle Zitat stammt von VMwares Chief Executive Officer Paul Maritz. Ob »Private«, »Public« oder »Hybrid« – das Cloud-Computing, sprich die Entkoppelung der Anwendungen von der lokalen Infrastruktur, hat sehr schnell Differenzierungen erfahren und ist schon jetzt und erst recht für die Zukunft nicht mehr wegzudenken.

Grundsätzliches zur Unterscheidung: Die ursprüngliche Idee, Rechenleistung, Speicher und Applikationen von externen Anbietern zu beziehen, läuft unter dem Begriff externe oder »Public Cloud«. Wer im »server-based«-Computing die Anwendungen von einer firmeneigenen Infrastruktur bezieht, ist Nutzer einer internen beziehungsweise »Private Cloud«.

Bild 1. Private und externe Cloud im Vergleich, Quelle VMware
Wohl kaum ein Unternehmen wird in den nächsten Jahren auf ein reines Public-Cloud-Modell umsteigen, bei dem alle Applikationen von externen Dienstleistern bezogen würden, aber viele werden durchaus eine Reihe IT-Services von außerhalb annehmen. Daher gilt die Hybrid Cloud – die Kombination einer internen mit verschiedenen Public Clouds – mittelfristig als das vorherrschende Modell. Dabei existieren Anwendungen, die an lokal vorhandene und dedizierte Infrastruktur gebunden sind, beispielsweise in Form von R/3-Servern, neben Elementen von Public Clouds.

Mit der richtigen technischen Grundlage ist es möglich, Anwendungen getrennt voneinander laufen zu lassen und somit abgestufte Sicherheitsstandards, Compliance-Vorgaben und Unternehmensrichtlinien auch in die Cloud zu transportieren. Die beiden grundlegenden Voraussetzungen für das Cloud-Computing – egal in welcher Form – sind Clustering und Virtualisierung. So müssen erstens Ressourcen mehrerer physischer Rechner zusammengeschaltet als ein System erscheinen und zweitens muss ein System als mehrere Systeme erscheinen, denen je nach Bedarf Teil-Ressourcen zur Verfügung stehen.

Virtualisierung als Fundament einer dynamischen Ressourcenoptimierung ist übrigens nicht nur die rein technische Grundlage für Cloud-Computing: Sie ist auch psychologisch und empirisch-soziologisch von Bedeutung: Denn die Vertrautheit mit Virtualisierung und der damit neu gewonnenen Freiheit ist Voraussetzung für eine Annäherung an Cloud-Computing.

Nur ein Beispiel für diese logische Kette: In virtuellen Umgebungen gibt es nicht Rechenpower, Speicher und I/O-Bandbreite nach Belieben, sondern nach Service-Level-Agreements (SLAs). Nach genau diesen SLAs gibt es auch Leistungen in Clouds. Der zweite Schritt wäre ohne den ersten nicht denkbar.

Auf die Grundbestandteile kommt es an

Bei der Hybrid Cloud, bei der zusätzlich zu den eigenen Systemen IT-Ressourcen und Dienste bei Bedarf dazu gemietet werden, entscheiden die Benutzer selbst, wie und wann sie auf die Ressourcen-Pools ihrer Infrastruktur zugreifen. Doch um die eigene private Cloud für eine externe zu öffnen beziehungsweise kompatibel zu machen, bedarf es Schnittstellen, die von beiden Seiten verstanden werden. Kompatibilität beziehungsweise das Fehlen von flächendeckenden, technischen Standards war und ist sicherlich immer noch in einigen Bereichen ein Hauptproblem. Dadurch wird das an sich einfache Modell der Hybrid Cloud recht komplex. Denn die Technologie des Service-Providers muss natürlich zu der IT des potenziellen Kunden passen. Möchte dieser einen einmal gewählten Cloud-Anbieter wechseln, kann es kompliziert oder teuer werden.

Weitere Diskussionspunkte in diesem Kontext sind Fragen zu Sicherheit und Recht bei der Bereitstellung von Geschäftsanwendungen. Um diese Standards zu erfüllen, um Sicherheits- und Rechtsanforderungen sowie Unternehmensrichtlinien zu begegnen, arbeitet Vmware mit einer Reihe von Technologiepartnern, Normierungsinstituten und Service-Anbietern von Clouds zusammen, um auf der Basis der Virtualisierungsplattform »vSphere 4« bestehende Rechenzentrums-Architekturen in unternehmenseigene Clouds zu überführen. Dank dieser »vCloud«-Initiative bekommen Unternehmen eine Garantie, dass ihre Rechenzentrumsinfrastruktur mit der der Cloud-Anbieter kompatibel ist. Einschränkungen wie bei den derzeit verfügbaren Cloud-Optionen gibt es dabei nicht.

Eine Initiative für die Einheitlichkeit

Der große Vorteil der Vcloud liegt in der Garantie der Applikationskompatibilität. Dabei wird mit Hilfe der VMs eine Abstraktionsebene eingeführt: Alle Applikationen, die in einer virtuellen Maschine auf Basis von Vsphere 4 laufen, lassen sich damit auch in der Cloud betreiben. Über die Programmierschnittstelle »vCloud API« ist der Zugriff auf weitere Verwaltungs- und Infrastrukturdienste möglich, die sich zum Beispiel auf das Starten weiterer Instanzen einer virtuellen Maschine (VM) oder auf die regionale Verteilung der VMs mit ihren Daten beziehen.

Die Vcloud API, als Schnittstelle zur Bereitstellung virtueller Ressourcen und zum Zugriff auf diese Ressourcen in der Cloud, ermöglicht die Bereitstellung und Verwaltung virtualisierter Workloads in internen oder externen Clouds sowie die Interoperabilität zwischen den Clouds. Bereits 2010 hat Vmware die Vcloud API bei der »Desktop Management Task Force« (DMTF) zur Standardisierung eingereicht. Damit soll eine weite Verbreitung dieses Interfaces und die offizielle Absegnung als Standard beim Cloud-Computing vorangetrieben werden.

Im Rahmen der Vcloud-Initiative als Technologie-Ökosystem können auch Cloud-Service-Anbieter untereinander zusammenwirken, um die Kompatibilität für sämtliche Anwendungen in der Hybrid Cloud – und natürlich auch das Switching danach – zu ermöglichen. Dadurch wird die Bereitstellung auf einer gemeinsamen Plattform sichergestellt. Die Kunden sind bei der Anwendungsbereitstellung flexibel, können einfache Übergänge zwischen verschiedenen Anbietern nutzen und sich für hybride Clouds jeglicher Art entscheiden. Das heißt, ein Kunde kann »on demand« von mehreren Service-Providern verschiedene Dienstleistungen einbinden – zum Beispiel ein Desaster-Recovery aus der Cloud neben einer speziellen Branchenlösung oder auch Schulungsumgebungen aus der Cloud. All diese hoch speziellen Dienste kann eine IT-Abteilung mit der richtigen virtuellen Grundlage kombinieren. Durch die Nutzung der technologischen Fortschritte bekommen die Anwender im Rahmen der Vcloud-Initiative die Sicherheit, dass sich Anwendungen in der Cloud ebenso wie intern verwalten, überführen und betreiben lassen.

Weltweite Clouds

Der Wert von einheitlichen Schnittstellen zeigt sich auch in weiteren Aspekten: Nur sie machen es Entwicklern möglich, Cloud-Applikationen zu programmieren, die außerdem noch für ein breiteres Publikum zugänglich sind, also ein Business ermöglichen. Solche einheitliche Schnittstellen erlauben den Wechsel zwischen verschiedenen Service-Providern, das Zurückholen einer bei einem Dienstleister ausgelagerten virtuellen Maschine ins eigene Rechenzentrum oder auch das Verbinden firmeninterner Clouds über verschiedene Kontinente hinweg.

Bild 2. Die Service-Provider übernehmen beim Cloud-Computing eine wichtige Rolle. Quelle: VMware
Wichtiger als die Bereitstellung von Applikationen in einer Cloud ist für die Interessenten, dass die heute in einem Unternehmen ausgeführten Anwendungen auch ausgelagert funktionieren, ohne Neucodierung oder Erstellung auf einer reinen Cloud-Plattform.

Ein weiterer Garant für Interoperabilität im Bereich Cloud-Computing ist das Format, in dem die VMs verteilt werden. Als Standard gibt es hier das »Open Virtualization Format« (OVF). Damit ist eine Definition entstanden, in welchen Formaten sich VMs oder auch virtuelle Appliances paketieren, verteilen, verschieben und generell zum Einsatz bringen lassen.

Für die weitere Evolution der hybriden Clouds dürfte besonders der Aspekt des Managements interessant sein. Neben der Schnittstelle sind Automation und Verwaltung die entscheidenden Kriterien. Den Zugang zu den virtuellen Infrastruktur-Ressourcen müssen Cloud-Anbieter ohne große technische Umstellungen oder sonstigen Schnickschnack ermöglichen. Dies ist webbasiert möglich, jedoch gilt die Integration der lokalen Management-Plattform in die interne Cloud als schneller, effektiver und damit benutzerfreundlicher. Nur so wird sichergestellt, dass die Benutzer entsprechend ihrer unternehmenseigenen Richtlinien virtuelle Maschinen und »vApps« selbst bilden, verwalten und steuern können, während die IT volle Kosten- und Administrationskontrolle behält.

Wenn diese technischen Grundlagen erfüllt sind und Virtualisierungs-Anbieter und Service-Provider eng zusammenarbeiten, kann sich der volle Nutzen des Cloud-Computing – in seiner mittelfristigen Ausformung der Hybrid Cloud – voll entfalten. Der IT selbst bringt das nur Vorteile: Kosten- und Zeitersparnisse und ein Höchstmaß an Automatisierung, so dass sie sich neben dem Verwalten von SLAs auf neue, innovative Projekte konzentrieren kann.

Service-Provider als Mittler

 Die Service-Provider könnten diejenigen Kräfte sein, die Cloud-Computing den kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMUs) nahe bringen. Etwas Ähnliches haben die Service-Provider mit Application-Hosting oder Application-Management gerade bei den KMUs immer schon gemacht. Dadurch sind sie von außerordentlicher Bedeutung, um Anwender von Cloud-Computing zu überzeugen.

Das aber werden sie nur tun, wenn Cloud-Computing ihr Geschäft nicht gefährdet. Also sollten sie in der Lage sein, auf Dauer aus dem heraus zu wachsen, was sie als technische Grundlage zur Versorgung ihrer Kunden längst schon in ihren eigenen Rechenzentren betreiben: Virtualisierung. Die künftige Rolle der Service-Provider am IT-Markt könnte darin bestehen, eine vermittelnde Rolle zwischen den großen Cloud-Anbietern und den Anwenderunternehmen wahrzunehmen. Das heißt, sie greifen als Zwischenhändler auf das Cloud-Angebot der Großanbieter zurück, um es ihren Kunden anzubieten. Mit dem »vCloud Service Director« können Service-Provider übrigens auch selbst Cloud-Dienstleistungen anbieten, da sie damit kompatibel zu den Clouds ihrer Kunden sind. Indem Vmware dafür »nur« die technische Grundlage bietet, aber kein eigenes Cloud-Angebot vorhält, tritt Vmware im Gegensatz zu anderen Herstellern nicht mit den eigenen Partnern in Konkurrenz.

Das funktioniert nur unter mehreren Bedingungen:

  • Erstens darf es keine zusätzliche Bürde sein. Sie müssen auf sehr einfache Weise Portale einrichten können, über die ihre Kunden sich nach Bedarf wie in einem Katalog selbst bedienen können und an die Abrechnungssysteme angeschlossen sind.
  • Zweitens sollten die Provider nicht Applikationen auf ihre Cloud-Fähigkeit testen und abstimmen müssen.
  • Drittens sollten die Anwender bei den Cloud-Anbietern auf eine möglichst große Auswahl an zertifizierten Anwendungen zurückgreifen können.
  • Dazu bedarf es viertens der schon angesprochenen Standards und der am Markt verbreiteten Schnittstellen der Cloud-Infrastruktur, einer Art Cloud-Betriebssystem à la vSphere.

Ein wesentliches Element sind nicht nur in Richtung der Anwender, sondern gerade auch in Richtung der Provider vielfältige und flexible Varianten für den Bezug von IT-Leistung und ihre Abrechnung. Denkbar wäre erstens die Buchung eines fest umrissenen Pools von CPU-, RAM-, Speicher- und I/O-Leistung, dessen Ausschöpfung die Anwender selbst überblicken können. Zweitens ließe sich ein ähnlicher Ressourcen-Pool für den Bedarfsfall reservieren, um immer auf der sicheren Seite zu sein. Und drittens würde es die schon aus der Virtualisierung bekannte Abrechnung nach Zahl der beanspruchten virtuellen Maschinen geben.

Weitere Informationen
VMware Global, Inc.
Zweigniederlassung Deutschland
Freisinger Straße 3
D-85716 Unterschleißheim/Lohhof
Tel.: +49 (0)800 1006711
www.vmware.com/de

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