09.05.2012 (kfr) Drucken
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Personal-Cloud für KMUs und den Heimarbeitsplatz

  • Personal-Cloud für KMUs und den Heimarbeitsplatz
  • Online-Speicher – praktisch aber mit Makel behaftet
  • Personal-Cloud – Die persönliche Wolke
  • Personal-Cloud – Ein Blick auf die Hardware
  • Buffalo »cloudstation Pro Duo«
  • Iomega »StorCenter ix4-200d«
  • Synology »DS712+«
  • Western Digital »My Book Live / My Book Live Duo«

Ein mobiler Rechner und Internetzugang reichen unterwegs nicht mehr aus. »Always in touch« ist angesagt: Künftig sollen auch Daten immer zur Verfügung stehen, egal ob beruflich oder privat. Bald wird die Personal-Cloud zu einer Standardfunktion bei SoHo-NAS-Systemen.

Durch Smartphones und Tablet-PCs hat sich bei vielen Anwendern das »Always on«-Gefühl etabliert – der Internet-Zugriff ist quasi immer und überall möglich. Dementsprechend sollen auch die Daten nicht nur am Arbeitsplatz oder Home-Office zur Verfügung stehen, sondern auch unterwegs. Für viele IT-Abteilungen ist dies selbstverständlich längst eine Pflichtübung. Für Heimanwender und kleinere Mittelständler hingegen bisher nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Die Lösung: Online-Speicher und Personal-Cloud.

Online-Speicher – praktisch aber mit Makel behaftet

Bei beiden gleich ist: Der Anwender speichert seine Daten zentral und kann über verschiedene Zugriffsmechanismen über das Internet auf seine Informationen zugreifen und dies auch anderen von ihm autorisierten Personen ermöglichen. Dabei handelt es sich um eine Art Internet-Festplatte, die über einen Dienstleister zur Verfügung gestellt wird. Prominente Beispiel sind Amazon »S3«, Apples »iCloud«, die »Dropbox«, Microsofts »SkyDrive« und seit neuestem das »Google Drive«. Die Einstiegskapazitäten von zwei bis sieben GByte sind in der Regel kostenlos. Benötigt der Anwender mehr Speichervolumen, kann er diese stufenweise hinzukaufen. Das Problem: Der Nutzer kann sich nie so ganz sicher sein, wo seine Daten gespeichert werden (siehe auch Doc Storage: Als KMU mit Amazon S3, Dropbox & Co befassen?). Dies ist speziell in der Geschäftswelt ein Manko. Bei den genannten Firmen muss nicht befürchtet werden, dass diese über Nacht ihren Dienst einstellen, wenn irgendwann ein Controller die Finanzzahlen bemängelt. Speziell in der Anfangszeit von Online-Backup gab es allerdings einige negative Beispiele. Da waren Anbieter relativ kurzfristig nicht mehr erreichbar.

Zur Speicherung von eher unwichtigen Daten oder zur vorübergehenden Ablage sind Online-Speicher ein nützliches Tool. Wer seine Informationen in den eigenen vier Wänden wissen möchte und nicht bei einem externen Anbieter, für den sind NAS-Server mit Cloud-Funktion eine sinnvolle Option.

Personal-Cloud – Die persönliche Wolke

Das Angebot wächst kontinuierlich. Noch handelt es sich nicht um eine Standardfunktion bei NAS-Systemen für den SoHo-Einsatz, die Hersteller rüsten aber gehörig auf. Grundsätzlich handelt es sich um einen herkömmlichen Netzwerkspeicher, der via Zusatz-Software zur Personal-Cloud wird. Der Vorteil gegenüber einem Online-Speicher, das Gerät gehört dem Nutzer und steht in einem von ihm kontrollierten Umfeld.

Gleichzeitig ist der Anwender von jedem Standort der Welt aus über das Internet mit dem kompletten Inhalt seines Heimnetzwerks verbunden. Das Versprechen der Hersteller »als ob man zu Hause vor dem Computer säße«, erfüllt sich allerdings nur selten. Die zur Verfügung stehende Internetbandbreite limitiert die Zugriffsgeschwindigkeit. Der Aufruf großer Dateien gerät da schon zur Geduldsprobe.

Personal-Cloud – Ein Blick auf die Hardware

Vor der Kaufentscheidung gilt es auf eventuelle Limitierungen zu achten. Das heißt, ist die Anzahl der Benutzer, die auf den Cloud-Speicher zugreifen können begrenzt? Lassen sich die gespeicherten Daten auf mehrere Computer synchronisieren? Dürfen Dateien eine bestimmte Größe nicht überschreiten und wie viele Dateiversionen werden aufbewahrt? Lassen sich Download-Links (Public-Links) generieren? In Punkto Sicherheit gilt es zu hinterfragen, ob der Datentransfer verschlüsselt vonstattengeht oder nicht?

Erhältlich sind Geräte mit nur einer Festplatte wie der »My Book Live« von Western Digital, mit zwei Laufwerken bis hin zu kleinen NAS-RAIDs mit vier und mehr Drives. Ab zwei Harddisks ist eine Spiegelung möglich (RAID 1) und ab drei Platten ein RAID-5-Betrieb. Dies schützt den Anwender vor einem Datenverlust bei Ausfall eines Laufwerks. Verfügt der Speicher über Laufwerksschächte und lassen sich die Platten tauschen, ohne das Gerät auseinanderschrauben zu müssen? Lässt sich der Disk-Wechsel im laufenden Betrieb durchführen?

Unterschiede gibt es zudem im Lieferumfang: Während beispielsweise Buffalo, Iomega und WD ihre Systeme vorkonfiguriert mit Festplatten bestücken, ist dies bei Netgear nur bedingt der Fall. Qnap, Synology und Thecus liefern ohne Harddisks. Wir stellen im Folgenden einige Produkte kurz vor.

Buffalo »cloudstation Pro Duo«

Buffalo »cloudstation Pro Duo«
Buffalo »cloudstation Pro Duo«
Als Cloud-Server für Privatanwender positioniert Buffalo die »cloudstation Pro Duo«. Die Idee ist wie gehabt, über sein persönliches Portal greift man zusammen mit anderen, autorisierten Benutzern weltweit auf seine Daten zu. Aktuell bietet der Hersteller zwei Modelle an: entweder mit zwei 1-TByte-Disks oder mit zwei 2-TByte-Drives. Die Systeme arbeiten entweder als RAID 1 oder als JBOD (jede Platten einzeln). Neben einem Gbit-Ethernet-Port besitzt das System einen USB-2.0-Anschluss sowie einen Ein-/Aus-Schalter. Die Festplatten sind über einen abnehmbaren Deckel an der Gehäusefront zu erreichen.

Der Online-Zugriff erfolgt mittels dem »Pogoplug«-Webinterface des US-Herstellers Cloud Engines. Die Cloudstation ist mit ihrer Seriennummer vorregistriert. Die Einrichtung soll sich darauf beschränken, die Cloudstation mit dem Internet zu verbinden und auf der Webseite von Pogoplug eine kurze Setup-Routine zu durchlaufen. Danach sind nun Musik, Filme oder Bilder von überall aus abrufbar und lassen sich auch auf beliebige mobile Endgeräte wie Smartphones und Tablets streamen.

Preis: Die 2-TByte-Variante ist ab zirka 280 Euro zu haben und in der 4-TByte-Variante beginnt die Cloudstation Pro Duo zwischen knapp 350 und 370 Euro. Geliefert werden die Systeme mit einer zweijährigen Herstellergarantie.

Iomega »StorCenter ix4-200d«

Iomega »StorCenter ix4-200d«
Iomega »StorCenter ix4-200d«
Das NAS-System »StorCenter ix4-200d« von Iomega erreicht mit vier SATA-Festplatten eine Bruttospeicherkapazität von vier, acht oder zwölf TByte. Es unterstützt die RAID-Level 10 und 5 und ist mit zwei 1-Gbit-Ethernet-Ports sowie drei USB-2.0-Anschlüssen bestückt. Mit dem Netzwerkspeicher adressiert der Hersteller vor allem Arbeitsgruppen, kleine Büros, SoHo's und Heimnetzwerke.

Der Desktop-Würfel benötigt nur wenig Stellfläche und kommt aber mit einigen Business-Funktionen: Dazu gehören ein Fernzugriff, Replikation auf externe Speicher, iSCSI-Unterstützung und ein vollwertiges Backup-Paket. Mit Iomegas »Personal Cloud«-Technologie können Anwender ihr eigenes, mit dem Internet verbundenes Cloud-Netzwerk mit Storcenter-Geräten, PCs und Mobilgeräten aufbauen. Darüber lassen sich Informationen innerhalb des Netzwerks verbinden, verteilen, kopieren und schützen. Die Software bietet eine vereinfachte Dateifreigabe zwischen Mitarbeitern, Dateizugriff über jeden beliebigen Internetverbindungspunkt sowie Remote-Sicherung und -Schutz. Zusätzliche Nutzungs- oder Abonnementsgebühren fallen keine an.

Preis: Das 4-TByte-System ist im Internet ab rund 590 Euro erhältlich. Die 8-TByte-Version beginnt bei 690 Euro und für die 12-TByte-Variante müssen nicht ganz 1.200 Euro veranschlagt werden.

Synology »DS712+«

Synology »DS712+«
Synology »DS712+«
Synologys »DS712+« bietet zwei Laufwerkseinschübe und ist mit je zwei Gbit-Ethernet- und USB-2.0-Ports sowie eSATA ausgestattet. Zusätzlich lässt sich der NAS-Server mit der optionalen 5-Bay-Expansionseinheit »DX510« (ab ca. 410 Euro) auf maximal sieben Platten skalieren. Mit 3-TByte-Drives steht dem Anwender demnach eine Bruttokapazität von bis zu 21 TByte zur Verfügung.

Der Hersteller setzt auf das hauseigene Betriebssystem DSM. In der momentanen Version wurden im »DiskStation Manager 4.0« die Cloud-Dienste noch enger in die NAS-Software integriert. Für den externen Zugriff verfügt das System nun auch über einen eigenen DDNS-Service. Dadurch entfällt die Inanspruchnahme von externen Drittanbietern, die zum Teil zusätzliche Kosten verursachen.

Neben der Erweiterungsmöglichkeit unterstützen die beiden LAN-Anschlüsse ein Failover sowie »Link Aggregation«. Außerdem erlaubt der iSCSI-Support den Einsatz in Virtualisierungs-Umgebungen wie mit Citrix, Microsoft »Hyper-V« und VMware. Der DSM 4.0 unterstützt überdies das Backup von iSCSI-LUNs mit Point-in-Time-Technologie, inkrementeller Datensicherung und Speicherplatzrückgewinnung zur Erstellung unmittelbarer Kopien und zur Optimierung der Arbeitseffizienz.

Ein Augenmerk hat Synology auch auf ein energiesparendes Design gelegt. Eigenen Angaben zufolge verbraucht die DS712+ im Betrieb weniger als 30 Watt. Für einen reduzierten Stromverbrauch und geringere Betriebskosten sollen Wake-on-LAN/WAN und ein geplantes Ein- und Ausschalten sorgen. Den Festplatten-Ruhezustand oder Tiefschlafmodus kann der Anwender so konfigurieren, dass dieser automatisch aktiviert werden, wenn das System für eine bestimmte Dauer inaktiv war.

Preis: Als Barebone ohne Festplatten kostet die DS712+ knapp 390 Euro. Für ein Modell mit zwei 1-TByte-Disks müssen ab 571 Euro veranschlagt werden, mit zwei 2-TByte-Laufwerke sind rund 620 Euro fällig und mit zwei 4-TByte-Drives zirka 1.056 Euro. Aktuell ist die Cloud-Funktion nur für Windows verfügbar. Die Unterstützung für Mac sowie mobile Apps folgt laut Hersteller jedoch in Kürze. Auch soll die Datenübertragung künftig verschlüsselt von statten gehen.

Western Digital »My Book Live / My Book Live Duo«

WD »My Book Live Duo«
WD »My Book Live Duo«
WD hat derzeit zwei Cloud-Platten im Sortiment: Die My Book Live ist als Netzwerkfestplatte mit einem Laufwerk mit einem, zwei und drei TByte erhältlich. Dagegen ist die »My Book Live Duo« mit zwei Drives ausgestattet. Hier stehen eine 4- und 6-TByte-Variante zur Auswahl.

Die My Book Live stand der Redaktion bereits für einen Hands-on-Test zur Verfügung (siehe Review Hands-on-Test »My Book Live 1TB«). Unser Resümee: Ein gutes Laufwerk mit hohem Funktionsumfang, allerdings auch mit einigen Ausstattungsdefiziten.

Firmen, speziell zur Speicherung wichtiger Daten, empfehlen wir zumindest eine gespiegelte Platte zu verwenden. Die My Book Live Duo lässt sich im RAID-1-Modus betreiben. Fällt eine Disk aus, sind die Informationen noch auf dem zweiten Drive vorhanden. Zu beachten ist, dass in dieser Konfiguration keine vier bzw. sechs TByte zur Verfügung stehen, sondern jeweils nur die Hälfte. Im Gegensatz zur Single-Version ist die Duo nicht nur mit einem Gbit-Ethernet-Anschluss bestückt, sondern auch mit einem USB-2.0-Port

Über eine kostenlose App ist ein Remote-Zugriff möglich. WD zufolge wird zwischen dem Mobilgerät (z.B. Smartphone, Tablet) eine Peer-to-Peer-Verbindung via UPnD IGD aufgebaut. Dabei handelt es sich um eine OpenVPN-Verbindung mit WebDAV-Nutzung. Die Daten werden abgesichert mit AES-128 übertragen und nur lokal abgelegt. Eine Zwischenspeicherung auf einem WD-Server soll nicht stattfinden. Die kostenpflichte App »WD 2 go Pro« (2,39 Euro) bietet zusätzliche Funktionen wie beispielsweise Synchronisation und Passcode-Sperre. Außerdem können Benutzer gespeicherte Musik und Videos auch über »iTunes« abspielen sowie digitale Bilder mit der kostenlose »WD Photos«-App auf ihrem »iPhone«, »iPod touch«, »iPad« oder Android-Geräten betrachten.

Preis: Der Preis für das 4-TByte-Modell beginnt im Internet bei nicht ganz 320 Euro. Für die My Book Live Duo 8TB müssen rund 405 Euro veranschlagt werden.

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