Die gefühlte Internetsicherheit
Eine neue Studie belegt, dass sich Internetnutzer sicherer fühlen. Obwohl aber immer noch berechtigtes Misstrauen vorherrscht, steigt die gefühlte Sicherheit ausgerechnet beim heikelsten Thema.
Die BITKOM veröffentlichte unlängst eine Studie zum Thema Bedrohung aus dem Netz und wie die Nutzer diese empfinden. Generell sprach der Verein davon, dass sich Internetanwender sicherer fühlen würden. Die Kernaussage ist durchaus korrekt, gibt aber noch keinen Grund zum Jubeln. Alles ist relativ, wusste schon Einstein. Ja, die Furcht der Verbraucher ist gesunken. Das allgemeine Verhältnis veranlasst aber nicht zu vorschnellem Optimismus, denn statt 85 Prozent, fürchten sich jetzt nur noch 75 Prozent vor Angriffen oder Gefahren im Internet. Das sind immerhin noch stattliche drei Viertel der Netzsurfer, die um ihre Internetsicherheit bangen.
Auf der anderen Seite scheinen sich Internetbenutzer vor allem in einem Bereich sicherer zu fühlen, in dem ich es nun am allerwenigsten vermutet hätte. Von 59 auf 45 Prozent sank die Furcht vorm Ausspähen und Missbrauch persönlicher Daten. Wie bitte? Der Punkt, vor dem zahlreiche Institutionen und Datenschützer noch immer am meisten warnen, wird offensichtlich ignoriert. Oder eben nicht mehr so sehr als Bedrohung empfunden. Das überrascht und macht die ganzen Diskussionen um den gläsernen Menschen ein wenig obsolet. Die meisten, 62 Prozent, haben Angst, sich einen Virus, schädliche Programme oder Trojaner einzufangen. Es scheint, dass die Angst vor einem physikalischen Kollaps der Hardware im eigenen Haus als bedrohlicher empfunden wird als die unkontrollierbare Verbreitung und ungewollte Nutzung der eigenen Informationen im Internet. Diesen Leuten kann ich nur empfehlen, bei einem Rechnerabsturz Ruhe zu bewahren. Ich bin mir sicher, die Daten lassen sich wiederfinden, im Internet ganz bestimmt.
Darüber hinaus sind die Bedrohungen aus dem Netz Bankenbetrug, falsche Geschäfte, Beleidigungen, Denunziation oder der Missbrauch der Mailadresse oder eines anderen Accounts. Allerdings liegen hier die gefühlten Ängste je nach Altersgruppe sehr unterschiedlich. Aber das ist ja beim Wetter auch nicht anders. Alles ist relativ.
Mit relativ sicher gespeicherten Grüßen,
Ulrike Rieß.