Update: Marktübersicht Disk-Backup-Systeme
Disk-Backup-Systeme eliminieren innerhalb eines Backup/Recovery-Szenarios den Geschwindigkeitsnachteil von Bändern. Das Angebot reicht von Einstiegssystemen für kleine Unternehmen bis zu Lösungen mit hohem Funktionsumfang und integrierter Ausfallsicherheit. Dedup ist noch keine Standardfunktion.
Sobald die Datensicherung den TByte-Bereich erreicht, sind Festplatten ein fester Bestandteil der Strategie. Anders ist es nicht möglich die geforderten Geschwindigkeiten zu erzielen. Das angebotene Produktspektrum reicht vom 4-TByte-Einstiegssystem ab 2.045 Euro bis in den PByte-Bereich, mit sechsstelligen Preisen.
Für Disk-Backup-Systeme spricht grundsätzlich eine hohe Datensicherheit, die durch unterschiedliche RAID-Level gewährleistet wird. Zudem gestaltet sich der Zugriff auf die Daten sehr schnell, je nach gewähltem Array. Lästiges Vor- und Zurückspulen entfällt ebenso wie das Durchsuchen des Index nach einzelnen Dateien. Letztlich sind diese Systeme nicht nur wegen verbesserter Datenintegrität ihren Bandkollegen überlegen, sondern vor allem wegen des schnelleren Restores bei Ausfall oder Datenverlust.
Einstiegssysteme mit Kapazitäten von über einem TByte
Eine Kategorisierung nach Preis, Kapazität und Ausfallsicherheit ergibt die üblichen Klassen Entry-Level, Midrange, Highend bis Enterprise. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass Kapazität, Funktionalitäten oder Datendurchsatz eng miteinander verbunden sind. Grundsätzlich sollte der Kauf von der vorhandenen Produktiv- und Speicherumgebung sowie den Applikationen abhängig gemacht werden.
Mit Festplattenkapazitäten von einem, 1,5 und zwei TByte erreichen die Speichervolumen einen beachtlichen Umfang. Preislich beginnen Systeme wie »DPS1200« von Tandberg Data bei 2. 450 Euro. Die 2-TByte-Version von N-TECs »rapidDP 208-G4« ist ab zirka 4.600 Euro erhältlich.
Der Übergang der Einstiegs- zur Mittelklasse ist fließend. Systeme mit 24 Laufwerksschächten bilden die Schnittstelle zur Mittelklasse. Den oberen Ansatz bilden beispielsweise »ProtecTier« von Hitachi Data Systems mit einer maximalen Kapazität von einem PByte oder »System Storage TS7650 ProtecTIER« von IBM mit 25 PByte.
Im obersten Segment ist jedoch die Kapazität nicht das entscheidende Kaufargument. Hier spielen Schnittstellen wie FC- oder FICON-Anbindungen eine Rolle sowie die Anzahl virtueller Tape-Slots. Zudem sind zum Beispiel die Serien »StorageTek VTL« und »VSM« von Sun auf absolute Ausfallsicherheit ausgelegt. Die für den Mainframe-Einsatz konzipierten Modelle arbeiten ausschließlich mit FC-Platten und RAID 6. Preislich bewegen sich die Systeme zwischen 112.000 (56 TByte) und 800.000 Euro (90 TByte).
Nicht vernachlässigen: Schutz vor multiplem Disk-Ausfall
In punkto Datensicherheit nehmen sich die meisten Produkte kaum etwas. Der RAID-Level 5 wird von allen Anbietern unterstützt. Wer aus Management- und Kapazitätsgründen auch JBODs integrieren möchte, muss genauer schauen. Eine zusätzliche Skalierbarkeit wie bei der Starline/FalconStor »VTL Appliance« ist oftmals nicht vorgesehen. Tandbergs »DPS1100« und »DPS1200« lassen sich beispielsweise von drei auf sechs TByte bzw. von sechs TByte auf bis zu 48 TByte ausbauen.
Vor allem in Systemen mit SATA-Disks sollten IT-Verantwortliche kein Risiko eingehen und sich vor einem möglichen Datenverlust beim Ausfall von zwei Laufwerken doppelt absichern. Hier hat sich RAID 6 durchgesetzt. Noch ist dieser RAID-Level aber kein durchgängiger Standard in Disk-Backup-Systemen.
Daten-Deduplikation künftig eine Standardfunktion
Alle neuen Systeme sind mittlerweile standardmäßig mit Datendeduplikation ausgestattet. Wenn identische Dateien nicht mehrfach gespeichert werden müssen, spart dies Kapazität und gleichzeitig Investitionskosten. Deduplikation eliminiert unerwünschte Redundanzen.
Quantum und NetApp gelten in Deutschland als die Vorreiter von Dedup. Data Domain hat sich zunächst weltweit einen guten Ruf erarbeitet und greift nun auch hierzulande verstärkt an. Während bisher vor allem auf ein nachgelagertes Verfahren gesetzt wurde, schwört Data Domain auf Inline-Deduplizierung. Damit wird laut Hersteller eine hohe Geschwindigkeit erreicht, ohne zwangsläufig die Anzahl der Spindeln zu erhöhen.Disk-to-Disk oder Virtual-Tape-Library
Funktionalitäten wie Virtual-Tape-Library und die Möglichkeit zur Library-Emulation sind die entscheidenden Faktoren in einem Disk-Backup-System. Damit lassen sich die Geräte unter anderem in die bestehende Umgebung oder in eine ILM-Strategie integrieren. Bei einer Disk-to-Disk-Lösung wird der gesamte Platten-Pool aus Backup-Sicht als ein einzelnes Gerät wahrgenommen. Die einzelnen Sicherungsaufträge werden nacheinander abgearbeitet und auf dem Zielgerät abgelegt.
Eine Virtual-Tape-Library (VTL) hingegen stellt sich der Backup-Software als eine oder mehrere klassische Bandbibliotheken dar. Die VTL teilt die Backup-Aufträge wie bei einer realen Bandbibliothek auf eine definierte Anzahl von Laufwerken auf – nur eben diskbasiert. Dadurch lassen sich mehrere Laufwerke gleichzeitig adressieren. Alternativ kann auch ein einzelner Sicherungsauftrag auf alle Laufwerke simuliert und verteilt werden (Striping). Dies beschleunigt die Geschwindigkeit deutlich. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass VTLs virtuelle Bänder nutzen und die Backup-Daten nahtlos an Bandlaufwerke weiterreichen können.
Der Einsatz einer VTL empfiehlt sich besonders dann, wenn es gilt eine umfangreiche und komplexe Bandinfrastruktur zu optimieren, ohne die bestehenden Prozesse zu ändern. Unter Optimierung fallen unter anderem die bessere Ressourcen-Nutzung auf den physischen Bändern, Kosteneinsparungen beim Medienverbrauch und die Vereinfachung der Verwaltung. Zudem kann die Halbierung des Aufwands für die Backup-Administration als realistisches Ziel gelten.
Außerdem kosten VTLs keine Unsummen mehr. Quantums »DXi3500« (max. 6 TByte) bewegt sich mit Einstiegskosten ab 8.900 Euro dagegen in erschwinglichem Rahmen. Auch Overlands »REO 4500« (max. 27 TByte) ist ab zirka 13.000 Euro keine allzu abwegige Investition.
Die Gingcom-Appliances sind keine reinrassigen Festplatten-Systeme, sondern müssen als All-in-One-Gerät für Backup und Archivierung gesehen werden. Hier handelt es sich vereinfacht ausgedrückt um ein Disk-Array zur Datenspeicherung mit integrierter Datensicherung auf Festplatten und Magnetband. Das System automatisiert die Einhaltung von rechtlichen Vorgaben und die Auslagerung auf Band. Je nach Ausführung liegen die Anschaffungskosten bei 12.000 und 37.500 Euro. Dies mag auf den ersten Blick teuer erscheinen, dafür erschlägt die Lösung aber mehrere Storage-Probleme auf ein Mal.
Software entscheidet über die Nutzbarkeit
Ein ausschlaggebender Punkt ist die Software, mit der die Backup-Systeme ausgestattet sind. Diese sollte verständlich und intuitiv zu bedienen sein. Bei der Verwaltungs-Software offerieren die Hersteller alles vom eigenen Produkt bis hin zu Windows-Tools, GUIs und Telnet. Hier muss der Anwender nach Präferenz entscheiden. Was erscheint ihm intuitiv? Was lässt sich innerhalb des Unternehmens ohne großen Aufwand oder Schulungen integrieren?
Bei der Backup-Software machen es die Hersteller einfach und unterstützen gängige Marken von Acronis, CA, CommVault, EMC »Networker«, Microsoft »DPM« oder Syncsort. Hier kann der IT-Entscheider nach Bedarf und Vorliebe auswählen. Hier kann der IT-Entscheider nach Bedarf und Vorliebe auswählen. An Bedeutung gewinnt die Open-Storage-Option (OST). Diese Schnittstelle wurde unter der Führung von Symantec ins Leben gerufen. Sie soll sicherstellen, dass eine Instanz die komplette Backup-Umgebung kontrolliert und dafür verschiedene Hard- und Software-Plattformen und Betriebssysteme zusammen funktioniert.
Service und Herstellergarantie
Vor dem Kauf empfiehlt es sich den Leistungs- und Service-Umfang möglicher Produkte zu vergleichen. Sicherheitsfunktionen und längere Garantiezeiten sollten bei offensichtlich identischen Angeboten die Kaufkriterien sein. Standardmäßig sieht die Redaktion von speicherguide.de eine zweijährige Herstellergarantie als das Minimum an. Als gut bewerten wir eine 36-monatige Garantielaufzeit, wie von Gruppemedia, HDS, Netapp, Overland und Tandberg angeboten. Unrühmliche Ausnahmen bilden Exagrid, Fujitsu, HP und Quantum, die lediglich eine zwölfmonatige Garantie in den Kaufpreis mit einrechnen.
Optionale Service-Leistungen finden sich bei der Mehrheit der Anbieter. Hier sollte der IT-Entscheider auf Vor-Ort-Service, Austausch-Möglichkeiten und Reaktionszeiten achten. Wer hier genauer hinschaut, erspart sich ungewollte Überraschungen bei einem Systemausfall. Wer auf Telefon-Support Wert legt, muss prüfen, ob dieser in deutscher Sprache und vielleicht zum Nulltarif oder zumindest zu Sonderpreisen angeboten wird.
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