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[25.02.2010] (kfr)
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Backup/Recovery ein täglicher Kampf

Mit kürzeren Zeitfenstern für die Sicherungen auszukommen ist für IT-Abteilungen eine permanente Aufgabe. Wichtig ist eine gute Planung und eine akribische Dokumentation. Erfreulich ist, dass immer mehr Highend-Funktionen nun auch für kleine Firmen umgesetzt werden.

Quantum »Scalar i80«
Quantum »Scalar i80«
Wenn es um die unternehmensweite Strategie für die Datensicherung geht, ist für IT-Verwalter das Gefühl der Zufriedenheit bestenfalls eine Momentaufnahme. »Backup und Recovery ist ein Kampf, der täglich aufs Neue beginnt«, erklärt ein IT-Leiter aus dem Fränkischen, der eine Struktur mit über 1.000 PC-Arbeitsplätzen betreut. »Egal wie viele neue Geräte man sich anschafft, irgendwie ist man nie auf dem neuesten Stand.« Hinzukommen in der Regel eine dünne Personaldecke und knappe Budget-Vorgaben. Trotzdem sollen unternehmenskritische Daten sicher und bei Bedarf jederzeit und so schnell wie möglich wiederherstellbar sein.

Einer europaweiten Studie von Symantec zufolge bleiben die Budgets für Disaster-Recovery momentan konstant. In den kommenden zwei Jahren rechnen die befragten IT-Leiter (56 Prozent) allerdings mit einem Anstieg.

In der Praxis ist das Recovery ganzer Systeme eher eine Seltenheit. Dafür müssen aber fast täglich einzelne Dateien wiedergefunden werden, die Anwender meist versehentlich gelöscht haben. Wer sich aber nicht rechtzeitig wappnet, hat bei einem Totalausfall ein Problem.

Speicherstudie: Schnelleres Recovery gefordert

Daher verwundert es nicht, dass eine schnelle Datenwiederherstellung ganz oben auf der To-do-Liste für 2010 steht (44 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die Studie »Optimierung der IT-Storage-Infrastruktur in mittelständischen Unternehmen 2009« von speicherguide.de. Im Blickpunkt bleibt zudem das Erreichen kürzerer Backup-Zeiten (41 Prozent).

Die Umfrage wurde gemeinsam mit der Münchner Niederlassung der PR-Agentur Fleishman-Hillard und in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Smart Research durchgeführt. Das Teilnehmerfeld setzt sich unter anderem zu fast 40 Prozent aus IT- und Systemadministratoren zusammen und zu gleichen Teilen aus Abteilungs- und EDV-Leitern sowie Geschäftsführern. 32 Prozent der Befragten arbeiten in Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern und 19 Prozent in Firmen mit bis zu 250 Mitarbeitern. Elf Prozent sind in Betrieben mit bis zu 500 Mitarbeitern beschäftigt und 33 Prozent in größeren Unternehmen. Das Dienstleistungsgewerbe ist mit 31 Prozent am häufigsten vertreten, der IT-TK-Fachhandel stellt 20 Prozent. Die Umfrageteilnehmer kommen überwiegend aus Deutschland (ca. 87 Prozent), Österreich (ca. 5 Prozent) und der Schweiz (ca. 8 Prozent).

Mehr als die Hälfte der Befragten vertrauen auf Backup-to-Disk (53 Prozent). Daten-Deduplizierung ist bereits bei 22 Prozent im Einsatz und bei knapp genauso vielen steht diese Technik dieses Jahr auf der Agenda. 29 Prozent werten Dedup als geeigneten Ansatz die eigene IT-Storage-Infrastruktur zu optimieren. Generell besteht der größte Optimierungsbedarf (29 Prozent) im Bereich Backup und Recovery.

Geografisch verteilte Backups

Neben der Reduzierung des Backup-Volumens, die in der Praxis einen Faktor zwischen zehn und 15 erreichen soll, ist Deduplizierung die Grundlage für eine Remote-Replikation. »Damit reduzieren sich die Anforderungen an die Netzwerkbandbreite um den Faktor 20«, sagt Marcus Schneider, Director Product Segment Data Protection bei Fujitsu. »Dies unterstützt eine konsolidierte Datensicherung von Außenstellen und erlaubt geografisch verteilte Backups.« Unternehmen, die über kein Ausweichrechenzentrum verfügen, können bei Fujitsu eine Replikations-Maschine anmieten.

Eine Disk-Backup-Appliance wie Fujitsus »ETERNUS CS800« kostet über 60.000 Euro. Falls das zu teuer ist, lassen sich die meisten Speichersysteme zumindest optional mit einer Replikations-Funktion ausstatten. Beispielsweise lässt sich mit dem NAS-Server »rapidNAS DSS848-G4« von N-TEC über iSCSI eine Volume-Replikation realisieren.

IDS Enterprise »IDSbox« (Bild: Heinrich Eck, speicherguide.de)
IDS Enterprise »IDSbox« (Bild: Heinrich Eck, speicherguide.de)
An mittlere und vor allem kleine Unternehmen richtet sich der französische Hersteller IDS Enterprise mit seiner »IDSbox«. Dabei handelt es sich grundsätzlich um einen Backup-Server mit externer Spiegelung. Angeboten werden externe Festplatten von 160 GByte bis zu einem TByte sowie Rack-Versionen mit bis 1,5 TByte. Eine Idsbox befindet sich dabei vor Ort, während das zweite Gerät außerhalb des Unternehmens beispielsweise im privaten Bereich oder einer Niederlassung steht. Die extern installierte Box gleicht sich zu einer vorgegebenen Zeit oder in bestimmten Intervallen über das Internet automatisch mit ihrer Zwillingsbox ab. Die lokale Trennung soll höchstmöglichen Schutz vor Diebstahl, Feuer oder anderen Katastrophen gewährleisten.

Prozesse und Vorgehensweisen dokumentieren

Egal für welches Konzept sich Unternehmen entscheiden, das Auslagern von Sicherungskopien ist ein Muss. Die größten Probleme entstehen bei der Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs nach einem Notfall aber nicht beim Einlesen der gespeicherten Daten, sondern vielmehr durch Planungslücken. Dazu gehören fehlende oder unvollständige Recovery-Pläne und -Prozeduren genauso wie das Konfigurieren von Ersatz-Hardware ohne Dokumentation der ursprünglichen Systemeinstellungen und Setups. Zu den Planungslücken zählen auch die fehlende Dokumentation, Archivierung und Nachverfolgung der Sicherungsbänder sowie der generell unsachgemäße Umgang mit Bandarchiven. Experten empfehlen mit folgenden fünf Punkten die Effizienz des Disaster-Recovery zu steigern:

  1. Systemkonfigurationen dokumentieren und archivieren.
  2. Disaster-Recovery-Prozeduren dokumentieren, archivieren und trainieren.
  3. Bandmedien sicher aufbewahren, dokumentieren und nachverfolgen.
  4. Geschäftskritische Server identifizieren und absichern.
  5. Rücksicherungen durch Online-Datensicherung erleichtern.

Backup so sicher wie im Tresor

Secumem »Threx«
Secumem »Threx«
Die Auslagerung von Backup-Daten sowie der zugehörigen Backup- und Recovery-Dokumentation an einen sicheren Ort ist von existenzieller Bedeutung. Dabei sind speziell kleine Firmen in ihren Möglichkeiten meist eingeschränkt. Hier bietet der Münchner Hersteller secumem einen Datensafe an. »Threx« ist ein absolut sicheres Festplatten-Chassis für zwei RAID-1-Laufwerke. Unter der hermetisch dichten Außenhülle befindet sich eine Spezialisolierung aus mehreren Schichten. Darin ist das ebenfalls hermetisch dichte Innengehäuse eingebettet. Im Inneren befinden sich zwei 1-TByte-Drives, die gespiegelt im RAID-1-Verbund betrieben werden. »Die gesicherten Daten müssen nicht zwangsläufig ausgelagert werden. Bei der Wiederherstellung kann dies ein Geschwindigkeitsvorteil sein«, erklärt Secumem-Geschäftsführer Dirk Brunner. »Je nach Ausstattung beginnt der Kaufpreis bei rund 3.600 Euro.«

Backup/Recovery in virtuellen Umgebungen

Seit gut zwei Jahren gewinnt die Einbindung virtueller Umgebungen in die Datensicherungsstrategie an Bedeutung. Während IT-Abteilungen zum Teil viel Aufwand in Servervirtualisierung stecken, bleibt das dazugehörige Backup nur all zu oft auf der Strecke. Dies kann weit reichende Folgen haben, denn ein Ausfall betrifft nicht nur wie bisher einen Host, sondern gleich mehrere (virtuelle) Server. Stillstandzeiten wirken sich daher direkt auf mehrere Applikations- oder Storage-Server aus – mit entsprechend negativen Folgen.

Außerdem hat die Sicherung selbst zwei Nachteile. Zum einen ist sie bei einer aktiven »Virtual Machine« (VM) nicht trivial. Zudem lässt sie sich nicht so schnell abschließen wie in der physischen Umgebung, denn Ressourcen wie das Netzwerk oder der Zugriff auf den lokalen Speicher müssen sich die einzelnen VM untereinander teilen. Zwar holen Backup-Tools hier auf, richtig optimal sind die vorhandenen Lösungen aber noch nicht.

Checkliste für Datensicherung

Die folgenden Grundsatzfragen helfen, eine strukturierte Datensicherungsstrategie im ersten Schritt zu planen und umzusetzen.

Organisation
  • Welche Daten an welchen Standorten müssen gesichert werden?
  • Wer sind die Ansprechpartner für Backup & Recovery? Wer ist Vertretung?
  • Wann sind die Betriebszeiten und gibt es einen Bereitschaftsdienst?
  • Gibt es vereinbarte Wartungszeiten für die Sicherungsumgebung?
Hardware
  • Welche Hardware wird für die Sicherung eingesetzt?
  • Welche Netzwerk-Kapazitäten werden benötigt (LAN, WAN, VLANs, Firewalls, Bandbreiten und Auslastung)?
  • Ist die Sicherungs-Hardware räumlich von den Produktivsystemen getrennt?
  • Gibt es den »Single Point of Failure«, der Produktiv- und Sicherungsdaten beeinträchtigen könnte?
Software
  • Welche Sicherungs-Software wird eingesetzt?
  • Welche Betriebssysteme kommen zum Einsatz?
  • Wie sieht die Wiederherstellung der kompletten Applikations-Landschaften im Schadensfall aus? Wurde diese getestet? Verfügen die Administratoren über das dafür notwendige Knowhow?
Kapazitäten, Auslastungen und Änderungen
  • Welche Kapazitäten hat der Online-Speicher? Sind unterschiedliche Sicherungsklassen eingeteilt?
  • Wie groß sind die (unkomprimierten) Kapazitäten des Backup-Speichers?
  • Wie stark verändern sich Art und Menge der zu sichernden Daten?
  • Welche Änderungen am Sicherungssystem sind notwendig oder geplant?
  • Wie stark ist die Sicherungs-Infrastruktur ausgelastet und welches künftige Datenwachstum sowie Lastspitzen kann sie bewältigen?
  • Welche Reserven haben die Zeitfenster?
Sicherungsmethodik
  • Welche Applikationen und Daten werden gesichert (E-Mail, File, Print, Datenbanken, SAP...)?
  • Wie werden geöffnete Dateien gesichert?
  • Welche Sicherungsregeln sind implementiert? Erfolgen Sicherungen inkrementell, voll, differenziell, online oder offline?
  • Müssen einzelne Applikationen separat gesichert werden?
  • Wie sehen die Sicherungszyklen aus? Wie alt dürfen wiederhergestellte Daten sein?
  • Wie steht es um die Verfügbarkeit der Sicherungen?
  • Wie werden Sicherungsläufe initiiert (Skripte, Job-Steuerungssystem)?
  • Welche Abhängigkeiten gibt es zwischen Sicherungsabläufen? Führen Verzögerungen zu Problemen bei anderen Sicherungen?
  • Wird die Wiederherstellung regelmäßig getestet?
Überwachung, Berichtswesen, Fehlerbearbeitung
  • Welche Service-Level-Agreements sind für die Wiederherstellung vereinbart (inkl. Hardware-Aufbau und Installation von Betriebssystemen und Anwendungen)?
  • Wie sehen die Erfahrungswerte zu den tatsächlichen Restore-Zeiten aus?
  • Gibt es ein Event-Management, das die Sicherungen kontrolliert? Werden Logfiles automatisch analysiert und Alarmmeldungen generiert?
  • Werden auftretende Fehler kategorisiert und Störungshäufigkeiten erfasst, um wiederkehrende Muster und Fehlerquellen zu erkennen?
  • Wer macht das Trouble-Shooting und gibt es dafür Standardverfahren?
  • Welche Supportverträge existieren mit Soft- und Hardware-Herstellern und wo sind diese dokumentiert?
Katastrophenfall/Disaster-Recovery
  • Welche Maßnahmen sind für den Katastrophenfall vorgesehen?
  • Werden Sicherungsmedien ausgelagert (Tresor, anderes Gebäude, anderer Standort)?
  • Wie ist die Sicherungsumgebung selbst gesichert?

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