Einfache Datensicherungen zum geringen Preis – das versprechen die neuen Online-Backup-Dienste. Das Auslagern ins Internet bietet sich auf Grund der Flexibilität und zusätzlichen Sicherheit vor allem für kleine und mittelständische Firmen an, die sich keine 24-Stunden-Administration leisten können.
von Engelbert Hörmannsdorfer
Bild: A&O IT-Beratung
Es ist ein allbekannter Umstand: Datensicherung ist mit viel Aufwand und Kosten verbunden. In Zeiten von günstigem Online-Festplattenplatz und immer schnelleren Internetverbindungen ist das Online-Backup eine alternative Methode der Datensicherung geworden.
Fast keine Woche vergeht, in der nicht ein neuer Online-Backup-Dienst angeboten wird. Für existierende Unternehmen wurden schon Millionen-Beträge auf den Tisch gelegt.
Seagate verleibte sich EVault ein und benannte diesen Dienst nun in i365 um (speicherguide.de berichtete). Sogar Branchenkrösus EMC will an dem Megatrend teilhaben und krallte sich den US-Dienstleister Mozy (speicherguide.de berichtete). Der Service, der sich zunächst überwiegend an Privatkunden richtete, wurde zwischenzeitlich auch für Unternehmenskunden hergerichtet (speicherguide.de berichtete).
»Am Anfang war Online-Backup ein Thema für Privatanwender«, bestätigt Stefan Utzinger, CEO des Software-Unternehmens Novastor. Das Unternehmen präsentiert mit »NovaNet-WEB 7« eine Software, mit der Dienstleister einen Online-Backup-Service anbieten können (speicherguide.de berichtete). »Aber der Trend zu Firmenkunden ist klar erkennbar.«
Zu beachten bei Online-Backup
Sind viele Daten zu sichern, ist natürlich die Internet-Verbindung ein gewisser Flaschenhals. Einen DSL-16000-Zugang sollte also ein Unternehmen als Mindestvoraussetzung besitzen. Darüber sind bis zu 800 MByte/h möglich. Sicherlich dauert die Erstsicherung dadurch eine ganze Weile. Aber wenn anschließend nur noch inkrementelle Online-Backups durchgeführt werden, reduziert sich das Zeitfenster dann wieder enorm. Außerdem sollte es sich von selbst verstehen, dass für eine Online-Datensicherung nur die wichtigsten Arbeitsdaten verwendet werden.
Wenn wichtige Arbeitsdaten darüber gesichert werden, sollte eine Verschlüsselung selbstverständlich sein. Denn auf dem Internet können viele mitlesen, Daten können »gesnifft« werden. Falls wirklich Datenpakete abgefangen werden sollten, sind sie verschlüsselt für den Mitleser ziemlich wertlos. Erfreulich ist ohnehin, dass das Gros der Online-Backup-Provider bereits verschlüsselten Versand offeriert. Der IT-Verantwortliche sollte sich versichern, dass der Provider die Daten verschlüsselt im Rechenzentrum ablegt. Falls nicht, muss das Unternehmen selbst verschlüsseln.
Zudem ist natürlich noch interessant zu wissen, welche Redundanzen der Provider eingebaut hat. Manche spiegeln die Online-Daten komplett. Wieder andere offerieren sogar das Abspeichern auf einer Art RAID-Verbund. Das heißt, diverse Laufwerksverbände dürfen auch beim Provider ausfallen, ohne dass Online-Backups verloren sind.
Von Interesse, aber zugegebenermaßen von außen schwer einsehbar, ist die Software, auf der die Web-Sicherung basiert. Manche Anbieter schreiben die Software selbst, wie Mozy oder i365. Andere greifen dagegen auf Standardpakete zurück, wie beispielsweise auf »NovaNet-WEB 7« von Novastor. Die Online-Dienste von Arvato Systems bzw. Outback basieren darauf. Am wichtigsten ist freilich, ob die Online-Backup-Software inkrementelle Backups auf Dateiebene vollziehen kann, also eine Delta-Block-Analyse umsetzen kann. Bei Privatpersonen oder kleinen Firmen ohne Exchange-Server ist sonst bei jeder neuen E-Mail gleich die gesamte PST-Outlook-Datei zu sichern. Anstelle von ein paar KByte kommt man dann schnell in den GByte-Bereich. Die gleiche Platzersparnis gilt beispielsweise auch für Word-Dateien, in denen nur ein Wort geändert wurde. Wer Daten nicht nur einlagern, sondern nach dem Hochladen auch wieder einmal löschen will, sollte bei der Providerauswahl darauf achten, dass sich hochgestellte Files modifizieren lassen.
Online-Backup: Von kostenlos bis kostengünstig
Wie viel ein Online-Backup-Service wert ist, muss sich eigentlich jeder potenzielle Anwender selbst ausrechnen. Wenn es bereits einen IT-Administrator im Hause gibt: Um wie viel Zeit würde er entlastet? Kann eventuell das wieder einmal anstehende Upgrade der Backup-Infrastruktur (Backup-Server nebst Backup-Bandlaufwerk) entfallen? Wer solche Rechnungen anstellen kann, ist fein raus und dürfte schnell zu dem Ergebnis kommen, dass sich ein Online-Backup-Service lohnt.
Etliche Anbieter wie Mozy offerieren zum Schnuppern einen Frei-Account, bei dem man zwei GByte kostenlos belegen kann. Das ist möglicherweise für Privatanwender oder Freiberufler bzw. kleinere Ingenieurbüros schon ausreichend. Zum Testen ist es jedenfalls eine feine Sache. Wenn der Bedarf darüber hinausgeht, gibt es die verschiedensten Preisstaffeln. Von rund fünf Euro pro Monat für jeweils zwei GByte bis zu 300 Euro pro Monat für 50 GByte. Dazu können noch einmalige Kosten für die Einrichtung des Accounts bzw. das Bereitstellen der Client-Software kommen.
Manche Anbieter heben sich durch interessante Zusatzfunktionen ab. Beispielsweise kann der Backup-Client netzwerkweit identische Dateien in verschiedenen Verzeichnissen ermitteln und diese nur einmal speichern. Oder der Kunde kann die erste Vollsicherung – die bekanntermaßen sehr umfangreich und dadurch sehr problemanfällig sein dürfte – via traditioneller Backup-Medien (Band, DVD oder externe Festplatte) einschicken. Und erst danach führt der IT-Manager online weitere Teilsicherungen durch. Das bietet zum Beispiel »Gigabank« von Fast LTA in der Schweiz an. Die Daten werden hier übrigens an drei Standorten in der Schweiz gesichert – mit einer Archivierung von bis zu 30 Jahren (speicherguide.de berichtete).
Der Online-Backup-Service »ReBack« von Netcos offeriert beispielsweise sogar eine rechtskonforme Sicherung (z.B. Handelsgesetzbuch HGB, Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme GoBS, Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen GDPdU). Firmen, die mit ihren Unternehmensdaten rechtlichen Anforderungen genügen müssen, können hier einen geeigneten Ansprechpartner finden. Vergleichbares bieten ausländische Anbieter wie Mozy eben nicht.
Bild: Spacenet
Beim »
Spacenet-Online Backup« steht die Sicherheit und Verfügbarkeit der Unternehmensdaten an vorderster Stelle. Durch die Verschlüsselung der Daten und die Übertragung über eine gesicherte Leitung ist dieses Backup-Angebot insbesondere für unternehmenskritische Daten geeignet. Der Entschlüsselungscode ist einzig und allein dem Kunden bekannt. Die Übertragung der Daten erfolgt automatisch vom System, wann und wie oft, lässt sich individuell einstellen. Auch dem Zeitfaktor trägt der Online-Dienst Rechnung: Nach der Erstsicherung der Daten werden nur noch geänderte Daten auf die Backup-Plattform übertragen, Datendoppler wie Betriebssystemdateien erkennt die Lösung und sortiert diese aus. Der Sicherungszeitraum wird damit möglichst kurz gehalten, was Zeit und Kosten spart. Ausführliche Backup-Reports gehören zum Service, Beratung und auch ein Recovery-Service ergänzen das Angebot. Das Backup-Basispaket kostet mit einem Volumen von zehn GByte inklusiver aller Bereitstellungskosten und Hotline 99 Euro, jedes weitere GByte beläuft sich auf 4,70 Euro.
Online-Backup – eigentlich kein Hexenwerk mehr
Der IT-Branchenverband Bitkom rät denn auch kleinen und mittelständischen Firmen (so genannten KMUs) zum Online-Backup. Der konsequente nächste Schritt wäre die Nutzung von Speicherdiensten: Läuft die Sicherung ohnehin übers Internet, kann sich auch gleich jemand anders darum kümmern, dass der Sicherungslauf nicht vergessen wird und die Daten gut aufgehoben sind.
Storage-as-a-Service (SaaS) wäre dann fast schon der nächste Schritt. So etwas hat beispielsweise der belgische Hosting- und Virtualisierungs-Datacenter-Spezialist A-Server im Angebot. Man kann hier sogar noch einen Schritt weiter gehen: A-Server will nämlich die neuartigen Begriffe wie Cloud-Computing, Cloud-Storage und Software/Storage-as-a-Service (SaaS) unter einer absolut neuartigen Dienstleistung zusammenfassen: Datacenter-as-a-Service (DaaS). Damit können Unternehmen, Entwickler und Service-Provider komplette Dienstleistungen in Lowcost-Cloud-Computing kreieren und verwalten. Im Prinzip geht es bei DaaS darum, ein virtuelles privates Rechenzentrum einzurichten und zu betreiben – ähnlich dem aus dem Netzwerkbereich bekannten Virtual-Private-Network (VPN), aber das Ganze auf Datacenter-Ebene hochgehoben.
Privatanwender gehen offensichtlich das Thema ziemlich unbefangen an. Der Flash-Spezialist SanDisk beispielsweise stellte kürzlich einen USB-Stick vor, auf dem bereits sich eine Backup-Software befindet (speicherguide.de berichtete). Eine Marktstudie sollte vorab klären, ob es für diesen Stick überhaupt einen Markt gibt. Man wollte dabei auch wissen, wie der Privatanwender sichert. Und siehe da: Rund 75 Prozent sichern auf CDs/DVDs, 11 Prozent verwenden externe USB-Festplatten – und bereits rund 14 Prozent verwenden Online-Backup. Als Zielgruppe wurde die Klientel auserkoren, die auf den optischen Medien sichert. Da der neue Stick mit Kapazitäten von acht bis 64 GByte herstellbar war, entschloss man sich, ihn auch tatsächlich herauszubringen. Dass sich 14 Prozent der Privatanwender bereits für Online-Backup entschlossen hatten, zeigt, dass diese Dienstleistung angenommen und im Kommen ist.
Fazit
Online-Backup ist nicht nur etwas für Privatanwender, auch für kleinere und mittelständische Unternehmen gibt es ein zunehmend interessantes Angebot. Viele Anbieter offerieren Freikontingente mit einem oder zwei GByte, wo man alles problemlos ausprobieren kann. Danach ist alles nur noch eine Frage des Komforts, des Datensicherheitslevels – und des Preises. Vom einfachen Speicherplatz für vorübergehendes Sichern von temporären Files bis hin zum mehrjährigen Archivieren von hochwichtigen Firmenunterlagen ist alles möglich.
Auswahl an Anbietern von Online-Backup-Dienstleistungen