NAS-Systeme profilieren sich als Speicher-Update mit einem sehr guten Preis/TByte-Verhältnis. Bei der Kaufwahl zählen aber nicht nur geringe Anschaffungskosten und hohe Kapazitätswerte. Gute Produkte bieten Skalierbarkeit und Ausfallsicherheit. Lesen Sie die wichtigsten Kaufkriterien im Überblick.
Marktübersicht
NAS-Systeme
Ein NAS-System stellt mehreren Anwendern einen zentralen Speicherplatz zur Verfügung. Die Architektur erlaubt es ein Disk-Array unabhängig vom Server an einer beliebigen Stelle im Netzwerk zu integrieren. Im Prinzip handelt es sich um dedizierte Fileserver, die auf das Bereitstellen von Dateien und Kapazität optimiert sind. NAS-Server besitzen daher ein schlankes, auf File-Dienste angepasstes Betriebssystem und beschränken sich auf die unverzichtbaren Schnittstellen zum Netzwerk und den Speicherlaufwerken.
Einsatzgebiete sind vor allem »überschaubare IT-Umgebungen«. In größeren Netzwerken ist aus Performance-Gesichtspunkten meist ein größerer Aufwand nötig. Zu den Nachteilen von NAS gehört die erhöhte Netzwerkbelastung. Eher unüberschaubar ist das im Markt erhältliche Angebot. NAS-Systeme haben das Rechenzentrum längst verlassen und halten nun über Heimbüros (SoHos) Einzug in das Wohnzimmer. In der Marktübersicht NAS-Systeme von speicherguide.de haben wir wegen der Übersichtlichkeit Desktop- und Tower-Produkte in die Marktübersicht SoHo-NAS (siehe auch Schwerpunkt »SoHo-NAS«) ausgegliedert. Die hier gelisteten Systeme sind in Rackmount-Bauform für den Einbau in 19-Zoll-Schränke vorgesehen.
Einsteiger-NAS für unter 1.000 Euro
Buffalo »TeraStation III Rackmount«
Die kleinstmögliche Konfiguration ist ein Einsteiger-NAS mit vier Festplatten. Mit zwei TByte-Laufwerken lässt sich damit eine Bruttokapazität von acht TByte erreichen. Es werden ausschließlich 3,5-Zoll-Festplatten mit SATA-Schnittstelle verwendet.
Ein 2-TByte-Gerät wie Buffalo »TeraStation III Rackmount« (siehe Review) ist ab rund 850 Euro netto erhältlich, die TBtye-Variante ab 790 Euro. Als Einstiegsmodell bietet das System einige Merkmale, die noch nicht selbstverständlich sind. Hierzu gehört unter anderem die Skalierbarkeit und optional der integrierte Replikations- und Failover-Mechanismus.
Die Preise anderer Hersteller variieren in dieser Kategorie je nach Bestückung zwischen knapp 1.100 Euro (Iomega »StorCenter Pro ix4-200r« mit 2 TByte) und 3.000 Euro (Dell »PowerVault NX300« mit 8 TByte).
Steigender Qualitätsanspruch in der Mittelklasse
Midrange-Geräte erlauben einen Mischbetrieb von SATA- und SAS-Laufwerken. So lässt sich beispielsweise in einem kompakten Gerät ein abgestuftes Speicherkonzept (Tiered-Storage) aufbauen. Hinzukommen standardmäßig Funktionen wie Snapshots und Replikation. Auch sind hier zumindest die Netzteile und Lüfter redundant und tauschbar.
Größtenteils verfügen die Systeme auch über mehrere Netzwerkanschlüsse, wie zum Beispiel das »ES-2024WSS« von EUROstor mit vier Gbit-Ethernet-Ports. Das 4U-Rackmount fasst bis zu 24 SAS/SATA-Platten und unterstützt einen Cache mit maximal zwölf GByte. Der Preis für eine Basiskonfiguration beginnt bei 7.600 Euro.
N-Tec »rapidNAS DSS848-G4«
Das N-Tec »rapidNAS DSS848-G4« (siehe Produkt-Review) bietet auf acht Höheneinheiten Platz für 48 SATA- bzw. SAS-Drives. Es lässt sich sowohl als filebasiertes NAS wie als blockbasiertes iSCSI-System nutzen oder auch in einer Kombination aus beiden. Zu den allgemeinen Funktionen gehören unter anderem ein adaptives Load-Balancing oder die Unterstützung von 10-Gbit/s-Adaptern für besseren Datendurchsatz. Für 48 TByte müssen Interessenten netto 8.473 Euro veranschlagen.
Highend-NAS: Ausfallsicherheit, Performance
Der Übergang zu Highend-Arrays ist fließend. Diese Kategorie zeichnet sich unter anderem durch höchste Performance, Fehlertoleranz und Ausfallsicherheit aus. Das heißt, ein Systemstillstand lässt sich im Prinzip gänzlich vermeiden. Sämtliche Komponenten sind in doppelter Ausführung vorhanden und garantieren einen ständigen Zugriff auf die gespeicherten Daten.
Zu den kapazitätsstärksten Produkten gehört »Titan 3200« von BlueArc. Insgesamt verwaltet das System bis zu 5.000 Laufwerke und stellt ein Speichervolumen von vier PByte zur Verfügung. Der Hersteller wirbt mit einem Datendurchsatz von bis zu 20 Gbit/s und 200.000 IOPS. Im Vollausbau mit 1.176 SATA-Platten erreicht beispielsweise das »FAS6080« von NetApp 2,3 PByte.
Service und Support
Eine dreijährige Garantiezeit gehört bei NAS-Servern bzw. im Storage-Bereich allgemein noch nicht hundertprozentig zum Standard – sollte es aber. Beim Kauf von Speicher für den kommerziellen Betrieb empfiehlt es sich für IT-Entscheider hierauf zu achten. Ab der gehobenen Mittelklasse und im oberen Segment sind in steigendem Maße Faktoren wie Service vor Ort, Austauschmöglichkeiten und Reaktionszeiten wichtig.
Optionale Leistungen beim Service finden sich bei der Mehrheit der Anbieter. Wer auf telefonischen Support Wert legt, muss prüfen, ob dieser in deutscher Sprache und vielleicht zum Nulltarif oder zumindest zu Sonderpreisen angeboten wird.
Kaufkriterien NAS-Server
Bei den Auswahlkriterien gilt es zu definieren, wie flexibel und ausbaubar das System sein muss und wie sehr ein Systemstillstand die Mitarbeiter im Unternehmen schmerzt. Ausfallgefährdete Komponenten wie Lüfter, Netzteile und Hauptspeicher sollten für den Fall eines Hardware-Defekts doppelt ausgelegt sein. In SATA-Arrays darf ein RAID-6-Schutz nicht fehlen, auch wenn für den RAID-Betrieb ausgewiesene Drives heute ebenfalls eine hohe Qualität aufweisen (siehe Blog). Im TByte-Zeitalter dauert es einfach zu lange, bis im Schadensfall eine neue Festplatte wieder in den RAID-Verbund integriert ist. Für den Rebuild von einem TByte müssen Administratoren einen ganzen Tag einplanen. Fällt während dieser Zeit eine weitere Harddisk aus, rettet nur ein aktuelles Backup aller auf dem NAS gespeicherten Daten vor einem Datenverlust. IT-Manager sollten dies in ihre Kaufentscheidung mit einbeziehen und eventuell Arrays mit mehreren weniger kapazitätsstarken Platten in Betracht ziehen.
Um Stillstandzeiten zu vermeiden gehört die redundante und hotswapfähige Auslegung der Stromversorgung bei 2U-Rackmount-Produkten zum Standard. Bei NAS-Servern mit nur einer Höheneinheit (1U) sowie bei kleinen Türmen ist dies allerdings nicht der Fall. Je höher der Anspruch an die Hochverfügbarkeit, desto umfangreicher müssen die Schutzmaßnahmen ausfallen. Dies reicht von dualen Controllern und Netzwerkanschlüssen bis zum Failover-Betrieb zweier Systeme.
Ein guter NAS-Server sollte folgenden Anforderungen gerecht werden:
- hotswapfähige Festplatten
- Hot-Spare-Disks
- Schutz vor mehrfachem Plattenausfall
- schnelle Wiederherstellung (on the fly)
- Online-Erweiterung der Speicherkapazität
- redundante und hotswapfähige Stromversorgung und Lüfter
- Dual-Gbit-Ethernet (hotswapfähig)
- (Dual-) Anschluss für Bandlaufwerke oder Librarys
- Management-Funktionen mit Web-Interface
- nicht an Betriebssystem gebunden
- Anschluss zur SAN-Integration
In punkto Connectivity kommt es darauf an, welche Protokolle das NAS-System unterstützt. Die Anbindung an Gbit-Ethernet ist die Norm. Darüber gewinnt die Unterstützung von iSCSI an Bedeutung.
Checkliste NAS-Server
Vor der Anschaffung eines NAS-Servers sollten sich IT-Entscheider folgende Fragen stellen:
- Was ist die Aufgabe des NAS?
- Mit welchen Clients (Windows, Mac, Linux) soll auf das NAS zugegriffen werden?
- Welche Kapazität wird heute benötigt und wie viel in zwei Jahren?
- Welche Netzwerkanbindung wird benötigt?
- Was passiert, wenn Komponenten des NAS ausfallen und wie schnell müssen bei einer Havarie die Daten wieder zur Verfügung stehen?
- Wie lässt sich das NAS-System erweitern und was kostet diese Erweiterung?