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[23.02.2006] (kfr)
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Backgrounder: Ultra-Density-Optical (UDO)

Die UDO-Technologie hat sich bei der professionellen Archivierung als legitimer MO-Nachfolger etabliert. Gesetzlichen Vorschriften sowie die durch ILM angestoßene Diskussion um eine hierarchische Informationsspeicherung könnten dem bisherigen Nischenformat zu breiter Akzeptanz verhelfen.

von Siegfried Dannehl

Der lange Atem der Verantwortlichen bei Plasmon zahlt sich aus. Die Zeiten, in der die UDO-Technologie (Ultra-Density-Optical) als Geheimtipp unter Insidern gehandelt wurde, sind vorbei. Die Gründe liegen sowohl in Marktentwicklungen als auch in strategischen Entscheidungen des Plasmon-Managements.

 Zum Vergrößern anklicken!  Grafik: Plasmon
Die auf Grund immer neuer gesetzlicher Regularien entfachte Diskussion um Compliance hat dem in der Vergangenheit ungeliebten Thema »elektronische Archivierung« einen hohen Stellenwert verliehen. Mit Einführung von »UDO-Compliance-Write-Once« Mitte 2005 bietet Plasmon jetzt den passenden Datenträger. »Indem Daten die genau vorgegebene Zeit archiviert werden können, haben die Unternehmensverantwortlichen, aber auch die Datenschützer jetzt ein ideales Medium für die Datenspeicherung und -löschung«, bestätigt Claus Egge, Program Director European Storage Research bei IDC.

Auch in punkto Funktionalität und Integrationsfähigkeit hat Plasmon die Zeichen der Zeit erkannt und mit seinen Aktivitäten im RAID-Markt die richtigen Weichen gestellt. Die im Februar vorgestellte »UDO Archive Appliance« kombiniert die Leistungsfähigkeit und die Einfachheit eines Network-Attached-RAID-Speichers mit der Langlebigkeit und Authentizität optischer Speicher. Derzeit optimiert für den Einsatz im Medizinbereich, wenn es um die Speicherung hoch auflösender Bilder in »Picture Archiving and Communication«-Systemen (PACS) geht, könnten derartige Appliance-Lösungen mittelfristig auch in vielen anderen Branchen, aber auch in ILM-Strukturen zum Einsatz kommen.

Für mehr Aufmerksamkeit wird letztendlich auch die kürzlich bekannt gegebene Kooperation mit IBM sorgen. Big Blue wird UDO-Laufwerke, -Medien und -Automatisierungstechnologie von Plasmon in seinen neuen »System Storage 3996 Optical Libraries« einsetzen. Die neuen 3996-Systeme sind die Nachfolgemodelle der 3995-Library-Familie und in drei Konfigurationen als Modell »032«, »080« und »174« erhältlich. Die speziell für Entry-Level- und Midrange-Anwender entwickelten Bibliotheken unterstützen Plasmons einfach und mehrfach beschreibbare 30-GByte-UDO-Medien.

Der UDO-Standard

Das Konzept des UDO-Formats stammt ursprünglich von Sony und war als Nachfolgetechnologie zum MO-Format konzipiert. Nachdem Sony zugunsten von Blu-ray auf eine Weiterentwicklung des UDO-Formats verzichtete, wurde das Format von Plasmon adaptiert. Als Entwicklungspartner konnte der Hersteller das IT-Schwergewicht Hewlett-Packard gewinnen. Das UDO-Entwicklungsprogramm mit einem Umfang von 25 Millionen Dollar begann im Juni 2000. Das erste UDO-Laufwerk wurde im Herbst 2003 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Einen wichtigen Meilenstein für eine breite Akzeptanz stellt die Übernahme des UDO-Media-Formatstandards durch die Ecma International dar, den Industrieverband für die Standardisierung von ICT-Systemen (Information and Communication Technology). Im August 2004 verkündete die Ecma, dass die International Organization for Standardization (ISO) und die International Electrotechnical Commission (IEC) den UDO-Media-Formatstandard ECMA-350 offiziell anerkannt haben. Der zertifizierte Standard mit der Bezeichnung ISO/IEC 17345 spezifiziert die mechanischen, physikalischen und optischen Eigenschaften von 30 GByte UDO-Medien in Rewritable- und echter Write-Once-Technik.

Eine Vielzahl von Hardware- und Software-Anbietern darunter IBM, HP, EMC/Legato, Symantec/Veritas und Verbatim (Mitsubishi) unterstützen den UDO-Standard.

Die UDO-Laufwerkstechnologie

 Zum Vergrößern anklicken!  Foto: Plasmon
UDO nutzt einen mit einer Wellenlänge von 405 nm arbeitenden blau-violetten Laser. Der große Unterschied zwischen der Alternativtechnologie Blu-ray und UDO ist das verwendete Linsensystem: Während Blu-ray eine 0,85-NA-Linse* verwendet und damit auf dem einseitigen Medium eine Kapazität von 23,3 GByte realisiert, kommt bei der ersten UDO-Generation aus Zeit- und Kostengründen eine 0,7-NA-Linse zum Einsatz – genau wie bei der Alternativtechnologie HD-DVD. Auf Grund dessen liegt die Speicherkapazität nur bei 15 GByte, was dadurch kompensiert wird, dass das Medium beidseitig beschrieben werden kann und dem Anwender somit pro Medium 30 GByte zur Verfügung stehen. Die dritte UDO-Generation soll, wie Blu-ray, ebenfalls 0,85-NA-Linsen verwenden.

Die Such- und Schreib/Lese-Performance von UDO wurde speziell für die Anforderungen von Archiven optimiert. 35 Millisekunden Suchzeit bietet einen schnellen Random-Zugriff auf die Daten. Die kontinuierliche Lesegeschwindigkeit beträgt maximal acht MByte/s, die Schreibgeschwindigkeit vier MByte/s. Ladezeiten von einigen wenigen Sekunden ermöglichen den Zugriff auf jede beliebige Datei in einem automatisierten Archiv in weniger als zehn Sekunden. Diese Leistungsfähigkeit ist damit erheblich höher als bei Magnetbändern und liegt in den Zugriffstoleranzen der meisten Archivierungsumgebungen.

Die UDO-Mediatechnologie

 Zum Vergrößern anklicken!  Quelle: Plasmon
Wie bereits die beschreibbaren CD- und DVD-Produkte basiert UDO ebenfalls auf der bekannten Phase-Change-Medientechnologie. Durch stufenweises Erhitzen mittels eines Laserstrahls wird dabei die Materialstruktur des Phase-Change-Speichermediums punktuell zwischen einem amorphen (schlecht reflektierenden) und einem kristallinen (gut reflektierenden) Zustand umgeschaltet. Dies ist im Vergleich zum magneto-optischen Verfahren – technologisch betrachtet – weit weniger aufwändig und daher deutlich preiswerter. Zwar unterliegt es gewissen Einschränkungen, sowohl hinsichtlich der Zahl der Überschreibzyklen als auch hinsichtlich der langfristigen Haltbarkeit der geschriebenen Informationen, dennoch überwiegen unter dem Strich die Vorteile.

Plasmon bietet drei verschiedene UDO-Medientypen: True-Write-Once ist einmal beschreibbar und nicht löschbar, Compliance-Write-Once bedeutet ebenfalls einmal beschreibbar, verfügt aber über eine »Scratch«-Funktion zur gezielten Datenlöschung und Rewritable ist bis zu 10.000 Mal wiederbeschreibbar. Die Integrität der auf den Medien gespeicherten Daten ist auf 50 Jahre zertifiziert. Die Medien werden im Werk Mizushima von der Verbatim-Muttergesellschaft Mitsubishi Kagaku Media produziert.

Die Kosten von UDO

 Zum Vergrößern anklicken!  Grafik: ESG
In einer detaillierten TCO-Analyse von Archivierungsspeichern hat das Marktforschungsinstitut Enterprise Strategy Group (ESG) eine Reihe gebräuchlicher Speichertechnologien verglichen. Die Studie, die sich am konkreten Anwendungsbeispiel eines Londoner Finanzinstituts orientiert, quantifiziert die primären Kosten zum Aufbau und zur Instandhaltung eines zwölf TByte großen Datenarchivs über einen Zeitraum von drei Jahren. Die TCO-Analyse vergleicht Bänder, Festplatten und optische Lösungen, die so konfiguriert wurden, dass sie die gesamte Archivkapazität und die täglichen Zugriffsanforderungen der genannten Beispielanwendung erfüllen.

 Zum Vergrößern anklicken!  Grafik: ESG
Die Analyse wurde erstellt, um die quantifizierbaren Kosten im Zusammenhang mit dem Aufbau und dem Betrieb eines professionellen Archivs zu erheben. Alle in der Analyse verwendeten Preise sind standardmäßige Listenpreise (US-Dollar) der Hersteller. Die laufenden Instandhaltungskosten wurden für die ersten drei Betriebsjahre berechnet, wobei die Garantiezeiten berücksichtigt wurden.

 Zum Vergrößern anklicken!  Grafik: ESG
Die wichtigsten Kostendifferenzen hängen weniger mit dem Vergleich magnetischer kontra optischer Technologie zusammen, sondern vielmehr mit deren spezifischen Implementierungen. Tatsächlich stehen die Lösungen »AIT-3« und »Centera«, die beide auf magnetischen Speichern basieren, an den entgegengesetzten Enden des finanziellen Spektrums. Es besteht auch ein erheblicher Kostenunterschied zwischen den beiden optischen Konfigurationen von DVD und MO. Insgesamt bieten die AIT-3-Tape-, DVD- und UDO-Konfigurationen eine erheblich niedrigere TCO als MO und Centera. Zudem sind ihre laufenden Betriebskosten wesentlich geringer.

Die Zielgruppen für UDO

Die UDO-Technologie wurde speziell für ILM- und Archivierungsumgebungen entwickelt und ermöglicht die sichere Langzeitspeicherung wertvoller geschäftlicher Informationen. Mit einer Kapazität von 30 GByte kann eine einzelne UDO-Kassette Millionen von Textseiten, mehr als 600.000 durchschnittlich große E-Mails und mehr als 30.000 hochauflösende Fotografien archivieren.

Zum Einsatz kommt die UDO-Technologie derzeit bereits in unterschiedlichsten Industriebereichen wie Medical-Imaging, Banken, Finanzdienstleistung, Pharmazie, Produktion, Design, Rundfunk & Fernsehen, Versicherungen und Telekommunikation. Doch nicht nur Großkonzerne, auch Kleinunternehmen, Abteilungen und Büroumgebungen wie Wirtschafts- und Steuerberatungsfirmen, Rechtsanwaltskanzleien, Ingenieur- und Konstruktionsbüros, Einrichtungen im Gesundheitswesen oder Verlagshäuser können mit der UDO-Technologie Daten gesetzeskonform sichern.

Die steigende Zahl von gesetzlichen Regularien (Basel II, Sarbanes-Oxley-Act, Turnbull-Report) einerseits, andererseits aber auch versicherungsrechtliche Vorsorgemaßnahmen (Schutz bei Gewährleistungsansprüchen) erfordern, dass Daten über lange Zeiträume sicher gespeichert werden. Der Einsatz von UDO-True-Write-Once und Compliance-Write-Once-Medien ermöglicht die Einhaltung von Compliance-Anforderungen, Datenschutzbestimmungen, Best-Practice sowie Audit-Trail-Management.

UDO – Technologieausblick und Roadmap

 Zum Vergrößern anklicken!  Quelle: Plasmon
Mit einem klar definierten Entwicklungspfad möchte Plasmon potenziellen UDO-Anwendern Investitionssicherheit bieten. Bereits 2006 soll die zweite UDO-Generation mit einer Speicherkapazität von 60 GByte (2x30 GByte) verfügbar sein. Eine weitere Kapazitätsverdoppelung auf dann 120 GByte (2x60 GByte) ist mit einer dritten Modellgeneration für das Jahr 2008 geplant. Beide Generationen werden nach Angaben der Plasmon-Entwickler abwärtslesekompatibel zur aktuellen, ersten Laufwerksgeneration sein und lassen sich in Mixed-Media-Librarys auch kombiniert einsetzen.

UDO und seine Wettbewerber

Der Countdown für die Markteinführung der DVD-Nachfolgetechnologien »Blu-ray« und »HD-DVD« läuft. Noch im Frühjahr 2006 sollen die ersten Produkte in den Regalen stehen. Ausgerüstet mit 405 nm Blaulicht-Lasern können die beiden für den Massenmarkt entwickelten Technologien zwar in punkto Kapazität, nicht aber im Hinblick auf Datensicherheit und Zuverlässigkeit mit UDO konkurrieren. Ursachen dafür sind eine vergleichsweise preiswerte Laufwerksmechanik sowie die Entscheidung, aus Gründen der Kostenersparnis und Bedienerfreundlichkeit auf Cartridges zu verzichten. Nach Einschätzung von Marktbeobachtern werden dennoch beide Technologien – ähnlich wie in der Vergangenheit CD und DVD – trotz dieser Defizite auch in Jukeboxen zum Einsatz kommen. Diese Entwicklung wird durch die Entscheidung von Sony, die PDD nicht weiterzuentwickeln, sicher noch forciert. Der Jukebox-Einsatz von vergleichsweise preiswerten Blu-Ray-Laufwerken mit Kapazitäten, die bei Double-Layer-Medien 50 GByte betragen, dürfte deshalb nur noch eine Frage der Zeit sein.

Konkurrenz für UDO droht allerdings auch von anderer Seite. Bis Ende 2006 sollen die ersten optischen Laufwerke mit holografischer Datenaufzeichnung des US-Herstellers InPhase auf dem Markt sein. Sie verfügen über eine Medienkapazität von 300 GByte und könnten bei attraktiven Kosten pro GByte – vielleicht nicht bei der klassischen Archivierung, auf jedem Fall aber im ILM-Umfeld – eine ernsthafte Alternative zu UDO darstellen.


* NA (Numerische Apertur) ist ein Äquivalent zur Blendengröße in Fotoapparaten. Eine hohe NA ermöglicht eine bessere Auflösung. Dies geht jedoch auf Kosten einer schlechteren Feldtiefe.


Weitere Informationen zu UDO
Der UDO-Standard kann in englischer Sprache auf der Ecma-Website eingesehen und heruntergeladen werden >>
Informationen zur Datensicherheit der UDO-Technologie stehen im »Trustworthy Storage White Paper« von Cohasset Associates >>
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