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[30.07.2009] (ubr)
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Neueste Technologien für bekannte Probleme

Ulrike Rieß
Nachdem die Preise für Disk-Systeme und somit auch für Sicherungen auf Festplatte immer weiter sinken, kommen diese Lösungen vermehrt zum Einsatz. Dabei ist die Investitionssumme nicht mehr so ausschlaggebend, vielmehr spielen Funktionalitäten nun die Hauptrolle. Vor einigen Jahren waren es Replikation und Snapshots, dann folgten Continuous-Data-Protection sowie Virtual-Tape-Librarys und nun führt Datendeduplizierung die Welle an. Die Vorteile dieser Funktionen – immer auf das entsprechende Szenario abgestimmt – sind unbestreitbar. Und doch beschleicht mich ein Déjà-vu-Gefühl, denn die Probleme, die diese neuen Technologien eliminieren sollen, sind die gleichen wie noch vor Jahren.

Bei der Durchsicht meiner Akten stellte ich fest, dass es bereits in vorangegangenen Diskussionen zum Thema Backup um zu kurze Sicherungsfenster, kaum zu verwaltende Datenflut, den Wunsch nach Automatisierung und die optimale Nutzung vorhandener Ressourcen ging. Natürlich immer gepaart mit schneller Installation und einfacher Bedienung. Die logische Schlussfolgerung wäre, dass die Problematik der zu schnell wachsenden Datenbestände und des unkontrollierbaren Datenwildwuchses schneller voranschreitet als der technische Fortschritt. Das stimmt natürlich nicht. Viel wahrscheinlicher ist es, dass viele Unternehmen ihre Backup-Probleme so lange wie möglich aussitzen und erst einmal mit den gegebenen Mittel zu richten versuchen. Wer sich ein Disk-System zulegt, hat noch lange nicht die Probleme des Datenverlusts durch manuelle Bedienung oder redundanter Daten gelöst. Er kann zunächst einmal schneller sichern und wiederherstellen. Mehr aber auch nicht. In einigen Bereichen ist sogar noch eine Bandsicherung im Einsatz. Gerade kleine Unternehmen schätzen geringe Strom- und Wartungskosten. Bei einer solchen Datensicherung muss sich das Unternehmen aber auch ganz gewiss sein, bei einem Systemausfall längere Wiederanlaufzeiten in Kauf nehmen zu können. Jede Firma sollte von Zeit zu Zeit prüfen, ob ihr Backup auch den Infrastrukturen und internen Vorgaben gerecht wird, denn diese ändern sich häufig.

So groß auch der Wunsch nach Storage von der Stange ist, er ist wohl kaum zu erfüllen. Der Anwender muss sich mit seinen Sicherungsanforderungen und den Restore-Bedingungen erst einmal gründlich auseinander setzen, bevor sich eine geeignete Lösung finden lässt. Und wenn er sich danach richtet, wird er endlich eine moderne Lösung finden, die nicht nur alte, sondern auch kommende Engpässe bewältigen kann.

Ebenso wenig neu wie die beschriebenen Probleme ist die Mahnung, ein Restore auch wirklich zu testen und sich nicht nur auf die Datensicherung zu verlassen. Sie ist zwar die Basis für eine erfolgreiche Wiederherstellung, aber die kann sich nur im Ernstfall beweisen und dann ist es meist zu spät. Also: Testen Sie den K-Fall, dann müssen Sie ihn nicht fürchten.

Ulrike Rieß, Redaktion speicherguide.de


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Kommentare
von talentix - Mittwoch, 16. Dezember 2009
Sie schreiben: ...Wer sich ein Disk-System zulegt... ...kann zunächst einmal schneller sichern und wiederherstellen.
Können Sie ein Beispiel aus der Praxis dafür nennen. Bei uns liefern viele Backup-Clients ihre Backup-Data-Streams gleichzeitig an unsere Libraries mit 9 LTO-Drives. LTO-Drives sind so schnell oder schneller als Disks. Was für ein Backup-Disk-System könnte von Durchsatz und I/Os her den Datenstrom aufnehmen, den 9 LTO-Drives aufnehmen? Und dann noch mit Deduplication, was die Performance um 20-30% drosselt...

Oft lese ich Szenarien, dass ein Unternehmen, das seine Backups mit einem oder zwei veralteten Tapes seine Backups gemacht hat, (womöglich noch mit manueller Bedienung,) dann auf B2D umgestiegen ist und nun eine tolle Geschwindigkeit hat. Wenn man vorher keine angemessene Technologie angewendet hat, ist jede neue Technologie besser. Dies sagt nichts über die Effektivität der neu eingesetzten Technologie aus.

von ubr - Montag, 21. Dezember 2009
Hallo talentix,
in der Praxis zeigt sich vor allem bei kleinen und mittelständischen Unternehmen oder auch Heimbüros, dass sich Disksysteme durchaus rechnen. Ein LTO-4 Laufwerk fasst 800 GByte unkomprimiert - und nur diese Kapazität sollte man vergleichen - eine SATA-Festplatte ein TByte, mittlerweile auch schon zwei. Der Durchsatz liegt im günstigsten Fall bei etwas über 300 MByte bei der Festplatte und 120 MByte bei LTO-4. Das ist zunächst natürlich nur ein Rechenbeispiel: Ein LTO-Autoloader mit acht Cartridgeplätzen und somit 6,4 TByte bekommt man schon um die 4.000 Euro (HP). Ein kleines NAS mit acht Platteneinschüben erhält man bereits für knapp unter 2.000 Euro (Thecus oder Qnap). Damit erreicht der Anwender flexible Einsatzmöglichkeiten, verteilten Speicher sowie schnelle Sicherungsprozesse. Zudem ist das Risiko manueller Eingriffe auf ein Mindestmaß reduziert.
Bei einer Library mit neun Laufwerken reden wir natürlich schon von ganz anderen Umgebungen und Preisen. Selbst kleine Librarys mit zwei Laufwerken kosten um die 4.000 Euro. Dabei spielt dann eventuell auch der Energieverbrauch eine Rolle, der in kleineren Umgebungen eher vernachlässigbar ist. Für wichtig halte ich einfach Funktionen wie RAID-Schutz, den nun mal kein Band liefert und schnellere Zugriffszeiten, sei es im Alltag oder bei einem Recovery. Insofern halte ich es eben nicht für eine Milchmädchenrechnung, wenn man sich für ein Disksystem statt für ein Bandsystem entscheidet.
Praxisbeispiele finden Sie bei uns in der Rubrik Datensicherung: Disk-Backup. Auch wenn hier die neusten Beispiele mit Deduplizierung ausgeführt werden, gibt es doch ein gutes Bild, was an Zeit eingespart werden kann. Mir selbst ist ein Lebensmittelhersteller bekannt, der aufgrund eines Disk-Backups einen kompletten Tag spart, den er vorher mit Sicherungsprozessen verbrachte.
Mit freundlichen Grüßen,
Ulrike Rieß.

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