Nachdem die Preise für Disk-Systeme und somit auch für Sicherungen auf Festplatte immer weiter sinken, kommen diese Lösungen vermehrt zum Einsatz. Dabei ist die Investitionssumme nicht mehr so ausschlaggebend, vielmehr spielen Funktionalitäten nun die Hauptrolle. Vor einigen Jahren waren es Replikation und Snapshots, dann folgten Continuous-Data-Protection sowie Virtual-Tape-Librarys und nun führt Datendeduplizierung die Welle an. Die Vorteile dieser Funktionen – immer auf das entsprechende Szenario abgestimmt – sind unbestreitbar. Und doch beschleicht mich ein Déjà-vu-Gefühl, denn die Probleme, die diese neuen Technologien eliminieren sollen, sind die gleichen wie noch vor Jahren.
Bei der Durchsicht meiner Akten stellte ich fest, dass es bereits in vorangegangenen Diskussionen zum Thema Backup um zu kurze Sicherungsfenster, kaum zu verwaltende Datenflut, den Wunsch nach Automatisierung und die optimale Nutzung vorhandener Ressourcen ging. Natürlich immer gepaart mit schneller Installation und einfacher Bedienung. Die logische Schlussfolgerung wäre, dass die Problematik der zu schnell wachsenden Datenbestände und des unkontrollierbaren Datenwildwuchses schneller voranschreitet als der technische Fortschritt. Das stimmt natürlich nicht. Viel wahrscheinlicher ist es, dass viele Unternehmen ihre Backup-Probleme so lange wie möglich aussitzen und erst einmal mit den gegebenen Mittel zu richten versuchen. Wer sich ein Disk-System zulegt, hat noch lange nicht die Probleme des Datenverlusts durch manuelle Bedienung oder redundanter Daten gelöst. Er kann zunächst einmal schneller sichern und wiederherstellen. Mehr aber auch nicht. In einigen Bereichen ist sogar noch eine Bandsicherung im Einsatz. Gerade kleine Unternehmen schätzen geringe Strom- und Wartungskosten. Bei einer solchen Datensicherung muss sich das Unternehmen aber auch ganz gewiss sein, bei einem Systemausfall längere Wiederanlaufzeiten in Kauf nehmen zu können. Jede Firma sollte von Zeit zu Zeit prüfen, ob ihr Backup auch den Infrastrukturen und internen Vorgaben gerecht wird, denn diese ändern sich häufig.
So groß auch der Wunsch nach Storage von der Stange ist, er ist wohl kaum zu erfüllen. Der Anwender muss sich mit seinen Sicherungsanforderungen und den Restore-Bedingungen erst einmal gründlich auseinander setzen, bevor sich eine geeignete Lösung finden lässt. Und wenn er sich danach richtet, wird er endlich eine moderne Lösung finden, die nicht nur alte, sondern auch kommende Engpässe bewältigen kann.
Ebenso wenig neu wie die beschriebenen Probleme ist die Mahnung, ein Restore auch wirklich zu testen und sich nicht nur auf die Datensicherung zu verlassen. Sie ist zwar die Basis für eine erfolgreiche Wiederherstellung, aber die kann sich nur im Ernstfall beweisen und dann ist es meist zu spät. Also: Testen Sie den K-Fall, dann müssen Sie ihn nicht fürchten.
Ulrike Rieß, Redaktion speicherguide.de